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Unlogische Renditesprünge belasten die Aktienmärkte

von Michael Winkler, Leiter Anlagestrategie, St.Galler Kantonalbank Deutschland AG

Gegenwärtig dominieren die Sorgen um die Weltwirtschaft – allen voran um die chinesische Konjunktur – die Zinsanstiege belasten und die Stimmung an den Aktienmärkten trübt sich ein.

Mit derzeit 4,64% überwinden 10-jährige US Staatsanleihen das Renditehoch von 2022 (4,35%) und befinden sich technisch in einem intakten Aufwärtstrend. Fundamental macht der Renditeanstieg aber wenig Sinn: Die Notenbanken sind am Ende des Zinserhöhungszyklus, die Konjunktur kühlt sich ab und die Inflationsraten beruhigen sich. Und genau hier drückt der Schuh: Mit dem Überschreiten der für die Kapitalmärkte wichtigen 4,35%-Marke folgt die nächste Herausforderung für die Aktienmärkte. Ein ähnliches Bild zeichnet sich für die 10-jährigen Bundesanleihen, hier liegt die Rendite derzeit bei fast 3,0% und hat damit das Hoch von März 2023 (2,75%) überschritten.

Gute Nachrichten von der Inflationsfront: Das von der Fed bevorzugte US-Inflationsmaß, der sogenannte PCE Core Deflator, geht weiter zurück – von 4,3% im Vormonat auf aktuell 3,9% - und auch die EU-Inflationsrate überrascht mit einem deutlichen Rückgang von 5,2 auf 4,3%. Fazit: Die Richtung stimmt.

Während sich die ungünstige Saisonalität dem Ende zuneigt, ist das euphorische Sentiment inzwischen wieder in der Angst-Zone angekommen (nach dem Fear & Greed-Index). Die in der Breite technisch angeschlagenen Aktienmärkte weisen derzeit keine erkennbaren Aufwärtstrends auf:

-  Wie seit Monaten schneiden die europäischen Aktienmärkte schwächer als die US-Aktienmärkte ab. Während die Tech-lastigen Indizes wie MSCI World, S&P500 und Nasdaq sich weiterhin stark entwickeln, ist beim Stoxx600 kein Aufwärtstrend in Sicht und die 200-Tage-Linie wurde bereits unterschritten. Fazit: Die Suche nach interessanten Sektoren wird immer wichtiger.

-  Ein ähnliches Bild zeigt sich für den MSCI Emerging Markets Index, der wegen des Sorgenkindes China technisch schwach bleibt, die 200-Tage-Linie unterschritten hat und ebenfalls keinen Aufwärtstrend aufweist.

-  Der MSCI Japan ist mit einem derzeit intakten Aufwärtstrend einer der stärksten Indizes, bleibt aber technisch überhitzt. Aufgrund der schwachen Währung bleibt von den Kursgewinnen allerdings für Anleger im Euroraum nicht allzu viel übrig.

Fazit:
Die Chancen an den Aktienmärkten nehmen kurzfristig wieder zu. Die Saisonalität, die Angst der Anleger und die guten Inflationsdaten helfen dabei. Ob daraus mehr wird als eine Gegenbewegung auf die in den vergangenen zwei Monaten erlittenen Kursverluste, werden die nächsten Wochen zeigen. Der unerwartete erneute Zinsanstieg bietet unverändert gute Renditechancen mit festverzinslichen Wertpapieren.

www.fixed-income.org
Foto: Michael Winkler © St.Galler Kantonalbank Deutschland AG


 

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