YAML | Example "3col_advanced"
Anzeige

Anzeige
Anzeige

Einmal der geldpolitischen Versuchung widerstehen

Finanzmarktkolumne von Karsten Junius, Chefökonom, Bank J. Safra Sarasin AG

Eine wieder negative Inflationsrate, eine schwächelnde Industrieproduktion und kriselnde Schwellenländer haben die Spekulation angefacht, die EZB könnte ihr Anleihenankaufprogramm (QE) ausweiten. Wir würden die Wirkung einer solchen Entscheidung als gering einschätzen. Wirkungsvoller wären stärkere Strukturreformen und auch die Fiskalpolitik kann in einigen Ländern expansiver werden.

Wenn am Donnerstag die Europäische Zentralbank (EZB) tagt, sind die Erwartungen der Finanzwelt klar: Sie werden auf Hinweise warten, ob und wann die EZB ihr QE-Programm ausweitet. EZB-Präsident Draghi hatte bereits auf der letzten Pressekonferenz darauf hingewiesen, dass Volumen, Zusammensetzung und Länge des Programms zur Diskussion stehen. In den letzten Wochen haben verschiedenen EZB-Ratsmitglieder dazu Stellung genommen. Der Österreicher Nowotny hat Sympathie signalisiert andere haben sich teilweise kritisch geäussert. So halten Direktoriumsmitglieder Mersch und Coeure die Diskussion für verfrüht. Der Litauer Vasiliaukas sieht gar keine Notwendigkeit für eine weitere Lockerung und in die gleiche Richtung argumentiert die Deutsche Bundesbank. Aber das Thema bleibt auf dem Tisch, wohl auch weil Draghi mehr oder weniger ausgeschlossen hat, dass die derzeit bei -0,2% liegenden Einlagezinsen nochmals reduziert werden könnten. Eine weitere Zinssenkung würde nun seine Glaubwürdigkeit beschädigen und vermutlich lediglich dazu führen, dass auch andere europäische Notenbanken wie die der Schweiz, von Dänemark und Schweden ihre Zinsen nochmals senkten oder wie im Fall UK erst später erhöhten. Für den Wechselkurs bliebe eine Zinssenkung daher ziemlich wirkungslos. Zu befürchten wäre das aber auch, wenn jetzt eine Ausweitung des QE-Programms beschlossen würde. Die Marktzinsen sind bereits extrem niedrig und stellen nicht den Grund für die schwache Kreditentwicklung dar. Diese wäre auch dann nicht dynamischer, wenn die EZB beschlösse statt 60 Mrd. Euro pro Monat 80 Mrd. Euro an Wertpapieren zu kaufen.

Fiskalpolitik in Deutschland hat noch Spielraum
Konjunkturelle Impulse sollten stattdessen von einer Kombination von expansiver Fiskalpolitik gekoppelt mit Strukturreformen kommen. Deutschland hat auf beiden Gebieten noch viel Potenzial. Reformen würden das mittelfristige Wachstumspotenzial erhöhen und das Vertrauen in eine nachhaltige Wirtschaftspolitik stärken. Sie gehen in der kurzen Frist aber auch häufig mit Belastungen einher, weswegen sie von expansiven fiskalpolitischen Impulsen begleitet werden sollten. Bei einem ausgeglichenen Haushalt besteht dafür ausreichend Potenzial. Und die EZB? Sie muss akzeptieren, dass es extrem schwierig und kostspielig wäre, wenn sie allein versuchte die Konjunktur- und Strukturprobleme Eurolands zu lösen. Statt einer vorschnellen Erhöhung ihrer monatlichen Ankäufe, könnte sie aber im nächsten Jahr beschließen, den Ausstieg aus dem QE-Programm fließender zu gestalten. Denkbar wäre beispielsweise, dass sie nach September 2015 ihre Käufe sukzessive um monatlich 10 oder 5 Mrd. Euro senkt und so das Programm um 5 oder 11 Monate bzw. 150 oder 330 Mrd ausweitet. Welche der beiden Größen sie wählt, kann sie durchaus konjunkturabhängig entscheiden. Eine solche Verlängerung würde die Finanzmärkte schonen. Ob sie aber die Inflationsentwicklung beflügeln, darf auch nach den bisherigen Erfahrungen bezweifelt werden.


www.fixed-income.org

--------------------------------------------------
BONDBOOK Restrukturierung von Anleihen
Auf 104 Seiten werden detailliert alle wichtigen Hintergründe rund um die Restrukturierung von Anleihen für Unternehmen und Anleihegläubiger erläutert.
Die Ausgabe kann zum Preis von 29,00 Euro (inkl. USt. und Versand) beim Verlag oder im Buchhandel (ISBN 978-3-9813331-2-1) bestellt werden.
www.restrukturierung-von-anleihen.com
--------------------------------------------------

Investment
ESG-Investi­tionen sind wichtiger denn je, aber der Gegen­wind ist ange­sichts wirt­schaftlicher und geopo­litischer Probleme spürbar. Ophelie…
Weiterlesen
Investment

von Federico Garcia Zamora, Leiter EMD-Makrostrategien bei Insight Investment

Wir sind seit mehreren Jahren in venezola­nischen Anleihen über­gewichtet, wobei sich das Profil der Anlage­these im Laufe der Zeit weiter­ent­wickelt…
Weiterlesen
Investment

von Claus Hecher, Head of ETF Sales DACH and Nordics bei BNP Paribas AM

Im Dezember 2025 setzte der UCITS-ETF-Markt seinen Wachstums­kurs fort und beendete das Jahr mit einem Rekord­hoch. Die Netto­zuflüsse in UCITS-ETFs…
Weiterlesen
Investment
Zum Jahres­auftakt sehen sich die Anleihe­märkte mit einer viel­schichtigen Ausgangs­lage konfron­tiert. Nach deutlichen Bewegungen am langen Ende und…
Weiterlesen
Investment
Patrimo­nium Asset Manage­ment mit Sitz in Baar (Schweiz), ist eine strate­gische Partner­schaft mit Bayview Asset Manage­ment, mit Sitz in Coral…
Weiterlesen
Investment
Die EZB möchte die Verlust­absorp­tion von Addi­tional Tier 1 (AT1)-Anleihen erhöhen. Den Weg dorthin skizziert Raffaele Prencipe,…
Weiterlesen
Investment

von Rötger Franz, Portfoliomanager bei Plenum Investments:

Wir erwarten, dass Versicher­ungs­nach­ränge auch 2026 wieder über­durch­schnitt­lich abschne­iden werden. Nach einem Emis­sions­rekord­jahr bei…
Weiterlesen
Investment

Tilmann Galler sieht Chancen durch Investitionsprogramme und Zinssenkungen, warnt aber vor Bewertungsrisiken und Technologie-Übertreibungen

Das Jahr 2026 wird nach Ein­schätzung von Tilmann Galler, Kapital­markt­stratege bei J.P. Morgan Asset Manage­ment, von einem seltenen Gleich­lauf aus…
Weiterlesen
Investment

von Adam Whitely, Leiter Global Credit bei Insight Investment:

Die Speku­lationen über eine mög­liche Aktien­markt­blase bei Unter­nehmen, die KI-Dienst­leistungen anbieten, nehmen zu. Einige Beobachter…
Weiterlesen
Investment

von Alex Veroude, Lucas Klein und Seth Meyer, Janus Henderson Investors

Der gewagte Schritt der USA, Präsident Maduro aus Vene­zuela zu entführen, damit er sich in den USA vor Gericht verant­worten muss, hat die Welt…
Weiterlesen
Anzeige

Neue Ausgabe jetzt online!