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Armdrücken zwischen Ost und West

Finanzmarktkolumne von Alessandro Bee, Ökonom, Bank J. Safra Sarasin

Nach der Volksbefragung am Sonntag ist der politische Anschluss der Krim an Russland – in welcher Form auch immer – nur noch eine Formsache. Zwar haben die westlichen Staaten Sanktionen angekündigt – Einreisesperren und das Einfrieren von Vermögensteilen. Diese sanften Sanktionen haben jedoch nicht das Potenzial zu einem grossen Handelsdisput. Zur drängendsten Frage wird nun, was mit dem Osten der Ukraine geschieht, wo auch eine grosse russische Minderheit lebt. Verleibt sich Wladimir Putin die Ost-Ukraine ein, könnte dies sehr wohl zu einem schwerwiegenden wirtschaftlichen Kräftemessen führen. Aber sind die USA, die EU und Russland überhaupt bereit, die wirtschaftlichen Kosten eines solchen Konfliktes zu tragen?

Die geringsten Kosten würden für die USA anfallen. Diese sind dank ihrer Schiefergasvorkommen nicht auf Energielieferungen aus Russland angewiesen. Dazu kommt, dass die russische Wirtschaft ein unbedeutender Handelspartner ist: Weniger als 1% der Exporte gehen nach Russland. Die USA befinden sich im Moment – trotz des harschen Winters – in einer robusten konjunkturellen Situation. Eine Abschwächung der globalen Konjunktur aufgrund eines Handelsdisputes würde der US-Wirtschaft zwar einen Dämpfer verpassen, sie aber nicht zum Entgleisen bringen.

Die EU ist bereits anfälliger auf ein Handelsembargo. Deutschland bezieht dein Drittel seines Gasverbrauchs aus russischen Quellen. Dreht Putin Europa den Gashahn zu, könnte das die Industrie empfindlich treffen. Zudem ist das Land für die EU auch ein wichtigerer Handelspartner als für die USA. Deutschland führt 3.3% seiner Exporte nach Russland aus. Eine gewisse Beruhigung für die EU kommt von der Konjunkturfront. Die verbesserte Wirtschaftslage gibt ein gewisses Polster gegen eine Eintrübung der globalen Wirtschaft.

Am anfälligsten ist die russische Wirtschaft. Ein mögliches Energieembargo würde das Land hart treffen. Energieausfuhren machen 75% der Gesamtexporte und ca. 50% des Staatshaushaltes aus. Russland ist Ende letzten Jahres zwar noch mit 1.3% gewachsen, die Währungsturbulenzen seit der Krimkrise dürften das Land jedoch an den Rand einer Rezession gebracht haben. Ein Handelsdisput würde die russische Wirtschaft in eine längere Krise stürzen.

Weder die EU noch Russland können sich einen schwerwiegenden Handelskonflikt leisten. Das begünstigt die Suche nach einer „einvernehmlichen“ Lösung. Allerdings bestehen auch Risiken. Ein Handelskrieg hätte für die USA relativ geringe Kosten und könnte Barack Obama zu einer aggressiveren Gangart verleiten. Eine zweite Frage stellt sich: Wie hoch gewichtet Putin die wirtschaftlichen Kosten seiner Krim-Politik. Nimmt er eine schwere Wirtschaftskrise in Kauf um seine geopolitischen Anliegen weiterzuverfolgen, so schwinden die Chancen auf eine „einvernehmliche“ Lösung.


www.fixed-income.org
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