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Sinkt das Vertrauen ... wirf die Geldpresse an!

Kolumne von Ad van Tiggelen, Senior Investment Specialist, Investment Content Management bei ING Investment Management

In den Industrieländern, in denen das Verbrauchervertrauen weiterhin schwach ist, wollen die Zentralbanken die Konjunktur durch Erhöhung der Geldmenge beleben. Allein die EZB ziert sich hier, will aber – wie die anderen Zentralbanken – die Zinsen noch längere Zeit niedrig halten. Die Liquiditätsschleusen bleiben vorerst weit offen. Wie sollen Anleger damit umgehen?

Aber nicht nur die Zentralbanken schaffen Liquidität, in jüngster Zeit tragen auch Unternehmen zum Geldberg bei. Die Unternehmensbilanzen sind gesund und die Investitionsausgaben relativ verhalten. Deshalb nehmen auch Aktienrückkäufe und Übernahmen – in der Regel gegen Bares – wieder zu. Noch ist die Nachfrage nach Geld in der Realwirtschaft vergleichsweise gering. Das gilt jedenfalls für die Industrieländer; in den Schwellenländern stellt sich die Situation anders dar. Der Großteil der neu geschaffenen Liquidität ist daher in der Finanzwirtschaft gebunden. All dies Geld muss reinvestiert werden.

Solch ein liquiditätsgetriebenes Umfeld sollte für Aktien und Anleihen recht günstig sein. Noch scheuen die Anleger tendenziell das Risiko, daher erleben Rentenfonds derzeit – trotz der historisch niedrigen Renditen – starke Zuflüsse. Denn schließlich sind hier im Vergleich zum Geldmarkt immer noch Zusatzrenditen zu erzielen. Superniedrige Anleiherenditen mögen zwar ein Hinweis auf künftige konjunkturelle Schwäche sein, aber auch die Aktienmärkte haben in den ersten neun Monaten dieses Jahres vergleichsweise gut abgeschnitten. Solange Anleger sich nicht von der Aussicht auf einen möglichen Double-Dip verschrecken lassen, gleichen die hohen Free-Cashflow-Renditen und attraktiven Dividenden die eingegangenen Risiken hinlänglich aus.

So können die liquiditätsgetriebenen Märkte sowohl bei Anleihen als auch bei Aktien profitieren – allerdings nur, solange das Wirtschaftswachstum nicht zu schwach (oder zu kräftig) ist. Ein starker Konjunkturaufschwung würde nämlich durch den steigenden Bedarf an Geld in der Realwirtschaft die Liquidität aus dem Finanzsektor abziehen und eine geldpolitische Wende auslösen. Die daraus resultierenden höheren Zinsen wären sowohl für die Rentenmärkte als auch für manche Aktien mit hohen Dividendenausschüttungen ungünstig. Zyklische Werte könnten hingegen profitieren, aber ihre Bewertungen bieten momentan wenig Spielraum nach oben.

Bis auf weiteres werden die entwickelten Volkswirtschaften sich also wohl „durchwurschteln“, was sich schlimmer anhört, als es ist. Der Aufschwung scheint in Zeitlupe zu verlaufen, ein Balanceakt zwischen schwacher Binnennachfrage und Staatsschuldenrisiken einerseits und einer expansiven Geldpolitik und starken Unternehmen andererseits. Der Balanceakt ist jedoch nicht ohne Risiken. Dies gilt umso mehr, als dass man der konjunkturellen Abkühlung auf unorthodoxe Weise gegensteuert. Dabei ist aber Vorsicht geboten, vor allem wenn es darum geht, durch Erhöhung der Geldmenge neue Impulse zu schaffen oder die Dynamik durch Etatkürzungen zu dämpfen. Investoren wissen das und „versichern“ sich zunehmend gegen wirtschaftspolitische Missgriffe (wie sich am steigenden Goldpreis ablesen lässt). Der Griff zum Gold ist immer ein Zeichen dafür, dass die Anlegerschaft nicht mit einer Rückkehr zur Normalität rechnet.

Aus unserer Sicht überwiegt die Gefahr eines Double-Dip das „Risiko“ einer schnellen Erholung. Mittelfristig sind die Aussichten jedoch eher lustlos: anhaltend niedrige Inflation und äußerst niedrige Zinsen. In diesem Umfeld sind langlaufende Staatsanleihen (aus den Euro-Kernländern) sowie Aktien mit hohen und steigenden Dividendenausschüttungen weiter attraktiv.


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