YAML | Example "3col_advanced"
Anzeige

Anzeige
Anzeige

„Nur ein kurzfristiger Ausnahmezustand“, Julien-Pierre Nouen, Chefökonom und Leiter Multi-Asset, Lazard Frères Gestion

Nach Meinung von Julien-Pierre Nouen, Chefökonom und Leiter Multi-Asset bei Lazard Frères Gestion, wird sich die Weltwirtschaft nach einem kurzfristigen Ausnahmezustand wieder erholten. Die Nachfrage wird sich nach seiner Einschätzung wieder normalisieren oder es wird sogar einen gewissen Nachholbedarf geben. In diesem Umfeld dürften, nach Überwinden der Coronakrise, Risikoanlagen wie Aktien oder risikoreichere Segmente des Anleihemarktes günstig bewertet sein, wie er im Interview mit dem BOND MAGAZINE erläutert.

BOND MAGAZINE: Die Sorge um das Coronavirus hat die Renditen von Staatsanleihen in den letzten Wochen stark sinken lassen. Glauben Sie, dass die Auswirkungen des Virus uns lange beschäftigen werden?

Nouen: Bislang ist bekannt, dass das Coronavirus weniger tödlich als das SARS-Virus ist, aber wahrscheinlich ansteckender. Die chinesischen Behörden scheinen schneller gehandelt zu haben als vor 17 Jahren. Allerdings reisen die Menschen heutzutage mehr und China ist heute für die Weltwirtschaft wichtiger als damals. Die Verbreitung des Virus in der ganzen Welt führt nun dazu, dass viele Länder ihre Grenzen dicht machen und es zu wirtschaftlichen Einschränkungen kommt. Dies bringt die Weltwirtschaft in massive Schwierigkeiten und dürfte zu einem starken Einbruch der globalen Wachstumsraten führen. Sobald die Einschränkungen für die Wirtschaft jedoch aufgehoben sind, dürfte sich die Wirtschaftstätigkeit wieder erholen. Allerdings sind massive wirtschaftspolitische Schritte erforderlich, um die Zeit der Krise mit möglichst geringen Auswirkungen auf die Produktionskapazität zu überstehen.

BOND MAGAZINE: Wie schätzen Sie die wirtschaftlichen Aussichten für 2020 ein?

Nouen: Über den kurzfristigen Ausnahmezustand hinaus dürfte sich die Weltwirtschaft wieder erholen – dank einer Normalisierung der Nachfrage bzw. sogar eines gewissen Nachholbedarfs, aber auch dank aller ergriffenen Maßnahmen. Das Wichtigste ist nun die Vermeidung von ungewollten Unternehmenskonkursen und Arbeitslosigkeit. Darauf zielen die bisherigen Konjunkturprogramme ab. Darüber hinaus erwarten wir weitere Maßnahmen, um eine Erholung in Gang zu setzen. Wir sind nach wie vor der Ansicht, dass die aktuelle Coronakrise nur einen kurzfristigen Ausnahmezustand darstellt und die wirtschaftliche Expansion nach einer zwar sehr tiefen, aber auch sehr kurzen Rezession wieder einsetzen wird. Die Bilanzen der Haushalte sind solide, und es gab keine Investitionsüberschüsse.

BOND MAGAZINE: Vom Coronavirus abgesehen gibt es weitere Unsicherheitsfaktoren, nicht wahr?

Nouen: Ja, das ist richtig. So löst beispielsweise das zwischen den USA und China ausgehandelte Phase-1-Handelsabkommen nicht alle Probleme zwischen den beiden Ländern und der Anstieg der Importe von US-Produkten, zu dem sich China verpflichtet hat, ist sehr steil. Allerdings stehen in den USA Wahlen bevor und deshalb halten wir es für höchst unwahrscheinlich, dass US-Präsient Donald Trump weitere Unsicherheitsschocks verursachen will. Was den Brexit betrifft, so haben die letzten Wahlen Boris Johnson eine klare Mehrheit verschafft, die er während der Verhandlungen mit der Europäischen Union als Hebel nutzen kann. In gewisser Weise ähneln die gegenwärtigen Haltungen der EU und Großbritanniens einem Rollenspiel. Vor dem letzten Quartal 2020 wird da wahrscheinlich nichts Wesentliches geschehen. Dies sollte die Entwicklung des Einkaufsmanagerindex im verarbeitenden Gewerbe unterstützen, so dass sich das Wachstum nach und nach erholen sollte.

