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Unternehmensanleihen bleiben auch 2010 ein Objekt der Begierde

Klaus Stopp, stv. Leiter Rentenhandel, Baader Bank

Die angespannte Finanzlage lässt vielen Staaten somit kaum Spielraum für Konjunkturprogramme. Im Gegenteil: Steuererhöhungen zur Konsolidierung der Staatsfinanzen könnten dem zarten Wachstumspflänzchen den Gar ausmachen. An den Zinsmärkten ist deshalb wohl vorerst mit einer Seitwärtsbewegung zu rechnen. Gefragt sein werden im kommenden Jahr weiterhin die Staatsanleihen solider Länder. Das Damoklesschwert über Griechenland wird so schnell nicht verschwinden. Auf die zuletzt angekündigten Sparmaßnahmen der griechischen Regierung reagierte die Ratingagentur Standard & Poor’s gestern mit einer Bonitätsherabstufung von A- auf BBB+ und nannte diese „nicht ausreichend“. Andere Länder sind ebenfalls gefährdet. Eine ganze Reihe von Banken kämpft ums Überleben und der eine oder andere Schuldner am Corporate Bond Markt, den bislang noch niemand auf dem Radar hat, könnte ebenfalls in die Schusslinie geraten.

Bei den Neuemissionen von Unternehmensanleihen kam es auf Grund der zurückhaltenden Kreditpolitik der Banken 2009 zu einem Rekord. Zum einen wurden Bonds von den Unternehmen als Kapitalbeschaffungsmittel neu entdeckt, zum anderen haben sich etliche Konzerne bereits vorfinanziert, um sich damit bei eventuellen Ratingherabstufungen gegen schlechtere Finanzierungskonditionen abzusichern. Als Emittenten traten auch viele Unternehmen auf, die sich bislang noch nie als Anleihenschuldner engagierten. Ein Trend der 2010 voraussichtlich anhalten wird. Ebenso wie die Besonderheit, dass immer mehr Firmen, die nicht von Ratingagenturen bewertet werden ihre ersten Anleihen am Markt platzieren.

Investoren mit etwas höherer Risikobereitschaft werden deshalb auch im kommenden Jahr verstärkt auf Unternehmensanleihen setzen. Die moderate Konjunkturerholung in Verbindung mit sinkenden Ausfallraten und anhaltend niedrigen Zinsen bei Staatsanleihen macht Corporate Bonds auch 2010 zu einer attraktiven Anlageklasse. Besonders wichtig für Anleger ist dabei wie immer die Diversifikation und die genaue Beobachtung der Unternehmensbonität.

An den Creditmärkten ist weitgehend Ruhe eingekehrt. Die Ankündigung der amerikanischen Notenbank, den Schlüsselzins noch für eine Weile auf quasi 0 zu belassen, gab den Unternehmensanleihen nochmals Auftrieb und die Spreads konnten sich abermals einengen, wenn auch bei geringen Umsätzen.

Primärmarkt nach Rekordjahr im Weihnachtsurlaub
Der Primärmarkt befindet sich bereits in seinem wohlverdienten Weihnachtsurlaub, nachdem er 2009 ein absolutes Rekordjahr hinter sich hat. So wurden dieses Jahr Unternehmensanleihen im Wert von über 280 Mrd Euro emittiert. Das entspricht dem im Durchschnitt doppelten Volumen der letzten Jahre. Ein Grund hierfür war, dass die Banken aufgrund des Risikos nach der Lehman-Pleite weniger syndizierte Kredite an Unternehmen vergaben und diese sich dadurch über den Kapitalmarkt refinanzieren mussten.

Der slowenische Telekommunikationsanbieter Telekom Slovenije begab diese Woche eine „nur“ 300 Mio. Euro große Anleihe, mit einer Laufzeit von 7 Jahren. Das Unternehmen zahlt seinen Investoren 4,875% und wird von der Ratingagentur Moody’s mit Baa1 bewertet, was einer soliden Investmentgrade-Einstufung (Unternehmen mit besserer Bonität) entspricht. Aufgrund des Mindestanlagevolumens von 50.000 Euro ist die Anleihe in erster Linie für institutionelle Investoren geeignet und wird aus steuerlichen Gründen an keiner deutschen Börse gelistet sein.

Rexel, auf den Vertrieb von Elektroinstallationsmaterial spezialisierter französischer Großhandelskonzern, hat eine Euro-Anleihe mit Laufzeit bis 15. Dezember 2016 emittiert. Die Nominalverzinsung beträgt 8,25%. Die kleinste handelbare Einheit beträgt 50.000 Euro. Das Papier ist vom Emittenten zum 15.12.2013 zu 104,13%; zum 15.12.2014 zu 102,063% und zum 15.12.2015 zu 100,00% kündbar. Rexel wird von S&P mit B+ eingestuft.

Novasep, französischer Konzern, der auf Trenntechnik für die Pharmaindustrie spezialisiert ist, plant derzeit die Emission siebenjähriger Euro- und US-Dollarbonds.


Quelle: Baader BOND Markets (http://news.baaderbank.de/inxmail14/last_baader_bond_markets.jsp)



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