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US-Notenbanksitzung im September: noch mal 125 Basispunkte dieses Jahr, aber keine Rezession?

von Christian Scherrmann, US-Volkswirt, DWS

Wie erwartet, erhöhte die US-Notenbank die Leitzinsen um weitere 75 Basispunkte. Damit nicht genug, denn die wirklich falkenhafte Botschaft lag in den aktualisierten Wirtschaftsprognosen. Die jüngsten Einschätzungen der Zentralbanker deuten darauf hin, dass man bereit ist, die Zinssätze noch in diesem Jahr auf 4,4 Prozent anzuheben und auch durch 2023 hinweg sogar etwas über diesem Niveau (4,6 Prozent) zu belassen. Erst im Jahr 2024 könnten etwas niedrigere Zinsen gerechtfertigt sein. Der Grund für diese aggressivere Haltung scheint die doch zähere Inflation zu sein - Preisstabilität in Form des Inflationsziels von zwei Prozent wird erst für 2025 erwartet. Die Notenbanker räumen jedoch ein, dass die Erreichung der Preisstabilität doch mit etwas höheren Kosten verbunden sein dürfte. Das Wachstum wurde auf 0,2 Prozent in diesem Jahr und auf 1,2 Prozent im nächsten Jahr herabgestuft, jeweils gegenüber 1,7 Prozent in den letzten Prognosen. Betrachtet man die Verteilung der Projektionen der Teilnehmer, so scheinen jedoch mindestens 4 von 19 Teilnehmern von einer Rezession auszugehen.

In der Pressekonferenz bekräftigte der Fed-Vorsitzende Powell seine Ansicht, dass die Arbeitsmärkte trotz einer gewissen Verlangsamung des Wachstums weiterhin "unausgeglichen" zu sein scheinen, die Zahl der offenen Stellen sei noch immer höher als das Angebot an Arbeitskräften. Diese Äußerungen gehen einher mit seinem Mantra von Jackson Hole: Die Geschichte zeigt, dass eine verfrühte Lockerung der Geldpolitik mit noch höheren Kosten verbunden sein kann als die Beibehaltung der restriktiven Zinssätze "für einige Zeit". Höchstwahrscheinlich bedarf es einer "anhaltenden Periode eines unter dem Trend liegenden Wachstums" und einer gewissen Abschwächung auf den Arbeitsmärkten.

Insgesamt zeigt die US-Notenbank einmal mehr, dass sie bereit ist, dass Notwendige zu tun: die Nachfrage zu bremsen, indem die Zinsen länger höher bleiben - selbst wenn dies Wachstum und Arbeitsplätze kostet.

www.fixed-income.org
Foto: Christian Scherrmann © DWS


 

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