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„Wir konzentrieren uns stärker auf Kunden mit besserer Bonität“, Paul Goldfinch, CFO, 4finance S.A.

Die Anleihen der 4finance S.A., einem der führenden Anbieter von Verbraucherkrediten in Europa, waren in den vergangenen Monaten sehr volatil. Christian Schiffmacher sprach am Firmensitz des Unternehmens in Riga mit CFO Paul Goldfinch über die Gründe hierfür und die zunehmende Regulierung in mehreren europäischen Ländern.

BOND MAGAZINE: Welche regulatorischen Änderungen gibt es in Schweden, Finnland und in den baltischen Staaten?

Paul Goldfinch: Es gibt in vielen europäischen Ländern regulatorische Änderungen. In unserer Branche ist es sehr wichtig, verantwortungsvoll zu arbeiten. In Schweden wurde im September 2018 eine Zinshöchstgrenze von 40% eingeführt. Insgesamt dürfen die Gesamtkosten des Kredits nicht mehr als 100% betragen. Wir haben unsere Produkte angepasst und konzentrieren uns jetzt stärker auf Ratenkredite, bei denen die Kreditnehmer eine bessere Bonität haben. In diesem Bereich wollen wir in diesem und im nächsten Jahr stark wachsen. In Finnland wurde im März dieses Jahres ein Gesetz verabschiedet, das die Kreditkosten begrenzt. Der Zinssatz darf höchstens 20% p.a. betragen, zudem werden weitere Kosten begrenzt. Das Gesetz tritt zum 1. September 2019 in Kraft. Wir sind in den letzten Zügen, unsere Produkte in Finnland anzupassen. In unserem Heimatmarkt in Lettland wurde im Oktober 2018 vom Parlament ein Gesetz verabschiedet, das u.a. die Zinsen auf 25% p.a. und die Kredithöhe begrenzt. Weitere Gebühren, beispielsweise eine Bereitstellungsgebühr, sind aber erlaubt. Zum 1. Januar 2019 wurden Marketing und Werbemaßnahmen für Verbraucherkredite eingeschränkt, zum 1. Juli 2019 trat eine Begrenzung der Zinsen auf 25% p.a. in Kraft. Wir haben unsere Produkte angepasst und haben eine starke Nachfrage.

BOND MAGAZINE: Welche Produktanpassungen haben Sie vorgenommen?

Goldfinch: Die Höhe der Zinsen konnten wir natürlich sehr zügig anpassen. In Lettland können wir Gebühren für bestimmte Leistungen berechnen. Eine Gebühr für die sofortige Bereitstellung der Kredite wird von unseren Kunden problemlos akzeptiert. In manchen Märkten müssen wir andere Produkte anbieten und ggf. andere Zielgruppen ansprechen. Unser Ziel ist es Kunden mit besserer Bonität anzusprechen und Finanzierungen mit höheren Beträgen und längerer Laufzeit anzubieten. Diese Strategie testen wir bereits erfolgreich in Litauen, Spanien und Schweden.

BOND MAGAZINE: Und welche regulatorischen Änderungen erwarten Sie in Polen?

Goldfinch: Das polnische Justizministerium hat im Februar angekündigt, dass Kreditanbieter (bei denen es sich nicht um Banken handelt) ebenfalls von der polnischen Finanzaufsichtsbehörde beaufsichtigt werden. Auch in Polen sollen die Kreditkosten begrenzt werden. Aktuell dürfen die Kreditkosten maximal 25% fix plus 30% p.a. betragen mit einer Begrenzung der Gesamtkosten auf 100%. Dann war eine Begrenzung der Kosten auf maximal 20% fix plus 25% p.a. mit einer Begrenzung der Gesamtkosten auf 75% im Gespräch. Jetzt gibt es Diskussionen über eine Begrenzung der Kosten auf 10% fix plus 10% p.a. Die Diskussionen hierzu dauern an und es ist noch nicht klar, wann die Änderungen in Kraft treten sollen. Die europäische Kommission führt Gespräche mit der polnischen Regierung, um den Zeitpunkt der Einführung des neuen Gesetzes zu klären. Sollte es zu diesen Änderungen kommen, werden wir uns auch in Polen auf bonitätsstärkere Kreditnehmer konzentrieren.

