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Trumps Zoll-Drohung wegen Grönland: Folgen für Investoren / EU-Staaten zeigen sich ungewöhnlich einig und planen Gegenmaßnahmen

von Robert Schramm-Fuchs, Portfoliomanager, Janus Henderson Investors

Robert Schramm-Fuchs © Janus Henderson Investors

US-Präsident Trump hat damit gedroht, ab 1. Februar 2026 zusätz­liche Zölle in Höhe von 10% auf acht euro­pä­ische Länder zu erheben, um Däne­mark dazu zu bewegen, Grönland abzugeben. Sollte es zu keiner Einigung kommen, würden die Zölle ab Juni auf 25% steigen. Trump hat ausdrück­lich abgelehnt, den Einsatz militä­rischer Gewalt auszu­schließen, obwohl dies eine potenzielle Bedrohung für andere NATO-Mitglieder darstellt.

Signale aus Washington – Bessents harte Linie
Bislang haben die EU-Mitgliedstaaten Geschlossenheit in ihrer Reaktion zugesagt und bereiten Gegenmaßnahmen vor, versuchen aber weiterhin, die Lage zu deeskalieren. Es besteht Hoffnung auf einen Dialog während des Auftritts von Präsident Trump in Davos. US-Finanzminister Bessent, der die Sorgen der Finanzmärkte gut kennt, ist jedoch Trumps Beispiel gefolgt und hat gewarnt, dass Vergeltungsmaßnahmen der EU „unklug“ wären.

Bessent wies auch darauf hin, dass das 2025 ausgehandelte Handelsabkommen noch nicht endgültig abgeschlossen sei und dass die USA Notfallmaßnahmen für gerechtfertigt halten. In etwas herablassendem Ton argumentierte er, Europa sei zu schwach und sollte sich eher auf die Ukraine als auf Grönland konzentrieren.

Angesichts der relativ starken Konsensprognosen für das Gewinnwachstum 2026 (12% für den Stoxx Europe 600 und 13% für den EuroStoxx 50) scheinen die potenziellen direkten Auswirkungen der Zölle auf Europa recht begrenzt zu sein. Das eigentliche Risiko ergibt sich aus einer möglichen Eskalation. Die Drohungen der USA haben zu einer seltenen Geschlossenheit unter den europäischen Ländern und über das gesamte politische Spektrum hinweg geführt, einschließlich populistischer Parteien in Ländern wie Deutschland. Es herrscht allgemein die Meinung, dass Europa bereits tief in den sauren Apfel gebissen und so viele Kompromisse wie nur möglich eingegangen ist, als es dem Handelsabkommen vom letzten Jahr zugestimmt hat.

Welche Gegenmaßnahmen könnte die EU ergreifen?
Seitens der EU gibt es verschiedene Handlungsoptionen. So könnte das Europäische Parlament beschließen, die Ratifizierung des ursprünglich für diese Woche geplanten Handelsabkommens zwischen den USA und der EU auszusetzen. Es könnte Zölle auf US-Importe im Wert von rund 90 Milliarden Euro einführen – eine Maßnahme, die bereits im letzten Jahr vorbereitet, aber nie umgesetzt wurde.

Es könnte das sogenannte „Instrument gegen handelspolitischen Druck“ aktivieren und US-Unternehmen von öffentlichen Ausschreibungen in der EU ausschließen. Dies würde Microsoft-Software oder Apple-Handys betreffen und Goldman Sachs oder JPMorgan von öffentlichen Finanzierungen ausschließen. Oder es könnte eine Digitalsteuer auf Dienste wie WhatsApp, Google, Amazon oder X einführen. In einem solchen Szenario dürften die Auswirkungen auf das Gewinnwachstum europäischer Large-Cap-Unternehmen um ein Vielfaches größer sein und wahrscheinlich zu einer weiteren Eskalation seitens der USA führen, bevor Verhandlungen zum Tragen kommen könnten.

Es wird diskutiert, ob Europa sich dafür entscheiden könnte, seine umfangreichen Bestände an US-Finanzanlagen, darunter (ungefähr) 6 Billionen US-Dollar Aktien, 2 Billionen US-Dollar Staatsanleihen und 2 Billionen US-Dollar Unternehmensanleihen, als Waffe einzusetzen. Wir halten dies für unwahrscheinlich. Der Großteil dieser Assets wird von privaten Institutionen gehalten, die ihren eigenen treuhänderischen Pflichten und Geschäftsinteressen unterliegen. Jede Entscheidung, US-Staatsanleihen abzustoßen, würde wahrscheinlich zu einer Ausweitung der bestehenden quantitativen Lockerungsmaßnahmen oder einem umfangreicheren Rückkaufprogramm für Staatsanleihen führen.

Eskalationsrisiko – wie geht es weiter?
Die politischen Beziehungen zwischen Europa und den USA sind derzeit angespannt. Vor diesem Hintergrund war die verhaltene Reaktion der Aktienmärkte am Montag, 19. Januar, überraschend. Insbesondere mit Blick auf die Reaktion auf den „Befreiungstag“, an dem Trump erstmals seinen Plan zur Einführung „gegenseitiger“ Zölle ankündigte.

Zwar versteht man die Zölle und ihre Auswirkungen heute besser als noch vor neun Monaten, doch sehen wir in dieser ersten Reaktion auf das Eskalationsrisiko eine gewisse Sorglosigkeit. Der Oberste Gerichtshof der USA könnte durchaus entscheiden, dass Trumps Handelszölle rechtswidrig sind, doch unserer Ansicht nach gibt es keine Garantie dafür, dass alles beim Alten bleibt. Wir befürchten, dass die zunächst ausbleibende starke Reaktion der Finanzmärkte beide Seiten dazu ermutigen könnte, die Situation eskalieren zu lassen, um sich mehr Einfluss zu verschaffen.

Aus Investitionssicht erwarten wir weitere Anzeichen eines vernünftigen Risikominderungsprozesses. Sollten die Märkte Anzeichen von Schwäche zeigen, könnte dies zu einer Beschleunigung dieses Prozesses führen, was unserer Meinung nach eine Gegenrotation zwischen Gewinnern und Verlierern begünstigen würde. Angesichts der anhaltenden geopolitischen Neuordnung halten wir eine sorgfältige Aktienauswahl in einem derart unsicheren Umfeld weiterhin für unerlässlich.

www.fixed-income.org

 

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