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Schwellenländeranleihen: Umschichtungen aus US-Dollar-Anlagen könnten unterstützen

Denise Simon © Lazard Asset Management

Eine schritt­weise Ver­lagerung von Kapital weg aus konzen­trierten US-Dollar-Anlagen könnte Schwellen­länder­anleihen zusätz­lichen Auftrieb geben. Diese Meinung vertritt Denise Simon, Co-Head des Emerging Markets Debt-Teams bei Lazard Asset Manage­ment. Unterstützt würde die Anlage­klasse zusätzlich durch robuste Fundamental­daten in den Emerging Markets und die weiterhin attraktiven Erträge. „Kurzfristig ist das Chancenprofil nicht überall gleich. Eine restriktive US-Notenbank und ein widerstandsfähiger US-Dollar bleiben die wesentlichen Herausforderungen für Lokalwährungsanleihen“, sagt Simon.

Im zweiten Quartal entwickelten sich die drei großen Segmente des Marktes für Schwellenländeranleihen positiv und erholten sich von den Kursverlusten zu Beginn des Iran-Kriegs. Auf US-Dollar lautende Staats- und staatsnahe Anleihen aus den Schwellenländern erzielten mit 4,63 Prozent die stärkste Wertentwicklung. Lokalwährungsanleihen legten in US-Dollar gerechnet um 3,85 Prozent zu, obwohl der festere Dollar im Juni belastete. Unternehmensanleihen in US-Dollar kamen auf 2,42 Prozent.

Lokalwährungsanleihen: Hohe Realrenditen treffen auf robuste Fundamentaldaten

Lokalwährungsanleihen konnten im zweiten Quartal sowohl von positiven Zins- als auch Währungsentwicklungen profitieren. Die Renditen lokaler Schwellenländeranleihen sanken um 27 Basispunkte auf 6,10 Prozent. Schwellenländerwährungen gewannen zugleich 0,6 Prozent, obwohl der US-Dollar-Index um 1,2 Prozent stieg. Dabei zeigten sich deutliche regionale Unterschiede: Lateinamerikanische Währungen entwickelten sich wesentlich stärker als ihre Pendants in Europa und Asien.

Denise Simon beurteilt den mittelfristigen Ausblick für Lokalwährungsanleihen weiterhin konstruktiv. Die realen Renditen in den Schwellenländern lägen im historischen Vergleich auf erhöhten Niveaus. Zugleich bestehe in vielen Ländern ein weiterhin günstiges Verhältnis von Export- zu Importpreisen, sodass die Devisenreserven nahe ihren historischen Höchstständen verharrten. Auch die Kapitalflüsse seien seit Jahresbeginn unterstützend. Simon ergänzt: „Die Anlageklasse ist bei globalen Investoren nach wie vor unterrepräsentiert.“

Hinzu komme die bislang robuste Konjunkturentwicklung. Produktion und Auftragseingänge in den Schwellenländern, aktuelle Indikatoren für Investitionsausgaben sowie die Arbeitsmärkte zeigten sich weiterhin solide. Gleichzeitig seien die Inflationsdaten im Mai und Juni überwiegend niedriger als erwartet ausgefallen. Dies unterstütze den bislang vorsichtigen Umgang vieler Schwellenländer-Notenbanken mit angebotsseitigen Preisschocks. Steigende Erwartungen an mögliche Zinserhöhungen der US-Notenbank erzeugten zwar teilweise Gegenwind, ein Szenario mit ein bis zwei Zinsschritten der Fed würde nach Denise Simons Einschätzung den Ausblick für die Anlageklasse in der zweiten Jahreshälfte jedoch nicht wesentlich verändern.

Solide Kreditqualität und regionale Divergenzen bei EM-Unternehmensanleihen

Auch bei Unternehmensanleihen aus Schwellenländern sei die Kreditqualität insgesamt solide geblieben. Zahlungsausfälle hätten sich seit Jahresbeginn auf rund ein Prozent des Index belaufen und auf zwei brasilianische Emittenten konzentriert. Zugleich sei das technische Marktumfeld bei geringer Nettoemission unterstützend geblieben. In der ersten Jahreshälfte seien Anleihen im Volumen von rund 288 Milliarden US-Dollar begeben worden, etwa so viel wie im Vorjahreszeitraum. Davon entfielen lediglich 90 Milliarden US-Dollar auf Hochzinsanleihen.

Regional habe sich Lateinamerika im zweiten Quartal am stärksten entwickelt. Kolumbien habe von einem Wahlausgang profitiert, den die Märkte als Signal für eine wirtschaftsfreundlichere politische Ausrichtung werteten, sowie von höheren Ölpreisen. Argentinien sei durch weitere Fortschritte bei der wirtschaftlichen Anpassung und Ratinganhebungen gestützt worden. Asien habe ebenfalls positive Erträge erzielt, sei jedoch aufgrund seines höheren Anteils an Investment Grade-Emittenten hinter anderen Regionen zurückgeblieben.

Selektion bleibt der Schlüssel

„Die Renditen von Schwellenländer-Unternehmensanleihen bleiben attraktiv und bieten einen gewissen Puffer gegenüber moderaten Anstiegen der US-Treasury-Renditen oder der Credit-Spreads“, sagt die Expertin. Zwar bewegten sich die Spreads auf Indexebene am engeren Ende ihrer historischen Bandbreite. Gleichzeitig seien die Fundamentaldaten historisch betrachtet jedoch ebenfalls stärker. Unterschiede zwischen Ländern und Emittenten, Ratingveränderungen, Entwicklungen der Kapitalstruktur sowie zeitweilige Marktverwerfungen sorgten weiterhin für ein differenziertes Umfeld.

Für den breiteren Markt erwartet Simon auf längere Sicht einen schwächeren US-Dollar und steilere Zinskurven in den Industrieländern vor dem Hintergrund steigender Haushaltsdefizite: „Angesichts dieser Gesamterwartung erscheint uns ein ausgewogener Ansatz angemessen: Schwellenländeranleihen bieten laufende Erträge und Diversifikation, zugleich kommt der Auswahl von Ländern, Währungen und Emittenten eine hohe Bedeutung zu.“

www.fixed-income.org

 

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