BOND MAGAZINE: Die aktuelle US-Expansion ist die längste in der Geschichte. Wird es nicht allmählich Zeit für eine Rezession?

Nouen: Wachstumsphasen sterben bekanntlich nicht an Altersschwäche. Unserer Ansicht nach wird sich die gegenwärtige Sondersituation als sehr kurz erweisen, und die dann folgende Erholung sollte die Grundlage für eine neue Periode der wirtschaftlichen Expansion bilden, die mindestens 18 Monate, vielleicht sogar länger, dauern könnte. Die meisten Rezessionen in den USA waren die Folge einer geldpolitischen Straffung flankiert von überzogenen Bilanzen. Dies ist aktuell nicht der Fall.

BOND MAGAZINE:
In welchen Assetklassen sehen Sie Chancen für die kommenden Monate?

Nouen: Wir glauben, dass das Marktumfeld nach Überwindung der Coronakrise für Risikoanlagen wie Aktien oder risikoreichere Segmente des Anleihemarktes günstig sein könnte. Risikoassets haben zuletzt drastisch an Wert verloren und werden jetzt auf einem Niveau gehandelt, das eine Rezession bereits einpreist. Aktien dürften sich jedoch erneut stark entwickeln, sobald sich die Wirtschaftstätigkeit wieder erholt. Im Fixed-Income-Bereich mögen wir Hochzinsanleihen sowie Additional Tier 1 Nachranganleihen. Aufgrund der reichlich vorhandenen Liquidität dürfte deren Performance nahe dem Carry liegen. Bei Staatsanleihen erwarten wir dank des sich verbessernden wirtschaftlichen Umfelds höhere langfristige Zinsen. Die Wertentwicklung dürfte hier eher schlecht sein.

BOND MAGAZINE: Sehen Sie in diesem Jahr einen Schwarzen Schwan auf die Märkte zukommen?

Nouen: Nein. Aber es gibt ein Risiko, das unserer Meinung nach vom Markt deutlich unterbewertet wird: die Inflation. Kurzfristig wirkt die Corona-Krise natürlich disinflationär. Langfristig ist dies jedoch nicht unbedingt so, wenn man den starken Anstieg des Haushaltsdefizits berücksichtigt. Die implizierte Erwartungshaltung des Marktes ist allerdings, dass die Inflation mindestens fünf Jahre lang niedrig bleiben wird und die Leitzinsen in dieser Zeit auf ebenso tiefem Niveau verharren werden. Wir denken allerdings, dass die Wirtschaft nicht linear verläuft, und dass eine Inflationsbeschleunigung viel schneller eintreten könnte als gedacht. In den sechziger Jahren, nach fünf Jahren mit einer Kerninflation von unter 1,7%, ist die Inflation von 1,4% auf 3,0% innerhalb von nur 9 Monaten sprunghaft angestiegen. Eine solche Bewegung würde viele Marktteilnehmer überraschen und zu einer erheblichen Neubewertung der Assetpreise führen. Ist dies auf kurze Sicht wahrscheinlich? Wohl eher nicht, aber es ist möglich.

BOND MAGAZINE: Sie verwalten den Lazard Patrimoine Fund, einen Multi-Asset-Fonds. Wie haben Sie das Portfolio für 2020 aufgestellt?

