YAML | Example "3col_advanced"
Anzeige

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Umfeld für europäische Unternehmensanleihen bleibt unruhig

von Rosemarie Baumann, Senior Portfolio Manager des Asset Managers BANTLEON

Die Bilanz des 1. Halbjahres 2018 ist für europäische Unternehmensanleihen guter Bonität ernüchternd: Sie verzeichneten einen Verlust von 0,24%. Damit schnitten sie zwar besser ab als Hochzinsanleihen mit einem Minus von 1,76%, weil diese nicht vom Kaufprogamm der EZB profitieren konnten, aber Anleger dürften dennoch nicht zufrieden sein. Und daran wird sich wohl auch in den nächsten Monaten nicht viel ändern, weil der Ausblick für die Kreditmärkte mehr Schatten als Licht enthält.

Trotz solider Finanzkennzahlen und niedrig bleibender Ausfallraten in Europa ist zu bedenken, dass die Konjunktur in der Eurozone den Zenit durchschritten hat. Noch wachsen die Unternehmensgewinne auf beiden Seiten des Atlantiks grundsolide, in den USA nicht zuletzt dank der Steuerreform der Trump-Administration. Dennoch mehren sich bei Unternehmensanleihen der Bonitäten Investment Grade und High-Yield die Anzeichen dafür, dass das ungebremste Gewinnwachstum nicht von Dauer sein wird. Darüber hinaus ist dank guter Finanzierungskonditionen in den vergangenen Jahren der Anteil an schwächeren
»BBB« Emittenten im Segment Investment Grade weltweit stark gewachsen. Dies macht die Kreditmärkte, die international hoch korreliert sind, anfälliger gegenüber globalen Störfeuern – insbesondere, weil sich der Kreditzyklus in einem fortgeschrittenen Stadium befindet.

Deshalb überwiegen im 2. Halbjahr die Abwärtsrisiken gegenüber den Chancen. Geopolitische Spannungen und schwächere Wachstumsaussichten in Kombination mit dem alles überschattenden Thema eines drohenden weltweiten Handelskrieges könnten zu einem Problem für Risikoassets werden. Investoren könnten ihre Aufmerksamkeit wieder stärker auf die mehr oder minder hohen Bewertungen lenken und diese überdenken. Nicht zuletzt deshalb, weil die relative Bewertung europäischer Unternehmensanleihen durch die EZB-Käufe deutlich verzerrt wurde. Kämen nach der Sommerpause wieder aufflammende Turbulenzen in Italien hinzu, würde das die Kurse erneut drücken – nicht nur bei Emittenten aus europäischen Peripherieländern.

Änderung der Re-Investitionspolitik könnte kurzfristig Auftrieb geben
Zu berücksichtigen ist auch, dass die EZB ihr massives Anleihenkaufprogramm zum Jahresende auslaufen lassen will. Mitte Juli 2018 hatte sie mehr als 1150 Unternehmensanleihen im Wert von 163 Mrd. EUR im Bestand, wobei im 1. Halbjahr 80% der Käufe über den Sekundärmarkt getätigt wurden. Ab 2019 soll im Rahmen des CSPP-Kaufprogramms nur noch das Geld aus fälligen Anleihen des EZB-Bestands reinvestiert werden. In diesem Zusammenhang spekulieren einzelne Marktteilnehmer, dass die EZB möglicherweise ihre Re-Investitionspolitik ändert. Erste Informationen der EZB wären dazu ab Herbst 2018 denkbar. So könnten die Notenbanken theoretisch dazu übergehen, den Kapitalschlüssel des EZB-Kaufprogramms aufzuweichen und Rückflüsse zwischen den Programmen zugunsten von Unternehmensanleihen (CSPP) moderat umzuleiten. Dies hätte den Vorteil, dass zum einen die technische Unterstützung für Unternehmensanleihen weitgehend aufrechterhalten bliebe. Zum anderen ließen sich für den Fall eines sich massiv verschlechternden Konjunktur- und Finanzmarktausblicks die Nebenwirkungen des EZB-Exits verringern. Darüber hinaus würde dieses Vorgehen die Finanzmärkte positiv überraschen und kurzfristig sogar Anlagechancen ermöglichen. Allerdings hat diese Umsetzungsvariante eher geringe Chancen, sofern kein Krisenszenario eintritt.

