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Warum ist der Aktienmarkt nicht stärker gefallen?

von Torje Gundersen, Head of Tactical Asset Allocation (TAA) bei DNB Asset Management

Torje Gundersen © DNB Asset Management

In Norwegen haben sich die Markt­erwar­tungen hinsicht­lich der künftigen Zinssätze gewandelt: Statt Zins­senkungen werden nun zwei Zins­erhö­hungen durch die Norges Bank bis zum Jahres­ende eingepreist. Wie sich die Lage entwickeln wird, hängt davon ab, wie lange es dauert, bis das Öl wieder ungehindert fließt. In der Zwischen­zeit schwanken die Märkte zwischen Angst und Hoffnung, basierend auf Gerüchten und Des­information seitens der Kriegs­parteien.

Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran haben den Krieg im Nahen Osten, der seit den Terroranschlägen im Oktober 2023 andauert, eskalieren lassen, und die meisten Länder der Region sind nun direkt betroffen. Die Folgen der Sperrung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus sind mittlerweile weltweit zu spüren.

Vor einem Monat war das Ölangebot größer als die Nachfrage, und der Preis für ein Barrel Nordseeöl schwankte zwischen 60 und 70 US-Dollar. Jetzt fehlen uns über zehn Millionen Barrel pro Tag, und wir stehen am Anfang einer möglichen neuen Energiekrise.

Die Rohstoffmärkte gehen davon aus, dass sich dies von selbst lösen wird, bevor die Folgen zu groß werden. Der Spotpreis für Öl und Gas ist gestiegen, liegt aber deutlich unter dem Niveau, das bei Russlands Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 herrschte. Die Preise für die Lieferung von Öl und Gas im nächsten Jahr auf dem Terminmarkt sind deutlich niedriger als der Spotpreis. Daher ist der Rückgang an den Aktienmärkten nicht größer als das, was man als normale Korrektur bezeichnen kann.

Dass der Iran die Straße von Hormus sperren würde, war für das Pentagon wahrscheinlich keine Überraschung. Das Fehlen von Minensuchbooten und Begleitschiffen deutet darauf hin, dass Trumps innerer Kreis auf einen kurzen Krieg vorbereitet war – Gerüchten zufolge zwischen vier und sechs Wochen – und dass eine Invasion des Iran nie eine Option war.

Die Hoffnung war vielleicht, dass das Regime innerhalb kurzer Zeit stürzen würde, was derzeit jedoch unwahrscheinlich erscheint. Das wahrscheinlichste Ergebnis ist, dass die USA und der Iran eine Lösung aushandeln, auch wenn dies schwer vorstellbar sein mag.

Beide Seiten dürften Anreize haben, die Feindseligkeiten bald zu beenden. Der Iran benötigt die Einnahmen aus Ölverkäufen und strebt die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen an. Der Krieg ist bei den amerikanischen Wählern unbeliebt, und für die Republikaner ist es wichtig, Preisschocks bei Benzin und Lebensmitteln vor der Wahl im November zu vermeiden.

Möglicherweise glaubt Präsident Trump, dass noch ein Zeitfenster besteht, um den Konflikt zu eskalieren und sich damit einen Vorteil in den Verhandlungen zu verschaffen. Es könnte aber auch sein, dass der kritische Punkt bereits erreicht ist. Das wissen nur wenige. Es erscheint jedoch unwahrscheinlich, dass die Welt eine Situation akzeptieren kann, in der die Straße von Hormus bis April gesperrt bleibt.

Die Energiekrisen der 1970er Jahre führten zu hoher Inflation, Zinsschocks, Arbeitslosigkeit und schwachen Aktienmärkten. Die Parallelen zur heutigen Situation sind beunruhigend, und es dürfte starker Druck bestehen, den Konflikt so schnell wie möglich zu lösen. Daher glauben wir, dass die Reaktion des Marktes darauf bislang richtig war.

Veränderungen in den Portfolios

Die Geschichte zeigt, dass geopolitische Risiken in der Regel kurzfristige negative Auswirkungen auf die Märkte haben. Es gibt Ausnahmen, aber in 95 von 100 Fällen war es am klügsten, abzuwarten. Grob gesagt können wir sagen, dass dies der Rat ist, dem auch wir gefolgt sind. Der Aktien- und Anleiheanteil des Portfolios ist im März praktisch unverändert geblieben. Allerdings haben wir einige Anpassungen innerhalb des Aktienportfolios vorgenommen: Dies hat dazu beigetragen, den Wertverlust in den Portfolios zu begrenzen. Norwegische Aktien sind im März gestiegen, während globale Aktien einschließlich der Schwellenländer gefallen sind. Öl- und Gasaktien haben sich nach unserem Abverkauf weiterhin gut entwickelt, doch wir glauben, dass das Potenzial in diesem Bereich nun begrenzt ist.

•  Anfang März haben wir unsere Bestände an Finanzaktien abgebaut und über einen auf europäische Öl- und Gasaktien fokussierten börsengehandelten Fonds (ETF) in den Energiesektor investiert. Wir haben diesen anschließend verkauft und sind nun weltweit im Energiesektor leicht untergewichtet.

•  Im Laufe des Monats haben wir europäische Aktien verkauft und amerikanische Aktien gekauft; die Übergewichtung des Portfolios in Europa und die Untergewichtung in den USA wurden reduziert.

•  Wir haben unser Engagement in norwegischen Aktien beibehalten, die nun 23 Prozent des Aktienportfolios ausmachen, verglichen mit den üblichen 20 Prozent.

Unser Engagement in den Bereichen erneuerbare Energien und Versorger hat sich im März besser entwickelt als der Gesamtmarkt, während sich die Kernenergie schwach entwickelt hat. Die Ereignisse im März bestärken uns noch mehr in unserer Überzeugung, langfristig in den Energiesektor zu investieren. Das Engagement in den Bereichen Gas, erneuerbare Energien und Kernenergie wird daher im Laufe der Zeit einen bedeutenden Teil des Portfolios ausmachen, sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen.

www.fixed-income.org

 

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