YAML | Example "3col_advanced"
Anzeige

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Mehr Optionen für Anleihenanleger durch fiskalpolitische Divergenz und geopolitische Unruhen

„Big Beautiful Bill“ und bundesdeutsches "Sondervermögen" können weitreichende Folgen haben / von Vikram Aggarwal, JUPITER

Staatsschulden/BIP, Industrie- und Schwellenländer im Vergleich Quelle: IWF - Stand: 29.11.24

Die Fiskalpolitik steht erneut im Fokus, da wichtige Industrieländer einen expansiven Kurs einschlagen, während viele Schwellenländer vorsichtiger vorgehen.

In den USA schätzt das überparteiliche Congressional Budget Office, dass Präsident Donald Trumps Steuer- und Ausgabengesetz „Big Beautiful Bill“ das Haushaltsdefizit bis 2034 um 2,4 Billionen Dollar erhöhen wird. Mit dem Gesetz will Trump Steuererleichterungen aus seiner ersten Amtszeit dauerhaft verlängern und seine Wahlversprechen zur Abschaffung der Steuern auf Trinkgeld und Überstunden einlösen. Außerdem sollen die Ausgaben für Grenzschutz und Verteidigung erhöht werden. Das Gesetz umfasst aber auch Ausgabenkürzungen, die insbesondere das Medicaid-Programm betreffen.

Die bestenfalls gemischten Ergebnisse der Abteilung für Verwaltungseffizienz (DOGE), mit der Trump massive Einsparungen im Staatsapparat durchsetzen wollte, haben die Hoffnungen auf einen radikalen Neustart in der US-Haushaltspolitik zerschlagen. Der Milliardär Elon Musk, der die Abteilung seit ihrer Gründung Anfang dieses Jahres geleitet hatte, ist aus der Regierung ausgeschieden und hat die Ausgabenpläne der Regierung scharf kritisiert. 

Eine fehlende Fiskaldisziplin ist heute ein Problem in Industrieländern und nicht in Schwellenländern

Auch in Europa ist die fiskalpolitische Lage nicht gerade rosig. Die geopolitische Neuordnung, die durch Trumps „America First“-Politik beschleunigt wird, hat Zweifel an der Stärke des seit dem Zweiten Weltkrieg bestehenden transatlantischen Verteidigungsbündnisses aufkommen lassen. Deutschland hat daraufhin angekündigt, 1 Billion Euro in die Stärkung des Militärs und den Ausbau der Infrastruktur zu investieren.

Die Bundesregierung hat ein neues Sondervermögen für Investitionen in Infrastruktur eingerichtet, das über einen Zeitraum von zwölf Jahren Kredite in Höhe von bis zu 500 Milliarden Euro aufnehmen darf. Außerdem hat Deutschland seine strengen Schuldenregeln gelockert und beschlossen, künftig alle Verteidigungsausgaben, die 1% des BIP übersteigen, von der Schuldenbremse auszunehmen. Darüber hinaus können sich die 16 Bundesländer künftig bis zu einer Höhe von 0,35% des BIP verschulden.

Angesichts der Bedeutung Deutschlands als größter Volkswirtschaft des Kontinents und seines Einflusses in der Europäischen Union könnten diese Schritte weitreichende Auswirkungen auf das restliche Europa haben. Während Deutschland dank seiner relativ niedrigen Schuldenquote Spielraum für höhere Ausgaben hat, trifft das auf andere große europäische Volkswirtschaften nicht zu: In Frankreich, Italien und Großbritannien zum Beispiel übersteigt die staatliche Neuverschuldung die jährliche Wirtschaftsleistung.

Während sich die Industrieländer damit abplagen, ihre Defizite zu und Schuldenberge abzubauen, erzielte Argentinien im vergangenen Jahr dank weitreichender Sparmaßnahmen einen Haushaltsüberschuss. Neben drastischen Personalkürzungen in der öffentlichen Verwaltung trieb die argentinische Regierung unter den Konditionen eines 20 Milliarden Dollar schweren Kreditpakets des IWF Reformen wie die Lockerung von Devisenkontrollen voran.

Diese Entwicklungen rücken die Fiskalpolitik in den Mittelpunkt des Interesses und die Geldpolitik stärker in den Hintergrund. Dadurch haben wir es jetzt mit einem ganz anderen Umfeld zu tun als in den Jahren 2022-2024, als die Zentralbanken ihre Geldpolitik aggressiv strafften, um die Inflation unter Kontrolle zu bringen, nachdem es durch die staatlichen Konjunkturhilfen während der Corona-Pandemie zu einem starken Preisanstieg gekommen war. 

Seither hat die Inflation deutlich nachgelassen (obwohl sie immer noch über den Zielwerten der Zentralbanken liegt), und das Zinsumfeld hat sich normalisiert. In vielen Industrieländern liegen die realen Zinsen jetzt wieder auf einem attraktiven Niveau. Die Renditekurven sind steiler geworden, wobei die expansive Fiskalpolitik insbesondere die Renditen am langen Ende der Kurve unter Druck setzt.

