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Legg Mason Clearbridge: Der Honeymoon ist vorbei - wie wird der Markt auf einen Zinsanstieg reagieren?

Clearbridge-Co-CIO Hersh Cohen: „Die US-Finanzwelt ist verzerrt, wenn nicht sogar völlig verrückt“

 Werden sie nun wahr, die Sorgen um einem Zinsanstieg in den USA, von denen Anleger nun schon seit ein paar Jahren, insbesondere aber in den letzten Monaten zerfressen werden? Bisher konnten sich Investoren auf das hartnäckig schwache Wirtschaftswachstum verlassen, doch nun scheint der Honeymoon endgültig vorbei, glaubt Hersh Cohen, Co-Chief Investment Officer und Fondsmanager bei der auf US-Aktien spezialisierten Legg Mason-Tochter Clearbridge Investments: „Trotz des negativen BIP-Reports im ersten Quartal sprechen einige Signale für einen Wirtschaftsaufschwung in den USA und die können als Indiz dafür gewertet werden, dass die US-Notenbank den Zinsschritt nun wagen wird.“


Gemeint sind unter anderem Hausverkäufe, die sowohl bei Bestands- als auch bei neuen Immobilien wieder anziehen – auch wenn sie noch unter Vorkrisenniveau bleiben. Und auch am US-Arbeitsmarkt tue sich etwas, glaubt Cohen. Es gäbe Anlass zur Hoffnung, dass die Gehälter wieder steigen. Und hier habe bisher die Hauptursache für das schwache Wirtschaftswachstum und die Zurückhaltung der Fed gelegen.

Außerdem laute der Konsens am Markt mittlerweile, dass die ultra-niedrigen Zinsen kontraproduktiv seien. „Sparer, die ohnehin enttäuscht sind, dass sichere Anlageinstrumente keine Rendite liefern, konsumieren dennoch nicht mehr. Denn das anhaltende Niedrigzinsumfeld lässt stattdessen das Gefühl entstehen, dass noch mehr Rücklagen nötig sind. Diese Tendenzen sind im Retail-Sektor deutlich zu spüren“, analysiert US-Experte Cohen.

Ebenso seien viele Marktteilnehmer von den hohen M&A-Aktivitäten irritiert, die wiederum aus den so geringen Finanzierungskosten resultierten. Das sei kurzfristig zwar positiv für den Aktienmarkt, belaste langfristig jedoch das Schuldenniveau vieler Unternehmen. „Es gibt zahlreiche Argumente dafür, dass die Fed dazu beigetragen hat, Asset-Blasen zu kreieren“, fasst Cohen zusammen. „Kurz: Viele Facetten der Finanzwelt sind absolut verzerrt, wenn nicht sogar völlig verrückt.“


Genau deshalb glaubt man bei Clearbridge auch, dass der Honeymoon nun vorbei ist. Solange es keine deutlichen Rückschläge für die US-Wirtschaft gäbe, werde die Fed damit beginnen, die kurzfristigen Zinsen anzuheben – wenn auch nur sehr langsam. „Normalerweise sollte man davon ausgehen, dass die Märkte sich bereits im Vorfeld eines Zinsanstiegs darauf vorbereitet haben. Da wir aktuell sicher alles nur keine normalen Zeiten erleben, ist es extrem schwer vorherzusagen, wie Investoren und Spekulanten tatsächlich auf einen Schritt der Fed reagieren werden“, fürchtet Cohen, glaubt aber gleichzeitig, dass ein wahrscheinlicher kleiner Schritt der Fed nicht allzu negative Folgen haben wird.

Bisher habe die Sorge um einen Zinsanstieg vor allem zu Verlusten bei Dividenden-Titeln wie etwa bei Versorgern geführt. Industrietitel würden außerdem straucheln, da das Wirtschaftswachstum nicht so recht  durchstarten will. Marktgewinne seien immer enger geworden, weshalb Cohen der aktiven Titelauswahl noch mehr Bedeutung beiwohnt als bisher – obwohl auch der Frustrationsgrat hier deutlich angestiegen ist, da Aufwärts- wie Abwärtsbewegungen immer extremer werden.

„Per Definition sind die gesündesten Märkte solche, in denen die meisten Aktien und Gruppen einen Aufwärtstrend erleben. Selbst enttäuschende Gewinne können dann überwunden werden und die individuelle Aktienselektion kann ihr volles Potenzial entfalten“, erklärt der Clearbridge Co-CIO. „Was wir dieses Jahr erleben, ist jedoch deutlich problematischer: Trotz angemessener oder sogar guter Ergebnisse stecken viele Titel nun nach Jahren des Wachstums fest – ein Hinweis auf eine gewisse Müdigkeit am Markt. Investoren müssen sehr geduldig sein.“

Konkret heißt das für Cohen, dass Anleger sich einfach wieder auf Unternehmen konzentrieren sollten, die ihr Geschäftsmodell beherrschen und für Dividendenwachstum sorgen. Einige davon würden bereits in der Gunst der Investoren stehen, während andere brach lägen oder sogar verlören. „Wir bevorzugen Unternehmen mit guten quantitativen Daten wie etwa einem handfesten Cashflow oder soliden Dividenden.“

www.fixed-income.org

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