Fazit: Untergewichtung zugunsten der sicheren Häfen
Vor diesem Hintergrund sehen wir uns in unserer seit Monaten bestehenden defensiveren Ausrichtung bestätigt und halten an unserem Untergewicht von Unternehmensanleihen zugunsten von Top-Staatsanleihen und Covered Bonds fest. Obwohl die Finanzmärkte bereits begonnen haben, das Szenario einer geringeren konjunkturellen Dynamik und eines nachlassenden EZB-Rückenwinds einzupreisen, rechnen wir für das 2. Halbjahr 2018 mit einer Ausweitung der Risikoprämien um 5 bis 15 Basispunkte. Daran dürfte auch eine mehrheitlich positive Berichtssaison für das 2. Quartal nichts ändern. Sollte allerdings der Handelskonflikt zu einem Handelskrieg ausarten, dann dürften die Risikoprämien noch deutlich stärker steigen, nämlich um 50 bis 60 Basispunkte. Unter dem Strich dürfte Ende 2018 bestenfalls ein sehr magerer Gesamtertrag stehen.  


https://www.fixed-income.org/
(Foto:
Rosemarie Baumann © Bantleon)


Investment

von Lotfi Karoui, Multi-Asset Credit Strategist bei PIMCO

Im weiteren Verlauf des Kredit­zyklus bleiben Zahlungs­aus­fälle ein zentrales Thema. Für Investoren, die neben den öffent­lichen Märkten auch die…
Weiterlesen
Investment
Die Renditen lang­laufender US-Staats­anleihen erreichten kürzlich ein Rekord­hoch. Daraufhin – und zwar just an dem Tag, als die…
Weiterlesen
Investment

von Daniel Morris, Chief Market Strategist bei BNP Paribas Asset Management

Rekord­ver­dächtig war dieses Jahr der europä­ische Sommer. In Groß­britan­nien wird er wohl der wärmste seit Beginn der Auf­zeich­nungen im Jahr 1884…
Weiterlesen
Investment

US-Regierung spürt den Druck steigender Zinsen / von Eoin Walsh, Portfoliomanager bei TwentyFour Asset Management

Das US-Finanz­minis­terium über­raschte die Märkte gestern Nach­­mittag mit der Ankündigung, seine Rück­kauf­prog­ramme auszu­weiten. Diese sollen vom…
Weiterlesen
Investment

von Bertrand Lecourt, Senior Fondsmanager bei J O Hambro

Nach Hitze und Trocken­heit wird in vielen Teilen Europas wieder über Wasser gespro­chen, eine Ressource, die lange als selbst­ver­ständ­lich galt.…
Weiterlesen
Investment

von Marcio Costa, Senior Portfoliomanager, BANTLEON

Nach dem jüngsten massiven Rendite­anstieg ist das markt­tech­nische Bild für deutsche Bundes­anleihen und US-Treasuries weiterhin moderat negativ zu…
Weiterlesen
Investment

von John Lloyd, Global Head of Multi-Sector and Corporate Credit, und Tom Ross, Global Head of High Yield, Janus Henderson Investors

Die Ver­engung der Credit Spreads (die Rendite­differenz zwischen einer Unter­nehmens­anleihe und einer Staats­anleihe mit ähnlicher Laufzeit) ist…
Weiterlesen
Investment

von Chris Iggo, Chair of the Investment Institute bei BNP Paribas Asset Management

Heiß ist’s, und Aktien stiegen im Sommer auf neue Allzeit­hochs. Trotz aller Konjunktur­risiken wächst die Welt­wirtschaft. Die Unter­nehmens­gewinne…
Weiterlesen
Investment

von Sandy Pei, Senior Portfolio Manager bei Federated Hermes

Bei Invest­ments in China klaffen Wahr­nehmung und Realität derzeit oft aus­einander. Trotz Markt­unsicher­heiten zeigen sich die makro­öko­no­mischen…
Weiterlesen
Investment

von Rick de los Reyes, Leiter des Bereichs Rohstoffe und Portfoliomanager in der Global Equity Division bei T. Rowe Price

Historisch ge­sehen entwickelte sich der Gold­preis tenden­ziell umge­kehrt zu den Real­zinsen: Höhere Real­zinsen gingen in der Regel mit…
Weiterlesen
Anzeige

Neue Ausgabe jetzt online!