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UBP-Chefvolkswirt: Inflation macht der EZB keine Angst mehr

Patrice Gautry, Chefvolkwirt von Union Bancaire Privée (UBP) äußert sich im Nachgang der EZB-Ratssitzung: „Die Inflation macht der EZB keine Angst mehr, sie wird "aggressiv" akkommodierend bleiben.“ Die EZB habe ein symmetrisches Inflationsziel von mittelfristig etwa 2 % beschlossen, und die Sitzung konzentrierte sich auf die Neufestlegung der Zinsgestaltung, ohne das Thema PEPP und im weiteren Sinne die Käufe der Zentralbank anzusprechen. „Die EZB befindet sich eindeutig im Lager der "Tauben" unter den anderen Zentralbanken und insbesondere der Fed, die begonnen hat, die zukünftigen Modalitäten einer Straffung ihrer Politik zu diskutieren.“

Die EZB befasst sich eingehend mit den gegenwärtigen und prognostizierten Inflationstrends (2022 und 2023) in der Region und spricht sich auf der Grundlage dieser Kriterien energischer als in der Vergangenheit für eine Geldpolitik aus, die weiterhin akkommodierend bleiben sollte, heißt es in der Erklärung sogar.

Lebhafte Debatten zu erwarten
Gautry sagt, es sei verständlich, dass eine solche relative ‚Aggressivität‘ keinen Konsens unter den Gouverneuren erzeugen konnte, da einige für eine maßvollere Herangehensweise sind, da die Inflation in den kommenden Monaten weiter steigen werde und die Bilanz der Zentralbank seit Beginn der Pandemie rapide gewachsen sei. „Aber die EZB wird nun auch eine Inflation oberhalb des 2%-Ziels tolerieren, und diese Toleranz ist eine Einschätzung und nicht das Ergebnis einer mathematischen Formel, was eine lebhafte Debatte in den nächsten Gremiensitzungen eröffnet.“

Die Lücke zwischen der projizierten Inflation im Jahr 2023 (1,4 %) und dem 2 %-Ziel sei so groß, dass man eine "aggressivere" Aussage zu den Zentralbankkäufen hätte erwarten können, oder gar eine Verlängerung entweder der Dauer oder der Beträge des PEP oder des APP; aber dies sei auf die nächste Sitzung im September verschoben worden, wo die neuen Wirtschaftsprojektionen vorgestellt werden.

„Während sich die Landschaft der Zentralbanken zwischen jenen aufspaltet, die bereits die Zinsen anheben (Lateinamerika), ihre Käufe reduzieren oder ihre Strategie nicht ändern, macht die EZB einen Bogen zugunsten einer potenziell immer noch extrem akkommodierenden Politik: So würde die niedrige Inflation in der Eurozone die EZB bis 2023 dazu zwingen, akkommodierend zu bleiben und sehr kurzfristig sogar noch aggressiver zu werden, während die Fed und andere Zentralbanken dabei sein werden, ihre Leitzinsen anzuheben“, fasst Chefvolkswirt Gautry zusammen.

www.fixed-income.org
Foto: Patrice Gautry
© Union Bancaire Privée (UBP)


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