YAML | Example "3col_advanced"
Anzeige

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Reichen grüne Anleihen aus, die CO2-Ziele zu erreichen?

von Gaël Binot und Hervé Chatot, Emerging Markets Fixed Income Manager bzw. Cross Asset Manager, La Française AM

Ende 2020 beschloss die Europäische Union, ihre Umweltziele nach oben zu korrigieren. Sie peilt bis 2030 eine Verringerung der Treibhausgasemissionen um 55 % gegenüber dem Niveau von 1990 an und ersetzte damit das bisherige Ziel von 40 %. Dieses neue Ziel „im Einklang mit dem Pariser Abkommen zur Begrenzung des Temperaturanstiegs auf deutlich unter 2°C“ hat zu einer verstärkten Bereitschaft der EU-Mitgliedstaaten geführt, Investitionen in den grünen Wandel zu beschleunigen, um die negativen Auswirkungen des Klimawandels zu bekämpfen.

Ein Drittel des europäischen Konjunkturprogramms NextGenerationEU (NGEU) in Höhe von 750 Milliarden Euro soll bis 2026 zur Finanzierung von Umweltprojekten verwendet werden. Um dieses Ziel zu erreichen, wird die Europäische Kommission über die nächsten fünf Jahre grüne Anleihen im Wert von 250 Milliarden Euro ausgeben und damit zum größten Emittenten von Green Bonds werden. EU-Kommissar Valdis Dombrovskis erklärte: „Europa wird jährlich rund 350 Milliarden Euro an zusätzlichen Investitionen benötigen, um sein Emissionsziel für 2030 allein im Bereich der Energiesysteme zu erreichen.“

Die EU entwickelt derzeit eine Reihe von Regulierungsmaßnahmen, um die Markttransparenz zu gewährleisten und Investoren zu echten grünen Investitionen zu bringen.

In Europa werden die ersten grünen Emissionen auf 
Basis  der  derzeitigen  Marktpraktiken erfolgen, da der künftige europäische Standard (Taxonomie) für grüne Emissionen frühestens in einem Jahr verfügbar sein wird. Diese Praktiken beruhen auf dem freiwilligen Standard der International  Capital Market  Association (ICMA)  und  ihren  vier  Grundsätzen  ("Green  Bond Principles"): Verwendung der Erträge, Bewertungs- und Auswahlverfahren, Verwaltung der Erträge und Berichterstattung. Ziel dieser Verordnung ist es, die Markttransparenz zu gewährleisten, um Investoren zu wirklich grünen Investitionen zu lenken.

Ende 2020 belief sich der Gesamtumfang der von Staaten emittierten grünen Anleihen weltweit auf  88 Milliarden US-Dollar  und in Europa auf  77  Milliarden  US-Dollar. Im Vergleich  zum Gesamtvolumen der globalen und europäischen Staatsanleihen ist die Größe dieses Marktes jedoch noch relativ unbedeutend. Um die Ziele der Staaten in puncto Dekarbonisierung der Wirtschaft zu erreichen, ist der Investitionsbedarf für energiebezogene Infrastrukturen jedoch immens. Die Internationale Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) schätzt, dass zwischen 2016 und 2050 110 Billionen US-Dollar für die Schaffung eines kohlenstoffarmen Energiesystem benötigt werden. Die Finanzierung dieses Bedarfs macht Green Bonds zu einem boomenden Markt mit großem Wachstumspotenzial

In  Spanien  hat  das  spanische  Finanzministerium  auf  der  Grundlage  des  "Green  Bond Framework" einen Finanzrahmen von 13,6 Milliarden Euro für grüne Staatsausgaben im Zeitraum 2018-2021 festgelegt. Am 7. September hat Spanien seinen ersten Green Bond über 5 Milliarden Euro mit Rückzahlung im Juli 2042 begeben und sich damit zehn anderen EU-Ländern angeschlossen, die bereits grüne Anleihen ausgegeben haben: Frankreich, Deutschland, die Niederlande, Belgien, Irland, Schweden, Polen, Ungarn, Litauen und seit kurzem auch Italien (8,5 Milliarden Euro im März 2021).

Diese erste spanische grüne Emission war ein Erfolg und brachte mehr als 60 Milliarden Euro von Investoren ein. Die jährliche Rendite in Euro betrug 1,034 %. Nach dieser ersten spanischen Emission legte auch Deutschland am 8. September eine neue grüne Anleihe mit einem Emissionsvolumen von 3,5 Milliarden Euro auf, die im August 2031 fällig wird. Das wachsende Interesse  der  Anleger  spiegelt  sich  in  der  grünen  Prämie  –  einem  „Greenium“  –  von  4,4 Basispunkten im Vergleich zu der einige Monate zuvor emittierten herkömmlichen Anleihe mit der gleichen Laufzeit wider.

