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Pfad der Zinserhöhungen flacht merklich ab

Marktkommentar des PGIM Fixed Income-Teams:

„Die abgeschlossene Rahmenüberprüfung der Europäischen Zentralbank ist zwar noch unvollständig, stellt aber eine bedeutende Veränderung in der Umsetzung der Geldpolitik dar. Im Gegensatz zur Umstellung der Federal Reserve auf ein flexibles durchschnittliches Inflationsziel wechselt das Inflationsziel der EZB von „unter, aber nahe 2%“  zu einem symmetrischen Ziel, das „mittelfristig 2% Inflation anstrebt.“ Die Symmetrie bezieht sich auf die Ansicht, dass positive und negative Abweichungen vom Ziel unerwünscht sind, und verleiht daher die Möglichkeit, die Inflation über und unter dem Ziel zu korrigieren. Die EZB betonte auch die Asymmetrie der Geldpolitik an der unteren Nullgrenze, die ihre Bereitschaft signalisiert, ein Überschießen der Inflation zu tolerieren, aber nicht anzustreben. Die neue Strategie wird bei der geldpolitischen Sitzung am kommenden Donnerstag zur Anwendung kommen.

Wir denken, dass der neue Strategierahmen als Auftakt zu einer insgesamt akkommodierenden Politik dient und dass energische oder anhaltende geldpolitische Maßnahmen erforderlich sind, um eine Verfestigung der Inflationserwartungen nach unten zu vermeiden. Das neue Rahmenwerk signalisiert auch, dass eine schrittweise Lockerung durch Ankäufe von Vermögenswerten, ergänzt durch Forward Guidance, erfolgen wird, anstatt durch weitere Zinssenkungen in den negativen Bereich. Nach der Überprüfung der Strategie muss die EZB nun die Glaubwürdigkeit des geldpolitischen Kurses durch neue Maßnahmen untermauern. Wir gehen davon aus, dass das nicht pandemiebedingte Programm zum Ankauf von Vermögenswerten (APP) mindestens verdoppelt wird - möglicherweise in den Bereich von 70 Mrd. € bis 80 Mrd. € pro Monat -, nachdem die während der Pandemie initiierten Anleihekäufe (PEPP) zurückgefahren wurden.

Wir halten es für möglich, dass das globale BIP im 2. Quartal niedriger ausfallen wird als ursprünglich erwartet, da der Ausblick für Japan, die USA und Kanada etwas schwächer ausfällt. Die Revisionen erinnern die Anleger daran, dass die Delta-Variante eine anhaltende Herausforderung für die derzeitige schnelle wirtschaftliche Erholung darstellt. Höherfrequente PMI-Daten weisen ähnliche Trends auf, wobei der positivste Indikator der Anstieg der Dienstleistungs-PMIs im Euroraum ist. Unterdessen unterstreicht die Senkung des Mindestreservesatzes durch die chinesische Zentralbank die Besorgnis der politischen Entscheidungsträger über das nachlassende Wirtschaftswachstum und die Bereitschaft der Behörden, den Straffungszyklus umzukehren, um die Wachstumsverlangsamung aufzuhalten.

In den USA beobachten wir, dass der Preisdruck im Gütersektor seinen Höhepunkt erreicht bzw. fast erreicht hat. So sind zum Beispiel die Großhandelspreise für Gebrauchtwagen in letzter Zeit gesunken, ebenso wie die Rohstoffpreise für Nicht-Brennstoffe, die Auftragsbestände der Hersteller und die Lieferzeiten der Zulieferer. Die Versandkosten sind möglicherweise im Begriff, ein Plateau zu erreichen, oder könnten im Laufe des Sommers ein Plateau erreichen. Dennoch räumen wir ein, dass mit der Erholung des Dienstleistungssektors ein Preisdruck entstehen könnte.

Der Markt hat seine Erwartungen für einen steilen Zinserhöhungszyklus durch die Fed deutlich zurückgenommen, wenn man die Markterwartungen für die Höhe des Leitzinses bei Erreichen der Vollbeschäftigung in der US-Wirtschaft betrachtet. Die sogenannte Terminal Rate ist seit Beginn des zweiten Quartals um fast 80 Basispunkte auf rund 1,2% gesunken, verglichen mit über 2% Ende März. Bemerkenswert ist, dass der Markt den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung immer noch auf April 2023 festlegt, obwohl sich der Pfad der Zinserhöhungen drastisch abgeflacht hat.”

www.fixed-income.org
Foto:
© pixabay


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