BOND MAGAZINE: Und in welchen Regionen sehen Sie größeres Wachstumspotenzial?

Goldfinch: Unsere Tochtergesellschaft TBI Bank performt in Bulgarien und Rumänien sehr gut. In beiden Märkten sehen wir weiteres Wachstumspotenzial. Die TBI Bank kauft auch 4finance-Online-Kreditportfolios aus anderen europäischen Ländern. Die TBI Bank hat das Passporting für Schweden und Dänemark, und für Polen haben wir ebenfalls das Passporting beantragt.

BOND MAGAZINE: Die TBI Bank hat also kein Passporting für alle europäischen Länder?

Goldfinch: Nein, aber wir haben die Möglichkeit, eine Lizenz auch für andere europäische Länder zu beantragen. Es gibt auch unterschiedliche Zulassungen für die Kreditvergabe und das Einlagengeschäft. Die Zulassung für das Einlagengeschäft hat deutlich höhere Hürden. Wir erwarten noch für September Feedback von der bulgarischen Zentralbank in Bezug auf ein Passporting der Lizenz für die Kreditvergabe in Polen. Und wir gehen davon aus, dass die Antwort positiv ausfallen wird. Die TBI Bank würde dann Ratenkredit-Portfolios in Polen kaufen.

BOND MAGAZINE: Das erste Halbjahr 2019 war etwas schwächer. Welche Gründe hat das?

Goldfinch: Seit Gründung haben wir Kredite im Volumen von 7 Mrd. Euro vergeben, diese Marke haben wir im Juni überschritten. Wir haben bislang 20 Millionen Kredite vergeben, mehr als 70% der Kredite werden online mit mobilen Endgeräten beantragt und es gibt eine Kreditentscheidung innerhalb von 15 Minuten. Das Ergebnis war im ersten Halbjahr etwas schwächer, weil wir im zweiten Halbjahr 2018 Produktanpassungen vorgenommen haben. Wir haben beispielsweise das Online-Geschäft in der Dominikanischen Republik, Rumänien und Georgien eingestellt. Zudem wurden in einigen Ländern die Produkte an die neue Regulierung angepasst. Die Geschäfte in unseren Kernmärkten Polen, Spanien und Dänemark entwickeln sich sehr positiv. Auch die TBI Bank entwickelt sich sehr positiv. Insgesamt entwickeln wir uns in den meisten Märkten sehr gut. In Bulgarien, Rumänien und Polen konnten wir im ersten Halbjahr die Zinserträge um über 20% steigern, in Spanien um 19%. Gerade mit Kunden, die eine etwas bessere Bonität haben, verzeichnen wir in Litauen und in Spanien ebenfalls deutliche Zuwachsraten.
Das Zinsergebnis belief sich im ersten Halbjahr auf 213,4 Mio. Euro, dies entspricht einem Rückgang von 13%. Aber im zweiten Quartal 2019 lagen die Zinseinkünfte mit 106,9 Mio. Euro rund 0,4% über dem Wert des ersten Quartals 2019. Zudem konnten wir die NLP-Quote deutlich verbessern. Sie betrug zum 30. Juni 2019 rund 17,9% (19,3% für Online), verglichen mit 19,4% zum 31. Dezember 2018 (22,0% für Online).

BOND MAGAZINE: Zum 30.06. hatten Sie Kredite an verbundene Unternehmen in Höhe von 64,6 Mio. Euro vergeben. Können Sie das bitte erläutern?

Goldfinch: Ja, gerne. Wir haben in der Vergangenheit keine Gewinne an unsere Gesellschafter ausgeschüttet, sondern wir haben ihnen Kredite gewährt. Für diese Kredite erhalten wir Zinsen und die Kredite performen gut. Wir sind inzwischen aber dazu übergegangen, normale Gewinnausschüttungen vorzunehmen, so dass sich die Kredite an verbundene Unternehmen reduzieren werden.

