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Zollpause entschärft Spannungen zwischen USA und China

Wenli Zheng © T. Rowe Price

Wenli Zheng, Portfolio­manager bei T. Rowe Price kommen­tiert die Zoll­pause zwischen den USA und China.

•  Zwar wird mit weiteren Handels­ge­sprächen gerechnet, doch der Waffen­stillstand zwischen den USA und China positiv wurde aufgenommen. China ist einer der Aktien­märkte mit der besten Perfor­mance seit Jahresbeginn.

•  Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Zölle werden durch Chinas geringere Abhängigkeit von den US-Märkten abgefedert. Der Anteil der Exporte in die USA am BIP hat sich seit 2010 halbiert.

•  Die Belebung des Konsums kommt der Binnennachfrage Chinas entgegen. Unterstützt wird sie durch die Stärkung des sozialen Sicherungssystems und die Verbesserung des Gesundheits- und Bildungswesens.

Unabhängig vom Ausgang des Handelsabkommens zeichnen sich mehrere Trends ab, welche die globale Wirtschaftslandschaft neu gestalten und die Anlagemöglichkeiten neu definieren werden.

Transformation der globalen Lieferketten
Die USA treiben ihre Reindustrialisierung voran, wobei die Zollpolitik eine zentrale Rolle spielt. Diese Strategie konzentriert sich auf strategische Sektoren wie Halbleiter, Elektrofahrzeuge, Pharmazeutika, Stahl und Schiffbau. Infolgedessen sind die globalen Lieferketten in diesen Branchen erheblichen Störungen und Umstrukturierungen ausgesetzt. Das hochintegrierte, globalisierte Lieferkettenmodell weicht einem stärker regionalisierten, aber dennoch vernetzten Rahmenwerk. Dieser Wandel stellt alle Volkswirtschaften vor Herausforderungen, aber diejenigen mit robusten Binnenmärkten und umfassenden industriellen Ökosystemen sind besser für die Anpassung gerüstet.

Chinas Widerstandsfähigkeit angesichts des Zolldrucks
Angesichts der anhaltenden Unsicherheiten aufgrund der Zölle ist es hilfreich, deren potenzielle Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaft zu bewerten. In den letzten zehn Jahren hat China proaktive Maßnahmen ergriffen, um den Druck von außen abzufedern. Die Belt and Road Initiative hat den Zugang zu globalen Märkten erweitert und die Handelspartnerschaften diversifiziert, während die „Dual-Circulation“-Strategie die Widerstandsfähigkeit der Binnenwirtschaft gestärkt hat. Darüber hinaus haben Durchbrüche bei kritischen Technologien Engpässe auf der Angebotsseite beseitigt, und der Schuldenabbau im Finanz- und Immobiliensektor hat die systemischen Risiken verringert, sodass China potenzielle Schocks besser auffangen kann.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Zölle werden durch Chinas geringere Abhängigkeit von den US-Märkten abgefedert. In 2024 machten die Exporte in die USA (einschließlich Reexporte) etwa 3% des chinesischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus, gegenüber 6% im Jahr 2010, was eine deutliche Verschiebung der Handelsdynamik widerspiegelt.

Auf Unternehmensebene sind die Auswirkungen der Eskalation der Zölle für die meisten chinesischen Firmen begrenzt, da die Exporte in die USA nur etwa 1% des durchschnittlichen Umsatzes börsennotierter Unternehmen ausmachen – eine der niedrigsten US-Exposures weltweit. Eine Eskalation könnte das langsamere Wirtschaftswachstum noch verschärfen, aber die Unternehmen passen sich durch eine Beschleunigung ihrer Globalisierungsstrategien an.

Seit 2018 haben viele Unternehmen ihren Fokus von exportorientierten Modellen auf globalisierte Aktivitäten verlagert, ein Trend, der sich wahrscheinlich noch verstärken wird. Unternehmen mit fortschrittlichen Technologien und operativer Agilität sind gut positioniert, um auch in einem volatilen Handelsumfeld Chancen zu nutzen und so die langfristige Widerstandsfähigkeit ihrer Aktien zu unterstützen.

Binnennachfrage als wirtschaftlicher Anker

Aufbau einer ausgewogeneren Wirtschaft 
Die Stärkung des Binnenkonsums entspricht den internen Erfordernissen Chinas und ist im aktuellen externen Umfeld unerlässlich. Dieser Übergang wird durch die Stärkung des sozialen Sicherheitsnetzes, die Verbesserung der Gesundheitsversorgung und den Ausbau der Bildungsmöglichkeiten unterstützt. Der Investitionsschwerpunkt dürfte sich von „Hardware” (Infrastruktur) auf „Software” (Humankapital) verlagern.

Stabilisierung des Immobiliensektors 
Der Immobiliensektor macht Anzeichen einer Stabilisierung, nachdem die Zahl der Baubeginne gegenüber dem Höchststand von 2021 um 68% zurückgegangen ist, was sich erheblich auf die Gesamtwirtschaft ausgewirkt hatte. Die Bestände in den Großstädten nähern sich jedoch einem normalen Niveau. Wir rechnen zwar nicht mit einer starken Erholung, gehen jedoch davon aus, dass die negativen Auswirkungen in den nächsten ein bis zwei Jahren nachlassen werden.

Verbesserungen auf den Endmärkten
Nach mehreren Jahren des Abschwungs zeichnen sich in bestimmten Endmärkten erste Verbesserungen ab, insbesondere in den Bereichen Baumaschinen, Windkraft, Automatisierung und Eisenbahn.

Vielfältige Chancen

Veränderungen bei Verbrauchertrends 
Der Verbrauchermarkt befindet sich im Umbruch. Ausgewählte Unternehmen in traditionellen Branchen wie Milchprodukte und Bier verzeichnen dank eigener Maßnahmen eine allmähliche Verbesserung. Hotelketten und Einkaufszentren wachsen durch Marktkonsolidierungen stetig. Darüber hinaus beobachten wir die Entstehung neuer Konsumgewohnheiten, insbesondere in den Bereichen geistiges Eigentum, frische Getränke und Snacks, was auf eine dynamische Veränderung der Verbraucherpräferenzen und -verhalten hindeutet.

Technologische Innovation 
Während DeepSeek die Fähigkeiten Chinas im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) hervorgehoben hat, gab es in den letzten Jahren rasante technologische Fortschritte, die sich voraussichtlich noch weiter beschleunigen werden. Obwohl China mit Einschränkungen bei der Rechenleistung konfrontiert ist, sind wir der Meinung, dass das Land für die Anwendung und Kommerzialisierung von KI-Technologien gut aufgestellt ist. So hat China beispielsweise im Automobilsektor eine starke Führungsposition bei Elektrofahrzeugen aufgebaut und dürfte auch im Bereich des autonomen Fahrens eine Vorreiterrolle einnehmen. In der Biotechnologie hat sich China von einem generativen Markt zu einer Innovationsmacht entwickelt, wobei im Jahr 2024 etwa 30% bis 40% der weltweiten Biotech-Auslizenzierungen aus China stammen werden.

Chancen durch Marktverwerfungen
Marktverwerfungen bieten Bottom-up-Anlegern die Möglichkeit, von wahllosen Abverkäufen zu profitieren, indem sie exportorientierte Aktien kaufen, die überverkauft sind.

Unternehmen mit zukunftsorientierten Strategien und flexiblen Ansätzen dürften im Zuge der Marktentwicklung Marktanteile gewinnen. Durch Besonnenheit und objektive Fundamentalanalysen können Anleger unterbewertete Anlagechancen in China mit erheblichem Potenzial aufspüren.

www.fixed-income.org


 

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