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Nordic High Yield: Nischenmarkt mit großem Potenzial

Der skan­dinavische Renten­markt gehört zu den Teilen des globalen Renten­markts, die in der Regel wenig Aufmerk­samkeit bekommen, gerade weil es nicht so häufig auf­regende Ereignisse und Krisen gibt, die sie erschüttern. Doch insbe­sondere der Hochzins­markt der nordischen Länder weist für Anleger interessante Merkmale auf, die mehr Aufmerk­samkeit verdient hätten. Daniel Herdt, Portfolio­manager / Analyst im Nordic High Yield Team bei Lazard Asset Management, nennt fünf Gründe, weshalb Anleger den Nischenmarkt nicht länger außer Acht lassen sollten.

Grund Nr. 1: Hohe Rendite

„Obwohl ihre fundamentale Kreditqualität auf vergleichbaren Niveaus liegt, bieten nordische High Yield-Anleihen deutlich höhere Risikoaufschläge als Euro- oder US-High-Yield-Bonds“, sagt Herdt. „Im historischen Durchschnitt liegt die Spreaddifferenz bei circa 200 Basispunkten gegenüber Hochzinsanleihen mit vergleichbarem Kreditrisiko im restlichen Europa.“ Die kleineren Aussteller und Emissionsgrößen nordischer High Yield-Anleihen würden meist zu zusätzlichen Ineffizienz- und Risikoprämien führen, was die deutlich höhere Rendite in diesem Nischenmarkt erkläre, so der Anleihenexperte.

Traditionell würden die meisten Nordic High Yield-Emissionen über keine Bonitätseinstufung externer Ratingagenturen verfügen. „Das liegt zum einen daran, dass die vor allem von inländischen Marktakteuren geprägte Investorenbasis es gewohnt ist, auf die eigene Kreditanalyse zu vertrauen. Zum anderen rechtfertigen oftmals die geringen Emissionsvolumina nicht die hohen Kosten für ein Rating“, so Herdt. Die Ausfallquoten im nordischen High Yield-Markt seien jedoch vergleichbar mit dem globalen Durchschnitt, wobei harte Kreditausfälle in Skandinavien eher die Ausnahme darstellen würden. „Die Mehrrendite von nordischen gegenüber EUR- und USD-Hochzinsanleihen sagt also nichts über die Kreditqualität der Emittenten oder die Fundamentaldaten der skandinavischen Länder aus. Tatsächlich ist Skandinavien eine der am weitesten entwickelten und nachhaltigsten Regionen der Welt“, sagt Herdt. 

Grund Nr. 2: Begrenzte Zinsvolatilität

Eine Besonderheit des nordischen High Yield-Marktes sei der hohe Anteil an variabel verzinsten Anleihen. „In diesem Punkt ist der Nordic High Yield-Markt einzigartig, denn sowohl in Europa als auch in den USA werden Anleihen in der Regel mit einem fixen Kupon begeben“, so Herdt. Dieser feste Kupon traditioneller Anleihen bleibe während der gesamten Laufzeit der Anleihe gleich. Bei Veränderungen des Marktzinses würden sich die Anleihekurse der bereits emittierten Anleihen an das neue Renditeniveau anpassen, was bedeute, dass der Kurs bei steigenden Renditen sinke, da die Neuemissionen mit einem höheren und damit attraktiveren Kupon ausgestattet seien. „Bei variabel verzinslichen Anleihen ist das Zinsänderungsrisiko hingegen begrenzt, denn anders als bei traditionellen Anleihen werden die Kuponzahlungen durch einen Referenzzinssatz bestimmt“, erklärt Herdt. Der Kupon passe sich je nach Vertrag regelmäßig an die Entwicklung des Referenzzinses an. 