Nouen: Unsere Portfoliozusammenstellung ergibt sich aus unserer Einschätzung der Makro- und Marktaussichten sowie durch unseren systematischen Mechanismus zur Reduzierung des Risikos. Unter fundamentalen Gesichtspunkten müssten wir Aktien, Hochzinsanleihen sowie Nachranganleihen im Fonds deutlich übergewichten, da diese aktuell günstig bewertet sind. Angesichts der jüngsten Volatilität ist der Fonds jedoch derzeit kaum in Risikoanlagen investiert. Hier greifen die genannten Mechanismen zur Risikominimierung. Wir halten die Duration des Portfolios sehr niedrig, mit einer negativen Durationspositionierung gegenüber US-Zinsen, so dass der Fonds abgesichert ist, sollten die Zentralbanken plötzlich wieder restriktivere Töne anschlagen. Sobald sich unsere Einschätzung der Makrolage und der Märkte ändert, werden wir die Asset-Allokation des Portfolios entsprechend flexibel anpassen.

Das Interview führte Christian Schiffmacher.

Disclaimer:
Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Ergebnisse. Anleger sollten sich bewusst sein, dass der Wert von Aktien und deren Erträge nicht garantiert werden können und aufgrund von Bewegungen auf dem Börsenmarkt sowohl fallen als auch steigen können. Es besteht die Gefahr, dass sie bei einem Verkauf weniger zurückerhalten, als sie ursprünglich investiert haben.

Kopien des vollständigen Prospekts, des relevanten Key Investor Information Document (KIID) sowie des letzten Berichts und der letzten Jahresabschlüsse sind auf Anfrage in englischer Sprache und gegebenenfalls in anderen Sprachen unter der unten angegebenen Adresse oder unter www.lazardassetmanagement.com erhältlich. Investoren und potenzielle Investoren sollten die Risikowarnungen im Prospekt und im relevanten KIID lesen und beachten.

https://www.fixed-income.org/
(Foto: Pierre Nouen © Lazard Frères Gestion)


Investment
Der aktuelle „Gold Demand Trends" Report des World Gold Council für das erste Quartal 2026 zeigt, dass die gesamte viertel­jährliche Gold­nachfrage…
Weiterlesen
Investment

von Sonal Desai, CIO, Franklin Templeton

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran steht weiterhin im Mittel­punkt des Markt­interesses. Es scheint eine unsichere Ein­stellung der aktiven…
Weiterlesen
Investment
Konstantin Veit, Portfolio­manager bei PIMCO, gibt seine Ein­schätzung zur anste­henden Sitzung der Euro­päischen Zentral­bank wieder: „Im Umfeld der…
Weiterlesen
Investment

Mit 2,6 GW Anschlussleistung in Entwicklung stellt Green Energy Storage Initiative (GESI) derzeit eines der größten Portfolios an…

Allianz Global Investors (AllianzGI) hat bekannt gegeben, dass es im Namen von Allianz-Ver­sicherungs­gesell­schaften eine 51%ige Beteiligung an der…
Weiterlesen
Investment
Ein Großteil der Welt fragt sich derzeit, wie lange es dauert, bis sich die Energiepreise in verschie­denen Szenarien des Iran­konflikts wieder…
Weiterlesen
Investment
Vor dem Hinter­grund eines im Vergleich zur Niedrig­zins­phase erhöhten Zins­umfelds sowie geo­politischer Unsicher­heiten an den Kapital­märkten…
Weiterlesen
Investment

von Ercan Demircan, Senior Portfoliomanager Unternehmensanleihen, BANTLEON

Nachrang­anleihen von Industrie­unter­nehmen (Corporate Hybrids) haben sich in einem anspruchs­vollen Marktumfeld aus geo­poli­tischen Spannungen und…
Weiterlesen
Investment
Im Chart der Woche unter­sucht die DWS seit 2015, wie sich die Preise für deutschen Strom, Brent-Rohöl und europä­isches Erdgas (TTF) gemein­sam…
Weiterlesen
Investment

von Joel Frick, Investment Lead, BENDURA BANK AG

Das erste Quartal 2026 fühlte sich an wie ein ganzes Jahr - und das ist keine Metapher. Grönland, Venezuela, Iran: Innerhalb von drei Monaten hat sich…
Weiterlesen
Investment

von April LaRusse, Head of Investment Specialists bei Insight Investment

Der Konflikt im Iran hat 20% der welt­weiten Ölver­sorgung unter­brochen, indem er den Transit durch die Straße von Hormus blockiert hat. Obwohl die…
Weiterlesen
Anzeige

Neue Ausgabe jetzt online!