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Nordic High Yield lockt mit hohem Carry und niedriger Volatilität

Daniel Herdt © Lazard AM

Trotz des heraus­fordernden wirtschaft­lichen Umfelds überzeugt das Segment Nordic High Yield durch hohe Renditen bei gleichzeitig niedriger Volatilität. Laut Daniel Herdt, Portfoliomanager/ Analyst bei Lazard Asset Management, profitieren Investoren in diesem Markt von einem Rendite­aufschlag von über 200 Basispunkten gegenüber den tradi­tionellen High Yield-Märkten. Aufgrund verhältnis­mäßig stabiler Fundamental­daten, attraktiver Renditen und einer kaum spürbaren Zinssensitivität bleibt der nordische High Yield-Markt aus seiner Sicht ein interessanter Portfolio-Baustein für Investoren.

Hohe Renditen bei niedrigerer Volatilität

Im Vergleich zu Euro- oder US-Dollar-denominierten High Yield-Anleihen biete der nordische High Yield-Markt überdurchschnittliche Renditen bei gleichzeitig niedrigerer Volatilität. Dies liegt nach Einschätzung des Experten an mehreren strukturellen Faktoren: „Wir sehen im nordischen Hochzinsmarkt eine strukturelle Prämie von über 200 Basispunkten gegenüber anderen Märkten. Diese höhere Rendite ist vor allem darauf zurückzuführen, dass es sich um einen spezialisierten Markt mit kleineren Emittenten handelt, die eine attraktive Prämie für ihre Finanzierung zahlen müssen“, erklärt Herdt. Diese Unternehmen befänden sich oft noch in einem frühen Wachstumsstadium, hätten in der Regel keine Bonitätseinstufung von einer der großen, externen Ratingagenturen und aufgrund des niedrigen, benötigten Finanzierungsvolumens meist keine Möglichkeit einen der traditionellen High Yield-Märkte als Finanzierungsquelle für sich zu nutzen.

Zudem sei ein Großteil der Anleihen variabel verzinst, was sie weniger zinssensitiv mache – ein entscheidender Vorteil in einem Umfeld mit anhaltender Zinsvolatilität. „Außerdem sind die Laufzeiten im Schnitt kürzer, was die Anfälligkeit für Spread-Schwankungen reduziert und für zusätzliche Stabilität sorgt“, so Herdt. Diese Faktoren hätten dazu beigetragen, dass nordische Hochzinsanleihen im Jahr 2024 eine Gesamtrendite von 12,4 Prozent erreichen konnten. Diese Performance sei breit gefächert gewesen: Fast alle Industriesektoren hätten Renditen zwischen 8 und 13 Prozent erzielt.

Immobiliensektor: Starke Erholung, aber differenzierte Betrachtung nötig

Besonders auffällig sei die Erholung im Immobiliensektor gewesen. Dieser habe nach einer schwierigen Phase in den Jahren 2022/23 im vergangenen Jahr deutlich aufgeholt. Der Sektor sei zuvor stark von den Zinserhöhungen betroffen gewesen, da viele Unternehmen mit hohen Schulden finanziert gewesen und die Refinanzierungskosten sprunghaft angestiegen seien. „2024 haben wir im Immobiliensektor eine sehr starke Aufholrallye gesehen. Allerdings wurde aus unserer Sicht zu wenig auf die Kreditqualität der einzelnen Unternehmen geachtet. 2025 dürfte sich deshalb zeigen, welche Emittenten tatsächlich mit soliden Fundamentaldaten überzeugen können und welche nur von der allgemeinen Markterholung profitiert haben“, betont der Experte.

Ausblick 2025: Fundamentale Stärke und selektive Chancen

Für das Jahr 2025 erwartet Lazard Asset Management eine weiterhin stabile Entwicklung für diesen Markt, wenngleich selektives Investieren nicht nur im Immobiliensektor an Bedeutung gewinne: „Nach der breiten Markterholung 2024, dürfte sich in den kommenden Monaten die Spreu vom Weizen trennen“, so Herdt.