Das aktuelle Umfeld unterscheidet sich deutlich von dem der Jahre nach der globalen Finanzkrise, als eine ultralockere Geldpolitik die Renditen in großen Teilen des Anleihenuniversums in den negativen Bereich drückte. Heute bewegen sich die Renditen fast auf dem höchsten Stand seit der globalen Finanzkrise, was die Attraktivität von Staatsanleihen erhöht. Andererseits sind die Credit Spreads trotz des Risikos einer starken Spreadausweitung weiterhin eng. Damit ist dies ein optimaler Zeitpunkt für eine Umschichtung in „sicherere“ Staatsanleihen.

Die gute Nachricht

US-Präsident Trumps erratische Zollpolitik ist ein weiteres Thema, das die Sorgen und die Verunsicherung der Anleger verstärkt hat, da unklar ist, wie sich die Zölle auf Inflation und Wachstum auswirken werden. Bislang haben die USA nur mit Großbritannien eine Einigung erzielt. Mit anderen großen Handelspartnern wie China und der Europäischen Union wird noch verhandelt. Unterschiedliche Zollsätze für verschiedene Handelspartner dürften zu einer unterschiedlichen Performance der verschiedenen Märkte führen.

Geopolitische Risiken verstärken die Marktvolatilität zusätzlich. Mit dem Konflikt zwischen Israel und dem Iran hat sich die Lage im Nahen Osten weiter zugespitzt. Dies und der andauernde Krieg zwischen der Ukraine und Russland haben die Unsicherheit an den Märkten insgesamt erhöht. Aus den schwelenden Spannungen mit China im Konflikt um Taiwan könnte ein weiterer geopolitischer Brennpunkt entstehen.

Ein neues, von einer erhöhten Makrovolatilität geprägtes Umfeld

Fiskalpolitische Divergenzen, zollbedingte Unsicherheiten und geopolitische Turbulenzen haben zu einer erhöhten Volatilität am Anleihenmarkt beigetragen. Die unterschiedliche Ausgabenpolitik der Regierungen spricht für einen aktiven Ansatz bei Staatsanleihen und Strategien wie unser Jupiter Global Government Bond Active ETF (GOVE) sind gut positioniert, um Chancen entlang der Zinsstrukturkurve und in verschiedenen Regionen zu identifizieren. Die aktuell hohe Renditestreuung zwischen verschiedenen Staatsanleihenmärkten verdeutlicht die Vorteile eines weltweit diversifizierten Staatsanleihenportfolios. In diesem Umfeld spricht unserer Ansicht nach viel für eine Diversifikation über verschiedene entwickelte Staatsanleihenmärkte und ein selektives Engagement in Schwellenländeranleihen.

www.fixed-income.org


 

Investment
Michael Vander Elst, Head of Emer­ging Markets Fixed Income bei DPAM, sieht Latein­amerika als gut posi­tioniert für lang­fristiges Wachs­tum,…
Weiterlesen
Investment

von Arif Husain, Head of Global Fixed Income und CIO bei T. Rowe Price

Während die Unruhen im Nahen Osten und der Opti­mismus hinsicht­lich künst­licher Intelligenz die Märkte weiterhin antreiben, ist die erste…
Weiterlesen
Investment

von Leonardo Basile, Portfoliomanager bei Eurizon

Die vergan­genen drei Monate waren an den Kapital­märkten vor allem von zwei Faktoren geprägt: geo­poli­tischen Spannungen und dem starken Anstieg der…
Weiterlesen
Investment

von Jill Hirzel, Senior Investment Specialist bei Insight Investment

Die EZB hat heute in einer einstim­migen und weithin erwar­teten Entschei­dung die Zinsen ange­hoben. Die EZB hat ihre Prog­nosen revidiert, die…
Weiterlesen
Investment

von Filippo Alloatti, Head of Financials (Credit) bei Federated Hermes

Die EZB hat mit einer Zins­er­höhung um 25 Basis­punkte die Erwar­tungen bestätigt und den Haupt­refinan­zierungs­satz auf 2,25% angehoben. Die…
Weiterlesen
Investment
Sam Vereecke, CIO Fixed Income bei DPAM, beurteilt das aktuelle Markt­geschehen. Seine Kern­aussagen sind:•  US-Schuldenquote könnte binnen zehn…
Weiterlesen
Investment

von Massimo Spadotto, Head of Fixed Income bei Eurizon

Nach dem jüngsten Energie­preis­schock im Nahost-Kontext zeigte sich die Neube­wertung geo­politischer Risiken an den europä­ischen Anleihe­märkten…
Weiterlesen
Investment

von Cathy Braganza, Senior-Portfoliomanagerin bei Insight Investment

Anleger betrachten Unsicher­heit zu­nehmend nicht mehr als vorüber­gehende Störung, sondern als beständiges Merkmal des Anlage­umfelds nach der…
Weiterlesen
Investment

von Matt Bance, Portfoliomanager bei T. Rowe Price

Gold gehörte in den letzten Jahren zu den Spitzen­per­formern, gestützt durch eine starke Kombination aus Zentral­bank­käufen, geopolitischer…
Weiterlesen
Investment

Konsolidierung im europäischen Verteidigungssektor stellt nach der außergewöhnlichen Neubewertungsphase eine kaufenswerte Pause in einem mehrjährigen…

Nach einem Jahr­zehnt der Unter­investi­tionen im Vergleich zu den USA holt die EU nun auf. Die Verteidi­gungs­aus­gaben als Anteil am BIP steigen…
Weiterlesen
Anzeige

Neue Ausgabe jetzt online!