Grund Nr. 3: Striktes nordisches Bondformat

„Eine weitere Stärke nordischer Hochzinsanleihen liegt im nordischen Bondformat selbst“, sagt Herdt. Anders als herkömmliche Bonds und ähnlich klassische High Yield-Anleihen seien nordische Anleihen typischerweise mit sogenannten Incurrence Covenants verknüpft. Dabei handele es sich um Auflagen, deren Einhaltung zu bestimmten Ereignissen während der Laufzeit der Anleihe überprüft werde. Darüber hinaus würden nordische Hochzinsanleihen häufig auch sogenannte Financial Maintenance Covenants aufweisen, nach denen der Emittent eine oder mehrere Finanzkennzahlen (z.B. das Verhältnis der Nettofinanzverschuldung zum EBITDA) stets einzuhalten habe. „Die Anleihebedingungen in Skandinavien sind durch das besondere Format häufig deutlich strikter als bei vergleichbaren High Yield-Anleihen anderer Länder und Regionen“, sagt Herdt. 

Grund Nr. 4: Unterstützung durch Nordic Trustee Service

„Die starke Finanzmarktaufsicht in Skandinavien sowie der Nordic Trustee Service für Anleiheemissionen tragen wesentlich zur Transparenz und Standardisierung des nordischen Anleihenmarktes bei“, erläutert Herdt. Beim Nordic Trustee Service handele es sich um den führenden und erfahrensten Anbieter von Treuhänder- und Kreditvermittlungsdienstleistungen in der nordischen Region. Er nehme eine zentrale Vermittlerrolle zwischen Anleihegläubigern und Emittenten ein. Seine drei wesentlichen Aufgabenbereiche seien die Dokumentation, das Monitoring und das Krisenmanagement. Als Treuhänder bilde er dabei keine eigene Interessengruppe. Er schütze lediglich von Anfang an, also auch bereits in der Primärphase, die Rechte auf Basis der Anleihevereinbarung und des Gesetzes. „Dies verhindert, dass einzelne Anleihegläubiger einseitige Schritte gegen einen Emittenten einleiten – etwas, das in anderen Bond-Märkten häufig ungeordnete Ausfälle provoziert“, sagt Herdt. „Dadurch, dass der Treuhänder die Investoreninteressen gebündelt vertritt, können zudem Lösungen schnell und pragmatisch gefunden werden.“

Grund Nr. 5: Diversifizierung fürs Portfolio

Zudem könnten nordische High Yield-Anleihen zur Diversifizierung eines Rentenportfolios beitragen, beispielsweise durch die Diversifizierung der Währungen, welche ein weiteres wichtiges Merkmal des nordischen Hochzinsmarktes darstelle, so Herdt. Etwas weniger als 40 Prozent des Marktvolumens sei in Euro denominiert, während jeweils etwa 25 Prozent in den Landeswährungen Norwegische und Schwedische Krone begeben würden. 

Darüber hinaus sei der nordische Anleihenmarkt kaum mit anderen Rentenmärkten korreliert. Und er biete trotz seiner eher geringen Größe eine große Vielfalt: „In den letzten Jahrzehnten hat sich der nordische Anleihenmarkt zu einem gut diversifizierten Markt entwickelt, der Unternehmen aus allen Industriezweigen umfasst“, sagt Herdt. Alle Sektoren und Länder der Region seien vertreten. 

Fazit:
Herdt resümiert: „Der nordische Hochzinsmarkt ist zwar vergleichsweise klein, bietet Anlegern aber dennoch großes Potenzial. Neben den hohen Renditen und hohen Kupons sind es vor allem die kaum vorhandenen Zinsänderungsrisiken, die nordische High Yield-Anleihen im derzeitigen Umfeld erhöhter Zinsvolatilität attraktiv machen. Aus unserer Sicht sollten Anleger nordische High Yield-Anleihen deshalb durchaus als festen Bestandteil ihres Rentenportfolios in Betracht ziehen.“

www.fixed-income.org
Foto: Daniel Herdt © Lazard Asset Management


 

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