Katjesgreenfood investiert in Marken, in denen man Potenzial sieht, wie Marius Rodert, CFO, Katjesgreenfood GmbH & Co. KG, betont. Die Gesellschaft konzentriert sich aktuell auf die operative Entwicklung ihrer Mehrheitsbeteiligungen. Ziel ist, drei operativ starke Mehrheitsbeteiligungen zu haben. Insbesondere bei mymuesli gibt es noch operative Aufgaben.
BOND MAGAZINE: In welche Unternehmen investiert Katjesgreenfood?
Rodert: Bei der Katjes Gruppe glauben wir an starke Marken. Die Marke ist der Wettbewerbsvorteil, den man nicht einfach kopieren kann. Man kann es sich wie bei einer guten Lage vorstellen: Die Marke ist der Eckshop im Kopf des Konsumenten. Das Bild gefällt mir: Ein Eckshop ist sichtbar und präsent. Genau das leistet eine starke Marke. Sie ist im entscheidenden Moment im Kopf des Konsumenten und gibt bei der Kaufentscheidung den Ausschlag. Wir wollen ebendiese Love Brands von morgen besitzen. Dafür setzen wir vor allem in jungen Märkten an, in denen solche Marken entstehen können. Wir investieren, wenn wir Potenzial in der Marke sehen – das ist das Wichtigste. Unser Fokus liegt auf starken Konsumgütermarken.
BOND MAGAZINE: Wie lange wollen Sie die Unternehmen halten? Sollen die Unternehmen mittelfristig starke Cashflows erzielen oder wollen Sie die Unternehmen mit Gewinn weiterverkaufen?
Rodert: Bei unseren Mehrheitsbeteiligungen setzen wir auf Buy and Hold. Einen Verkauf planen wir derzeit nicht. Bei den Minderheitsbeteiligungen kommt es darauf an. Bei einigen Minderheiten bauen wir unseren Anteil aus. Bei hellotaste haben wir im August nochmals in ein Wandeldarlehen in Höhe von 600.000 Euro investiert. Wir halten derzeit 10%, nach der Wandlung steigt unsere Beteiligung dann entsprechend. Bei Seven Sundays sind wir als Minderheitsinvestor ein Investor von vielen. Hier ist unser Entscheidungsspielraum also begrenzt, aber der Wert der Beteiligung steigt.
BOND MAGAZINE: Sie halten auch eine Beteiligung an Vegdog, einem Hersteller von veganer Hundenahrung. Investieren Sie in Nahrungsmittel für Mensch und Tier?
Rodert: Die gemeinsame Klammer bilden Konsumgüter. Anders als unsere Schwestergesellschaft Katjes International, die mit Bübchen auch im Bereich Körperpflege investiert ist, liegt unser Fokus im Bereich Lebensmittel. Aktuell konzentrieren wir uns auf die Entwicklung unserer Mehrheitsbeteiligungen und suchen nicht aktiv nach neuen Beteiligungen.
BOND MAGAZINE: Sie investieren in Wachstumsunternehmen, die keine Ausschüttungen vornehmen. Wie wollen Sie Zins und Tilgung sicherstellen?
Rodert: Die Beteiligungen müssen mittelfristig operative Cashflows erwirtschaften. Dafür müssen wir weiter auf unsere bisherigen Initiativen bauen. Gleichzeitig halten wir, wie bei der größeren Schwestergesellschaft Katjes International, eine EBITDA-Marge von 10% für durchaus realistisch. Wir hatten 2025 einen Umsatz von 68 Mio. Euro. Wenn wir eine EBITDA-Marge in dieser Größenordnung erzielen, dann sind wir gut aufgestellt. Zudem bringen auch unsere Gesellschafter im Zuge der Anleihe weitere 6 Mio. Euro Eigenkapital ein. Das ist ein wichtiges Signal. Außerdem können wir durch den Verkauf von Minderheiten Mittel realisieren. Das haben wir in den letzten Jahren gezeigt.
BOND MAGAZINE: Sie bewerben die Anleihe mit dem Slogan „Better-for-you-Anleihe“. Besser für den Investor ist immer ein starker Cashflow.
