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Paris und Berlin wollen Junckers Wunderwaffe nachbessern

von Klaus Stopp, Leiter Skontroführung Renten, Baader Bank

Damit das, was EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vergangene Woche als Wunderwaffe präsentiert hat, nicht zum Rohrkrepierer wird, suchen nun Berlin und Paris den Schulterschluss. So machen Deutschland und Frankreich Druck, damit aus dem 315-Milliarden-Investitionspaket der EU-Kommission kein Papiertiger wird.

Dabei kann sich der genannte Umfang des Programms schnell als Luftnummer entpuppen, wenn es nicht gelingt die 16 Mrd. Euro an Garantien der Kommission und weiteren 5 Mrd. Euro der Europäischen Investment Bank durch private Investitionen auf das Fünfzehnfache zu erhöhen. Diese seltsamen Rechenkünste der Kommission sind auch  Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble suspekt. „Es kommt nicht darauf an, möglichst große Summen ins Schaufenster zu stellen“, sagt er daher. Es müsse vielmehr rasch eine Liste geben, wo gezielt in konkrete Projekte investiert werde, um mehr Wachstum und Arbeitsplätze zu schaffen. Zusammen mit Frankreichs Wirtschaftsminister Emmanuel Macron will er nun bis zum nächsten EU-Gipfel am 18. und 19. Dezember Verbesserungen an Junckers Plan zur seltsamen Geldvermehrung erarbeiten. Damit man von dem Programm „voll und ganz“ profitieren könne, lautet die offizielle Redewendung aus Berlin und Paris.

Es sieht so aus, als ob die beiden größten Euroländer Junckers Wunderwaffe nicht trauen und versuchen zu retten, was zu retten ist. Dies soll insbesondere durch die Konkretisierung von Projekten geschehen. So wollen beide Länder mehr in die Energiewende, die Autoindustrie und die Digitalwirtschaft investieren. Soll es tatsächlich zu einer deutsch-französischen  „Modernisierungspartnerschaft" als Motor für den Kontinent kommen, wie es großspurig heißt, dann muss Frankreich freilich auch seine Hausaufgaben machen. Immerhin versprach der französische Finanzminister Michel Sapin, dass  Paris bis zum Frühjahr Brüssel konkrete Vorschläge für Strukturreformen vorlegen werde. Man sollte ihn beim Wort nehmen.

Indessen gehören Frankreich, Italien und Griechenland weiterhin zu den Sorgenkindern der Eurozone.
So haben in Frankreich, der zweitgrößten Volkswirtschaft in der EU, die jüngsten Arbeitslosenzahlen keine Wende zum Besseren gebracht. Im Gegenteil, im Oktober 2014 kletterte die Zahl der Menschen ohne Job auf ein neues Rekordhoch. Demnach waren in dem Monat 3,46 Mio. Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 28.400 mehr als im September, was zugleich der stärkste Zuwachs binnen eines Monats seit Februar gewesen ist.

Indessen steckt Italien weiter tief in der Rezession fest. Die drittgrößte Volkswirtschaft des Euroraums schrumpfte im dritten Quartal um 0,1% gegenüber dem Vorquartal. Zugelegt hatte die italienische Wirtschaft zuletzt in der ersten Hälfte des Jahres 2011.

Vor diesem Hintergrund hatten die beiden Länder unlängst mehr Zeit für die Konsolidierung ihre Haushalte bei der EU-Kommission eingefordert. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte daraufhin keine wirkliche harte Haltung an den Tag gelegt. Diese Länder würden es nicht mögen, wenn man ihnen auf die Füße trete, sagte er sinngemäß.

Diese Reaktion wiederum rief den einsamen Rufer in der Euro-Wüste, Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, auf den Plan, der die nachsichtige Haltung der EU-Kommission gegenüber Frankreich, Italien und auch Belgien kritisierte, die 2015 die Vorgaben des europäischen Stabilitätspaktes nicht einhalten werden. Trotz erheblicher Fehlplanungen habe Brüssel darauf verzichtet, „ambitionierte Haushaltspläne einzufordern", so Weidmann. „Dabei hat die Finanzkrise gezeigt, wie wichtig es ist, die Spielregeln einzuhalten“, machte er klar.

Ein weiteres (Dauer)Sorgenkind der EU ist Griechenland, das derzeit in einem zähen Ringen um weitere Sparmaßnahmen mit seinen internationalen Geldgebern steckt. Vier Wochen vor Ablauf des internationalen Hilfsprogramms versucht die Regierung in Athen, radikale Kürzungen bei Gehältern und Renten abzuwenden und mehr Geld mit Reformen und indirekten Steuern einzutreiben. Offenbar könnte die Mehrwertsteuer für Hotels von heute 6,5 auf 13% angehoben werden. Die Renten sollen in den kommenden zwei bis drei Jahren eingefroren werden und die Gehälter der Staatsbediensteten auf das Niveau der im privaten Bereich geltenden Löhne sinken.

Reflexartig reagierten die griechischen Hoteliers empört auf die drohende Mehrwertsteuererhöhung – ausgerechnet in einer Zeit, in der der griechische Tourismus abhebe! Ja, wenn nicht jetzt, wann dann, mag man da fragen. Die Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), EU und Europäischer Zentralbank (EZB) sieht das Minus im griechischen Haushalt 2015 bei mehr als 2,5 Mrd. Euro, was Athen bestreitet. Eine Einigung mit der Troika ist die Voraussetzung für weitere Hilfen für das Land.

Riskieren wir noch einen Blick auf den Markt für Corporate Bonds, wo die Luft aufgrund des hohen Kursniveaus immer dünner wird – sprich: die Renditen nehmen tendenziell weiter ab. Dennoch überwiegen hier weiterhin die Käufer. Besonders gefragt sind Unternehmensanleihen im mittelfristigen Laufzeitbereich, was für die Investoren das Risiko überschaubarer macht als bei Langläufern.

So war in dieser Woche eine auf Australische Dollar lautende Anleihe der Mercedes-Benz Australia Pacific (WKN: A1HG4B), gesucht, die bis 3/2016 läuft und bei einem Kursniveau von rund 100,991% 2,92% Rendite abwirft. Angesichts der kurzen Laufzeit und dem Renditeniveau sind die Anleger hier das Währungsrisiko offenbar eingegangen.

Ein Währungsrisiko nehmen auch die Investoren eines bis 1/2018 laufenden Bonds von General Electric (A1HE13) in Kauf, der in Neuseeländischen Dollar notiert, bei einem Kursniveau von rund 100,93% aber eine Rendite von ca. 3,96% aufweist.

Käufer fand auch ein Corporate Bond von ArcelorMittal (A1ZE3L) mit Fälligkeit 3/2019, der bei ca.  103,75% notiert und ca. 2,08% rentiert.

Gleich zwei Titel von ThyssenKrupp standen diese Woche auf manchen Kauflisten. Der erste war ein bis 8/2018 laufender Titel (A1R08U), der mit ca. 107,85% nahe seinem Jahreshöchststand notiert und rund 1,80% Rendite abwirft. Der zweite gesuchte Bond des Stahlkonzerns (A1R041) wird  10/2019 zurückgezahlt und notiert auf seinem Jahreshöchststand von rund 105,60%. Damit ergibt sich eine  Rendite von ca. 1,91%.

Nahezu auf Jahreshoch bewegt sich aufgrund der anhaltenden Nachfrage auch ein Bond von Hochtief (A12TZ9) mit Laufzeit 5/2019, der bei einem Kurs von ca. 104,79% mit ca. 1,51% rentiert.

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