BOND MAGAZINE: Sie haben bereits mehrere Anleihen emittiert. Die 10,75%-USD-Anleihe 2017/22 (ISIN XS1597294781) notiert unter 90%, während die 11,25%-Euro-Anleihe 2016/21 (ISIN XS1417876163) über 100% notiert. Die Rendite ist bei der USD-Anleihe wesentlich höher als bei der Euro-Anleihe. Wie erklären Sie das?

Goldfinch: Wir haben im August die 11,75%-USD-Anleihe 2014/19 im Volumen von 68 Mio. USD zurückgezahlt. Es gibt aber bei der 10,75%-USD-Anleihe 2017/22 eine hohe Volatilität. Wir sind daher auch in Gesprächen mit unseren Brokern. Ein Investor hat in den vergangenen sechs Monaten Anleihen in größerem Umfang verkauft, das hat auf den Kurs gedrückt. Wir werden von vielen Investoren aber offensichtlich auch mit der in UK börsennotierten International Personal Finance (IPF) verglichen, die in Polen einen sehr viel größeren Anteil ihres Kreditportfolios hat und in einem hohen Maße von den regulatorischen Veränderungen betroffen sein dürfte. Das hat bei IPF auf die Kurse der Aktien und der Anleihen gedrückt. Unsere 10,75%-USD-Anleihe 2017/22 ist auch unter Druck geraten und wir haben ab dem zweiten Halbjahr 2018 auch Anleihen zurückgekauft.

BOND MAGAZINE: Und sind Übernahmen für Sie ein Thema?

Goldfinch: Ja, absolut. Im vierten Quartal letzten Jahres hat die TBI Bank eine Beteiligung von 9% an der norwegischen Monobank erworben. Es handelt sich um eine digitale Bank, die Verbraucherkredite in Norwegen und Finnland anbietet. Wir prüfen ständig Übernahmen, die entweder von den Produkten oder der Technologie zu uns passen.

BOND MAGAZINE: Welche Entwicklung erwarten Sie für das Gesamtjahr 2019?

Goldfinch: Wir sind mit der Entwicklung der TBI Bank sehr zufrieden. Wir sehen Wachstum bei Krediten, die eine etwas bessere Qualität haben. Wir werden diese in den kommenden Monaten auch in weiteren Märkten anbieten. Wir sehen aber auch in einigen kleineren Märkten ein starkes Wachstum. Wir konnten aber auch die Kosten deutlich reduzieren. Im ersten Halbjahr konnten wir die operativen Kosten um 17% senken. Wir betreiben das Geschäft so effizient wie möglich. Wir haben aber auch schon die Fälligkeit der 11,25%-Anleihe 2016/21 (ISIN XS1417876163) im Mai 2021 im Blick. Wir sind mit dem Aufsichtsrat schon in Gesprächen in Bezug auf die Refinanzierung. Und die 10,75%-USD-Anleihe 2017/22 (ISIN XS1597294781) wird zwölf Monate später fällig. Auch das haben wir im Blick. Wir haben eine Finanzierungsgesellschaft in Luxemburg, wir können uns aber auch vorstellen, die TBI Bank zur Konzernfinanzierung zu nutzen. Die Refinanzierung der Euro-Anleihe 2016/21 werden wir sicherlich frühzeitig angeben, vermutlich im dritten oder vierten Quartal nächstes Jahr. Man wird am Kapitalmarkt also wieder von uns hören.

BOND MAGAZINE: Aber nur mit Anleihen?

Goldfinch: In Bezug auf unsere Struktur, auf Corporate Governance und Reporting wäre auch ein Börsengang jederzeit möglich. Aber eine Entscheidung hierzu müssen unsere Gesellschafter treffen.

BOND MAGAZINE: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Christian Schiffmacher, https://www.fixed-income.org/
(Foto: Christian Schiffmacher, links, Paul Goldfinch, rechts
© IIP GmbH)

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