Rodert: Das ist richtig. Der Slogan bezieht sich auf unsere Marken und Produkte, die alle im wachsenden Better-for-you-Markt positioniert sind. Darunter fallen beispielsweise Produkte mit niedrigem Zucker- und Kaloriengehalt, protein- und ballaststoffreiche Produkte, aber auch glutenfreie Rezepturen und solche in Bio-Qualität.
BOND MAGAZINE: Aber weshalb ist die Anleihe gut für den Investor?
Rodert: Dafür gibt es aus meiner Sicht drei gute Gründe. Wir sind kapitalmarkterfahren und haben mit unserer Anleihe einen guten Track Record aufgebaut. Unsere ausstehende 8,00%-Anleihe 22/27 hat sich sehr gut entwickelt und erreichte in der Spitze einen Kurs von knapp 109%. Zweitens haben wir gezeigt, dass wir Werte schaffen und auch realisieren können. Mit unseren Minderheitsbeteiligungen haben wir einen Wert von 37 Mio. Euro geschaffen. Davon haben wir bereits 11 Mio. Euro realisiert. Das zeigt: Diese Werte stehen nicht nur auf dem Papier. Und drittens profitieren wir von der Stärke der Katjes Gruppe. Katjesgreenfood ist dabei ein eigenständiges Schwesterunternehmen. Wir profitieren aber von jahrzehntelangem Know-how und von Gesellschaftern, die selbst Kapital investieren.
BOND MAGAZINE: Wie wollen Sie die Mittel aus der Anleihe verwenden?
Rodert: Die neue Anleihe hat ein Ziel-Volumen von 40 Mio. Euro. Das wollen wir erreichen. Damit wollen wir im Wesentlichen die ausstehende Anleihe, die ein Volumen von 38 Mio. Euro hat, refinanzieren.
BOND MAGAZINE: Wer sind Ihre Zielinvestoren? Sie bringen die Anleihe im sogenannten Nordic High Yield-Format. Für einen Nordic Bond sind Sie relativ klein.
Rodert: Unsere Schwestergesellschaft hat mit dem Nordic-Bond-Format sehr gute Erfahrungen gemacht, und das Format hat sich bei internationalen Investoren etabliert. In Deutschland gibt es ein öffentliches Angebot. Wir schließen also keinen Investor aus, können aber zusätzliche, insbesondere internationale Investoren erreichen.
BOND MAGAZINE: Wie ist Ihre aktuelle Geschäftsentwicklung?
Rodert: Wir haben in den letzten zwei Jahren vor allem an der Aufstellung unserer Mehrheitsbeteiligungen gearbeitet. Bei mymuesli und Genius haben wir die Strukturen an die Größe der Geschäfte angepasst. Die Mitarbeiterzahl bei beiden Unternehmen zusammen sinkt von 458 im Jahr 2024 auf rund 295 im Jahr 2026, also um mehr als ein Drittel. Wir haben das Sortiment gestrafft und uns auf das Kerngeschäft konzentriert. Das hat kurzfristig Umsatz gekostet: Der Konzernumsatz lag im letzten Jahr bei 68 Mio. Euro, in den letzten zwölf Monaten bis Juni bei 63 Mio. Euro. Dafür sind die Unternehmen jetzt schlanker und die Basis für Wachstum ist gelegt.
Dazu kommt Cookie Bros. Seit Ende Juni 2026 konsolidieren wir das Unternehmen voll. Die Marken unter einem Dach gebündelt, die Produktion breiter aufgestellt. Auch unsere drei Minderheitsbeteiligungen wachsen weiter. Seit 2022 ist jede von ihnen jedes Jahr gewachsen. Am stärksten entwickelt sich Seven Sundays.
BOND MAGAZINE: Wie profitieren Sie von der Einbindung in die Katjes Gruppe? Sie sind ein eigenständiges Unternehmen. Wie können Sie von der Gruppe profitieren?
Rodert: Wir haben eine Personenidentität bei den geschäftsführenden Gesellschaftern Tobias Bachmüller und Bastian Fassin, die auch bei den anderen beiden Gesellschaften in der Geschäftsführung sind. Beide verfügen über langjährige Erfahrung im Aufbau von Marken und im Handel. Von diesem Know-how profitieren wir. Wir wissen, was im Handel funktioniert. Wir arbeiten punktuell mit den Kollegen der Schwestergesellschaften oder auch den Beteiligungsunternehmen zusammen. Es gibt häufig jemanden, der eine Sache besonders gut kann. mymuesli ist z. B. auf der anderen Straßenseite. Das Unternehmen verfügt über viel Erfahrung im Onlinegeschäft, davon können die anderen Unternehmen profitieren.
