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Erneuerbare Energien an den Finanzmärkten: Hype-Ende oder neue Chance?

von Michaël Oblin, Head of Buy Side Fixed Income bei DPAM

Der Markt für Papiere dieser Unternehmen ist eng, daher können negative Nachrichten Ausverkäufe auslösen. Ein Beispiel bot die Wertminderungsankündigung des führenden dänischen Offshore-Windkraftunternehmens Ørsted. Neben den gestiegenen US-Zinsen waren hierfür vor allem unternehmensspezifische Gründe maßgeblich. Unternehmen, die auf erneuerbare Energie fokussiert sind, wurden an den Finanzmärkten besonders in Mitleidenschaft gezogen.

Offshore-Windkraftanlagen sollten mit höheren Zielrenditen arbeiten als Onshore-Windkraft- und Solaranlagen. Vor allem in der Bauphase und bei der Wartung ist das Geschäft deutlich komplexer und das Risiko von Verzögerungen bei der Lieferung von Komponenten höher. Höhere Zielrenditen sollten diese Risiken (sowie die steigenden Finanzierungskosten) vergüten.

Aus unserer Sicht geht hier kein Hype zu Ende. Eine weitreichende Ansteckung auf stärker diversifizierte Mitbewerber steht nicht zu befürchten. Die Märkte spiegeln lediglich das geringere Wachstum und die gesunkene Rentabilität bestimmter Akteure wider, die mit den genannten Faktoren zusammenhängen.

Kostspielig, dynamisch, alternativlos

Der Bedarf an erneuerbaren Energien aber wächst exponentiell, wenn Europa und die Welt ihre Netto-Null-Ziele erreichen wollen. Dazu sind in kurzer Zeit enorme Investitionen notwendig, nicht nur in erneuerbare Energiequellen (Onshore-/Offshore-Wind, Sonne, Biomasse, Wasserkraft, Wasserstoff usw.), sondern auch in Transport- und Verteilungsnetze. Die Behörden müssen diese Investitionsvolumina bei der Tarifgestaltung berücksichtigen. Kurz: Die Energiewende wird kostspielig sein (aber billiger als Nichtstun, wie einige Quellen schätzen).

Nach Angaben der Europäischen Kommission muss die installierte Windkraftkapazität von 204 GW im Jahr 2022 auf mehr als 500 GW im Jahr 2030 gesteigert werden. Positiv ist dabei in Europa, dass in einem Aktionsplan sichergestellt werden soll, dass der Übergang zu sauberer Energie mit industrieller Wettbewerbsfähigkeit einhergeht und dass die Windenergie eine europäische Erfolgsgeschichte bleiben soll, etwa durch Inflationsbindung/Preisindexierung bei Auktionen sowie dank beschleunigter und harmonisierter Genehmigungsverfahren in der EU. Auch in den USA tut sich einiges: Bei der Offshore-Windauktion des Bundesstaates New York wurden mehrere Offshore-Windkraftentwickler mit einem deutlich höheren Tarifniveau als bisher ausgewählt. Höhere Kapital- und Investitionskosten werden damit bei den Auktionen berücksichtigt.

Die Internationalen Energieagentur (IEA) stellt ebenfalls eine hohe Dynamik fest, die – angetrieben von Energiekrise und Politik – bis 2030 zu einem erheblich veränderten globalen Energiesystem führen wird. Der weltweite Zubau an erneuerbaren Energien steigt im laufenden Jahr so stark wie noch nie zuvor. Darüber hinaus werden laut IEA die durchschnittlichen Stromgestehungskosten für Onshore-Windkraft und Photovoltaik im Jahr 2024 wieder sinken, auch wenn sie über dem Niveau von 2020 bleiben werden.

Wer aus dem grünen Energiesektor wird zu den Gewinnern zählen?

Die Wertschöpfungskette der Unternehmen bietet interessante Ansätze für Anleger, vor allem bei Preissetzungsmacht und einer stabilen Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen. Chancen bieten diversifizierte Unternehmen, die die genannten Risiken antizipieren bzw. von ihnen wegdiversifizieren. Zudem sollte man Unternehmen mit echtem Wettbewerbsvorteil identifizieren, die in der Lage sind, mit einem veränderten CO2-armen Umfeld umzugehen, und deren Bewertung nicht auf zu optimistischen Annahmen beruht. Wichtig ist auch die Beurteilung, inwieweit Unternehmen ihre Rechnungslegungspraktiken verbessern, mit denen unterschiedliche Marktbedingungen und verschiedene Szenarien abgebildet werden, um künftige finanzielle Risiken zu antizipieren und Strategien zu steuern.

www.green-bonds.com – Die Green Bond Plattform.
Foto: Michaël Oblin © DPAM


 

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