Die Europäische Kommission hat die erste grüne Emission im Rahmen des 250-Milliarden-Euro- Programms für den Monat Oktober angekündigt. Der Umfang der grünen EU-Emissionen wird Europa zu einem weltweit führenden Akteur im Bereich der nachhaltigen Finanzierung machen. Diese erste Emission ist auch ein erster Schritt zur Schaffung einer grünen Zinsstrukturkurve, die in Zukunft als Maßstab für grüne Euro-Emissionen europäischer Staaten dienen wird.

Der künftige Bedarf an grünen Finanzierungen, die Zusage der europäischen Behörden, Mittel für Projekte im Kampf gegen den Klimawandel bereitzustellen, und der jüngste Appetit der Investoren auf europäische grüne Emissionen deuten darauf hin, dass es eine Nachfrage auch nach dieser Erstemission geben wird.

In den kommenden Jahren werden weitere Staaten grüne, soziale und nachhaltige Anleihen ausgeben. Es wird von entscheidender Bedeutung sein, dass die Verwendung der Mittel für Umwelt- und Nachhaltigkeitsprojekte usw. durch einen verbindlichen internationalen Standard überprüft werden kann. Um die Ziele zur Reduzierung der CO2-Emissionen für 2030 und 2050 zu erreichen und den Energiemix der Länder zu verändern, wird die Ausgabe grüner Anleihen allein jedoch nicht ausreichen. Das Vorzeige-Klimaprojekt der EU, das Europäische Emissionshandelssystem (EU ETS), muss dazu beitragen, dass Investitionen in regulatorisch abgestimmte Aktivitäten fließen und den Wandel in allen beteiligten Sektoren beschleunigen.

www.green-bonds.com
Foto: Gaël Binot
© La Française AM


Investment

Hohe Einstiegsrenditen von Anleihen können Inflationsverluste abfedern. Niedrige lassen Anlegern dagegen kaum ein Sicherheitspolster.

In Robert Louis Steven­sons Aben­teuer­roman „Die Schatz­insel“ weist eine Karte den Weg zu Reich­tümern. Doch wer ihr folgt, begibt sich oft in…
Weiterlesen
Investment
Der Kupon eines Syndi­cated Loans passt sich laufend an den Referenz­zins an – anders als bei klassischen Unter­nehmens­anleihen mit festem Kupon.…
Weiterlesen
Investment
Weltweit kommt es zu einem Aus­verkauf langfristiger Anleihen, doch die Schwellen­länder folgen nicht dem üblichen Muster. Höhere globale Renditen…
Weiterlesen
Investment

Barometerwert steigt von -25,97 auf -12,30 Punkte

Die Stimmung unter den gewerb­lichen Immo­bilien­finan­zierern ist im dritten Quartal 2026 besser geworden, bleibt aber weiter im deutlich nega­tiven…
Weiterlesen
Investment
Die US-Hyper­scaler ent­wickeln sich in rasan­tem Tempo zu prägenden Emittenten am Unter­nehmens­anleihe­markt. Die aktuelle Studie des Asset Managers…
Weiterlesen
Investment
Die Kosten der Staats­ver­schul­dung sind in den Schlag­zeilen – nicht nur auf den Wirtschafts­seiten, sondern auch auf den Titel­seiten. Als…
Weiterlesen
Investment
Ariel Bezalel und Harry Richards, beide Invest­ment­manager des Jupiter Dynamic Bond, erläutern, warum Schwellen­länder­anleihen in lokaler Währung –…
Weiterlesen
Investment
Libby Cantrill, Head of Public Policy bei PIMCO, kommen­tiert mög­lichen Folgen der Midterm-Wahlen in den USA. So hätte ein Erfolg der Demo­kraten…
Weiterlesen
Investment
Nach Jahren extrem niedriger Zinsen haben sich die Vorzeichen am Renten­markt geändert. Steigende Renditen haben kurzfristig zu Kurs­verlusten…
Weiterlesen
Investment
Franzö­sische Unter­nehmens­anleihen zeigen im Vergleich zu den Märkten für Staats­anleihen weiterhin eine be­merkens­werte Wider­stands­fähig­keit.…
Weiterlesen
Anzeige

Neue Ausgabe jetzt online!