YAML | Example "3col_advanced"
Anzeige

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Die EZB scheint zunehmend zuversichtlich

von Ulrike Kastens, Volkswirtin Europa, DWS

Es gibt gute Gründe, warum Europas Geldhüter zunehmend zuver­sichtlich scheinen, ihr Inflations­ziel von zwei Prozent in nicht allzu ferner Zukunft zu erreichen.

In den 1950er-Jahren legte der renom­mierte estnisch-amerika­nische Ökonom Ragnar Nurkse einen Großteil der Grundlagen dafür, um zirkuläre Probleme in der Entwick­lungs­ökonomie konsequent durchzudenken. Wie beispielsweise bringt man Wachstum in armen Ländern überhaupt erst in Gang?1) Daher ist es vielleicht passend, dass Isabel Schnabel ihren Auftritt bei der Ragnar-Nurkse-Vorlesungsreihe nutzte, um kurz die Auswirkungen der Geldpolitik auf das Sparverhalten privater Haushalte zu reflektieren.2)

Als Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB) ist sich Schnabel zweifellos bewusst, dass dies recht knifflige theoretische Probleme aufwirft, nicht zuletzt aufgrund verschiedener zirkulärer Rückkopplungsschleifen. In der Praxis scheint es jedoch so, dass das derzeitige Zinsniveau die Haushalte in der Eurozone dazu anregt, mehr zu sparen und weniger auszugeben. Unter Berufung auf Umfrageergebnisse seit den 1980er-Jahren wies Schnabel darauf hin, dass die Sparabsichten für das kommende Jahr noch nie so hoch waren wie heute. Dies wird in unserem „Chart der Woche“ deutlich, der den Nettosaldo der Umfrageteilnehmer zeigt, die ihre Ersparnisse eher erhöhen als reduzieren wollen.

Unter den Haushalten in der Eurozone ist die Sparneigung so hoch wie nie zuvor

Darüber hinaus haben die privaten Haushalte ihre Ersparnisse aktiv in Termineinlagen umgeschichtet, die über einen längeren Zeitraum höhere Renditen versprechen. Dies könnte teilweise aus Vorsicht geschehen sein, vielleicht auch in der Erwartung weiterer Zinssenkungen durch die EZB. Durch die Dämpfung der Gesamtnachfrage dürfte es für Unternehmen schwieriger werden, die Preise für Waren und Dienstleistungen zu erhöhen, was der EZB wiederum weitere Zinssenkungen ermöglichen würde.

„Wir gehen weiterhin davon aus, dass die EZB den Einlagenzinssatz bei der nächsten EZB-Sitzung am 12. September um 25 Basispunkte auf 3,50 Prozent senken wird“, erklärt Ulrike Kastens, Europa-Ökonomin bei der DWS. Zwar war der jüngste Rückgang der Inflation vor allem auf sinkende Energiepreise zurückzuführen, während sich der Anstieg der Dienstleistungspreise von 4,0 Prozent im Juli auf 4,2 Prozent im August beschleunigte. Berichte aus den einzelnen Ländern zeigen, dass insbesondere die Preise für Pauschalreisen und Übernachtungen gestiegen sind.

Nach dem Ende der Urlaubssaison und den Olympischen Spielen in Frankreich dürften diese Preise in den kommenden Monaten etwas nachgeben, allerdings bleibt aufgrund der Lohnerhöhungen ein gewisser Grunddruck bestehen. Dagegen setzte sich der Abwärtstrend bei Konsumgütern fort und die schwächere Binnennachfrage wird in den nächsten Monaten weiteren Abwärtsdruck auf die Preise ausüben. Zweifellos wird die EZB weiterhin eine Vielzahl von Indikatoren beobachten. Dennoch gibt es gute Gründe für ihre wachsende Zuversicht, dass das Inflationsziel von zwei Prozent in nicht allzu ferner Zukunft wieder erreicht werden kann.


www.fixed-income.org 
1) Eine gute Zusammenfassung von Nurskes Ideen und ihre Wiederentdeckung in den letzten Jahrzehnten findet sich hier: Krugman, P. (1999), “The Rise and Fall of Developmental Economics”, in “Development, Geography and Economic Theory”, MIT Press, insb. S. 17-27.
2) Schnabel, I. (2024), “The euro area inflation outlook: a scenario analysis”, Lecture by Isabel Schnabel, Member of the Executive Board of the ECB, at the Ragnar Nurkse Lecture Series organised by Eesti Pank in Tallinn, Estonia, 30 August 2024. Verfügbar unter: The euro area inflation outlook: a scenario analysis (europa.eu)


 

Investment

Renditen langlaufender Staatsanleihen sind auf ein Niveau gestiegen, das zuletzt zur Zeit der globalen Finanzkrise zu beobachten war

Der aktuelle Ausver­kauf von lang­lau­fenden Anleihen hat die Argu­mente gestärkt, kurz­laufende Anleihen in Betracht zu ziehen, da stei­gende…
Weiterlesen
Investment
Wer in Bukarest Blut spendet, bekommt als Danke­schön die Chance, Anleihen zu zeichnen. Was wie eine Kuriosität wirkt, steht für einen größeren Trend:…
Weiterlesen
Investment
Anleger richten ihren Blick derzeit zu stark auf steigende Renditen und geopo­litische Risiken und unter­schätzen dabei die verbesserten…
Weiterlesen
Investment
Viele Analysten gehen davon aus, dass die Cash­flows der Hyper­scaler in den kommenden Jahren negativ werden. Grund dafür ist der beispiellos hohe…
Weiterlesen
Investment
Der Haushalts­ausschuss des Bundes­tags stimmt in der morgigen Sitzung unter Tages­ordnungs­punkt 21 über die „Options­ausübung zur Beschaffung von…
Weiterlesen
Investment
Die Lage in Frank­reich spitzt sich zuneh­mend zu. Angesichts der weiter steigenden Staats­ver­schuldung richtet sich der Blick der Anleger verstärkt…
Weiterlesen
Investment
Die Renditen von Staats­anleihen sind deut­lich gestiegen. Für Bastian Freitag, Head of Fixed Income bei Roth­schild & Co Wealth Manage­ment…
Weiterlesen
Investment

von David Clewell, Co-Portfoliomanager der Multi-Asset Global Income Strategy bei T. Rowe Price

Die 5-Prozent-Marke bei der Rendite 10-jähriger US-Staats­anleihen war für Anleger eine wichtige psycho­logische Schwelle, da diese seit der Zeit nach…
Weiterlesen
Investment

Hohe Einstiegsrenditen von Anleihen können Inflationsverluste abfedern. Niedrige lassen Anlegern dagegen kaum ein Sicherheitspolster.

In Robert Louis Steven­sons Aben­teuer­roman „Die Schatz­insel“ weist eine Karte den Weg zu Reich­tümern. Doch wer ihr folgt, begibt sich oft in…
Weiterlesen
Investment
Der Kupon eines Syndi­cated Loans passt sich laufend an den Referenz­zins an – anders als bei klassischen Unter­nehmens­anleihen mit festem Kupon.…
Weiterlesen
Anzeige

Neue Ausgabe jetzt online!