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„Wir sind von der Branche Landwirtschaft in Russland tief überzeugt“, Wolfgang Bläsi, Ekotechnika GmbH

Nach dem Kursrutsch der Ekotechnika-Anleihe erläutert Ekotechnika-CFO Wolfgang Bläsi im Gespräch mit dem BOND MAGAZINE die die aktuelle Geschäftsentwicklung des Unternehmens sowie mögliche Auswirkungen der Russland-Sanktionen auf Ekotechnika.

BOND MAGAZINE:
Herr Bläsi, die Anleihe der Ekotechnika GmbH steht mittlerweile bei einem Kurs von rund 35 % - ist es nicht an der Zeit, die Anleger über die Probleme zu informieren?

Wolfgang Bläsi: Wir informieren den Kapitalmarkt immer dann, wenn es etwas Handfestes zu berichten gibt. Im Umkehrschluss heißt das, solange wir nichts vermelden, hat sich auch nichts Entscheidendes im Unternehmen verändert. Wir haben die Halbjahreszahlen (31.3.) im Juni veröffentlicht und die Creditreform hat in diesem Zuge – auch wegen der politischen Unsicherheit im Zuge der Ukraine-Krise – unser Rating angepasst. Die Zahlen für das zweite Halbjahr bzw. das Gesamtjahr werden aktuell erstellt und sobald wir hier vorläufige Zahlen veröffentlichen können, werden wir das tun. Klar ist, dass das abgelaufene Jahr mit den schwierigen politischen und gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen uns nicht zufriedenstellen wird.

BOND MAGAZINE: Was bedeutet das für die Ekotechnika-Anleihe?

Bläsi: Die Anleihe läuft noch weitere dreieinhalb Jahre. Wir sind von der Branche Landwirtschaft in Russland tief überzeugt. Die russische Regierung möchte die Selbstversorgung mit Lebensmitteln stärken. Dafür wurden in den letzten Wochen weitere Entscheidungen für die Unterstützung der Landwirte gegeben und die Banken sind basierend darauf wieder aktiver in der Finanzierung von Landwirten. Mit diesen Rahmenbedingungen sowie mit einem kostenseitig gestrafften Geschäftsmodell sind wir für die nächsten Jahre zuversichtlich und somit sehen wir auch keine ernsthaften Schwierigkeiten für die Anleihe!

BOND MAGAZINE: Aber der Rubelkurs hat doch wegen der Sanktionen erheblich nachgegeben. Werden dadurch Ihre Landmaschinen für die russischen Landwirte nicht unerschwinglich?

Bläsi: Die Preise für Agrarprodukte – auch beim Verkauf in Russland – sind unter anderem abhängig von der Entwicklung des Rubelkurses. Wir sehen bei Ekosem-Agrar beispielsweise, dass wir heute in Euro einen höheren Milchpreis haben, als im April 2013 – vor dem Beginn der Abwertung. Der Rubelkurs und damit der Preis der Maschinen für die Landwirte ist insbesondere in Umstellungsphasen ein Problem. Das heißt, der Landwirt hat die letzte Ernte noch zu niedrigen Preisen verkauft, muss aber den Traktor schon mit dem schlechteren Kurs kaufen. Wenn die Erzeugerpreise sich angepasst haben, stimmt auch wieder die Relation zum Preis der Maschine.

BOND MAGAZINE: Ist die Ekotechnika ein Opfer der wechselseitigen Sanktionen des Westens und Russlands?

Bläsi: Ich würde das nicht überbewerten. Das Wirtschaftswachstum in Russland ist schon seit rund zwei Jahren deutlich abgeflacht. Dies hatte schon im zweiten Quartal 2013 Auswirkungen auf den Rubel. Um die gleiche Zeit begannen die Subventionen zu stocken und auch die Finanzierung durch Banken. Diese Tendenzen wurden durch die Ukraine-Krise verstärkt – aber nicht ausgelöst. Und wie oben erwähnt – mittlerweile hat die Regierung auch weitere Unterstützung für den Agrarsektor auf den Weg gebracht.

BOND MAGAZINE: Wenn Sie an Ihr Unternehmen glauben, müssten Sie doch eigentlich bei diesen Kursen Ekotechnika-Anleihen kaufen?

Bläsi: Wenn wir aktuell überschüssige Liquidität hätten, auf die wir für einige Zeit verzichten könnten, würden wir das tun. Das ist aktuell nicht der Fall. Ich kann Ihnen aber versichern, dass ich persönlich bei dem niedrigen Kursniveau in gewissem Umfang zukaufe.

BOND MAGAZINE: Die Ekosem-Agrar Anleihen sind nun auch teilweise deutlich unter Druck – besteht hier die Gefahr einer Ansteckung durch die schwächere Entwicklung bei Ekotechnika?

Bläsi: Das sehe ich in keiner Weise. Wir haben zwei komplett getrennte Unternehmensgruppen, die – wenngleich beide im Agrarbereich – doch sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle haben. Wenn der Import von Lebensmitteln erschwert wird und wir einer der größten lokalen Produzenten sind, dann sollte es wenig Grund zur Sorge geben. Landwirtschaft bleibt ein globaler Megatrend, Russland ist der größte Flächenstaat der Welt, wir sind der größte Rohmilchproduzent in Europa und einer der modernsten dazu – ich bin vom Erfolg unseres Geschäftsmodells absolut überzeugt!

BOND MAGAZINE: Danke für das Gespräch.

Das Interview führte Christian Schiffmacher, www.fixed-income.org

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