Die Attraktivität des nordischen High Yield-Marktes bleibe jedoch bestehen. Zwar seien die Credit Spreads an den globalen Anleihemärkten im historischen Vergleich nicht mehr günstig, doch angesichts des aktuellen Zinsumfelds seien auch keine historischen Spread-Niveaus notwendig, um attraktive Renditen zu erzielen. „Spreads sind derzeit weder besonders günstig noch teuer – sie befinden sich auf einem fairen Niveau. Auch weil das absolute Renditeniveau weiterhin sehr attraktiv ist. Die strukturell höheren Risikoprämien im nordischen High Yield-Markt erhöhen außerdem die relative Attraktivität dieses Marktsegments“, sagt Herdt.

Zinsen und Primärmarkt als stabilisierende Faktoren

Ein weiterer Vorteil des Marktes ergebe sich aus den höheren Leitzinsen in Skandinavien. Während die schwedische Riksbank ähnlich wie die Europäische Zentralbank (EZB) bereits in den Zinssenkungszyklus übergegangen sei, bleibe die Zentralbank in Norwegen aufgrund robusterer Wirtschaftsdaten vorsichtiger. Der Portfoliomanager erläutert: „Das marktgewichtete Zinsniveau wird in den Nordics auch 2025 höher bleiben als in der Eurozone. Kombiniert mit den höheren Credit Spreads ergibt sich dadurch ein sehr attraktives Renditepotenzial.“

Der Primärmarkt habe sich 2024 stabil gezeigt und dürfte es auch 2025 bleiben: Die Emissionstätigkeit ziehe wieder an, nachdem 2022 ein Rückgang zu beobachten gewesen sei. Der Markt wachse und biete Investoren eine breitere Auswahl an Anleihen. Gleichzeitig sorge das ausgewogene Verhältnis von Angebot und Nachfrage für eine solide Marktstruktur.

Risiken unter Kontrolle: Sinkende Ausfallraten und robuste Bilanzen

Trotz des herausfordernden makroökonomischen Umfelds seien die Ausfallraten im Nordic High Yield-Segment bereits rückläufig. Frühindikatoren wie die Distressed Ratio – der Anteil der Anleihen, die mit erheblichen Abschlägen gehandelt werden – hätten sich ebenfalls verbessert. „Die Ausfallraten sind in den vergangenen 18 Monaten zwar gestiegen, aber erste Daten zeigen bereits eine Stabilisierung“, so Herdt. Dieser Trend werde sich im weiteren Jahresverlauf wahrscheinlich fortsetzen.

Die Unternehmensbilanzen seien trotz der Zinserhöhungen weitgehend solide geblieben. Als besonders positiv ist aus Sicht Herdts, dass viele Unternehmen aufgrund der variabel verzinsten Verschuldung bereits seit mehreren Quartalen mit höheren Finanzierungskosten umgehen müssten. Dadurch sei die Transparenz in Bezug auf die Kreditqualität gestiegen, was Investoren eine bessere Einschätzung der Risiken ermögliche und einen deutlichen Vorteil gegenüber traditionellen High Yield-Anlagen darstelle.

Fazit: Hoher Carry, niedrige Volatilität und solides Umfeld

Herdt resümiert: „Nordic High Yield bietet Anlegern ein attraktives Renditeprofil mit einer in EUR gesicherten, laufenden Verzinsung von 8 bis 9 Prozent. Die variabel verzinsten Anleihen und die daraus resultierende sehr kurze Duration reduzieren die Zinssensitivität. Die hohe Rendite und die vergleichsweise kurzen Laufzeiten verringern außerdem die Spreadsensitivität, sodass es deutlicher Spread-Ausweitungen bedarf, um Performanceverluste zu generieren.“ Und weiter: „In einem Markt, der vornehmlich aus variabel verzinsten Anleihen besteht, schlagen Zinssenkungen der Zentralbanken zudem schneller auf die Realwirtschaft durch. Auch dies macht Nordic High Yield im aktuellen Umfeld interessant.“ Angesichts eines hohen Carry, niedriger Volatilität und sinkender Ausfallraten blickt der Nordic High Yield-Experte sehr konstruktiv auf das noch junge Jahr 2025.

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