BOND MAGAZINE: Und wie läuft es bei mymuesli? Da sind die Zahlen nicht so gut.
Rodert: Das stimmt, die Zahlen sind noch nicht dort, wo wir sie zukünftig sehen wollen. Das liegt im Wesentlichen an den Maßnahmen, die wir bewusst ergriffen haben: Wir haben das Sortiment und die Mitarbeiterzahl reduziert. Max Wittrock, einer der Gründer, ist als CEO zurück und wieder Aktionär. Wir haben die Direct-to-Consumer-Fähigkeiten neu aufgesetzt, mit Shopify, Klaviyo und einem Loyalty-Programm. Und im Handel haben wir die REWE-Distribution von rund 450 auf 3.000 Märkte ausgebaut.
Wichtig ist auch die Saisonalität: Bei mymuesli ist das zweite Halbjahr traditionell das stärkere und das vierte Quartal das stärkste. Wir erwarten, dass die Maßnahmen im zweiten Halbjahr zunehmend greifen. Mittelfristig sehen wir wieder in der Top- und Bottomline nachhaltiges Wachstum. Dass das ein Weg ist, der Zeit braucht, ist klar.
BOND MAGAZINE: Ich bin ein Zahlenmensch, wenn ich mir Ihre Bilanz und Ihre G+V ansehe, dann sind die nicht nach meinem Geschmack.
Rodert: Das kann ich auf den ersten Blick verstehen. Es ist aber wichtig, unsere Zahlen einzuordnen. Das erste Halbjahr 2026 war sicher nicht erfreulich. Dafür gibt es klare Gründe. Zum einen belasten uns die Kosten des bereits angesprochenen Umbaus unserer Mehrheitsbeteiligungen. Die Kosten fallen heute an, der Nutzen kommt später. Zum anderen hat sich verändert, welche Unternehmen in unseren Konzernzahlen enthalten sind: mymuesli ist erst seit dem vierten Quartal 2024 dabei, Cookie Bros. seit dem 30. Juni 2026. Das erschwert den Vergleich über die Jahre. Unser Plan ist aber klar: Wir wollen die Profitabilität unserer Mehrheitsbeteiligungen deutlich verbessern, und das soll sich künftig auch in unseren operativen Zahlen zeigen.
BOND MAGAZINE: Wo ist Katjesgreenfood in fünf Jahren – am Laufzeitende der Anleihe?
Rodert: Wir haben jetzt drei Mehrheitsbeteiligungen mit viel Potenzial. Unser Ziel ist, daraus drei operativ starke Mehrheitsbeteiligungen zu machen. Das wird sich dann entsprechend positiv in unseren Zahlen spiegeln. Bei unseren Minderheitsbeteiligungen bleiben wir flexibel. Auch bei Seven Sundays sehen wir erhebliches Potenzial und können uns zu gegebener Zeit eine weitere Wertrealisierung vorstellen.
Das Interview führte Christian Schiffmacher, www.fixed-income.org
Eckdaten der neuen Katjesgreenfood-Anleihe
| Emittentin | Katjesgreenfood GmbH & Co. KG |
| Kupon | 7,75%-8,50% p. a. (Zinsspanne) |
| Zinszahlung | halbjährlich |
| Zeichnung | 23.09.-19.10.2026 |
| Umtausch | 23.09.-15.10.2026 |
| Settlement | 26.10.2026 |
| Laufzeit | 26.10.2031 (5 Jahre) |
| WKN / ISIN | A5GS6W / NO0013759555 |
| Zielvolumen | bis zu 40 Mio. Euro |
| Stückelung | 1.000 Euro |
| Listing | Freiverkehr Frankfurt, Nordic ABM Oslo |
| Treuhänder | Nordic Trustee |
| Joint Lead Managers | ABG Sundal Collier ASA (Global Coordinator), Montega Markets |
| Internet / Wertpapierprospekt | www.katjesgreenfood.de/anleihe-2026-2031/ |
