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2 Prozent und 2 Grad

Von Olivier de Berranger, Chief Investment Officer, La Financière de l‘Échiquier

Im Jahr 1980 sagte Karl Otto Pöhl, der damalige Präsident der Bundesbank: „Inflation ist wie Zahnpasta. Ist sie erst mal heraus aus der Tube, bekommt man sie kaum mehr rein.“

40 Jahre später, darunter 10 Jahre mit vergeblichen Versuchen, das Inflationsziel von 2 Prozent für die Eurozone zu erreichen, scheinen diese Worte überholt. Denn trotz des Einsatzes zahlreicher Instrumente – die Senkung der Leitzinsen bis in den negativen Bereich, die Aufblähung der EZB-Bilanz durch Anleihenkäufe, die Refinanzierungsgeschäfte für Banken – scheint der Einfluss der Zentralbank auf die Inflation fast null zu sein. Dagegen zeigen sich andere strukturelle Faktoren, wie die Alterung der Bevölkerung, geringe Produktivitätszuwächse, zu starker Wettbewerbsdruck durch Zombieunternehmen, die durch die Niedrigzinsen am Leben gehalten werden, als sehr wirkmächtig.

Trotzdem hat Christine Lagarde die Herausforderung als Nachfolgerin von Mario Draghi an der Spitze der Europäischen Zentralbank angenommen. Und als sei diese Aufgabe nicht schon schwierig genug, nannte die neue EZB-Präsidentin noch eine weitere Herausforderung: die Begrenzung der Erderwärmung auf „below but close to two degrees“, wie es ein Zentralbanker ausdrücken würde. Auf der Pressekonferenz vom 23. Januar 2020 steckte die EZB-Präsidentin die Ziele ihrer Amtszeit in diesen beiden Bereichen fest.

Zuerst wird sie sich der strategischen Überprüfung der EZB-Politik annehmen. Dies ist mit anderen Worten eine erforderliche Bestandsaufnahme der EZB-Entscheidungen seit der Krise 2008 und ihrer positiven oder unerwünschten Auswirkungen auf die Wirtschaft. Hierbei wird es keine Tabus geben. Es werden Überlegungen angestellt, wie die Umweltthemen Klima und Biodiversität, die bisher von der Finanzwelt, aber auch von den progressivsten Institutionen noch kaum beachtet wird, einbezogen werden können.

Nach dieser Prüfung, die voraussichtlich Ende 2020 abgeschlossen sein wird, könnte es zu strukturellen Änderungen kommen. Vorstellbar wäre beispielsweise, dass die Instrumente zur Inflationsmessung neu festgelegt werden, sei es durch eine Neuformulierung des Inflationsziels oder die Einbeziehung der Klimafrage in das EZB-Mandat, denn diese wird sich insbesondere über die Kosten für Agrarerzeugnisse, Energie und Wohnraum zwangsläufig auf die Inflation auswirken. Das wäre originell, denn es wäre der Versuch, den Temperaturanstieg – auch im gesellschaftlichen Klima – zu begrenzen und gleichzeitig den Preisanstieg zu begünstigen.

„Die Erderwärmung ist wie Zahnpasta. Ist sie erst mal heraus aus der Tube, bekommt man sie kaum mehr rein.“ Hoffen wir, dass diese neue Losung auf Dauer nicht zum Repertoire der Zentralbank gehören wird und dass ihr der Spagat zwischen Geldpolitik und Klimafrage gelingt, indem sie eine Inflation von 2 Prozent erreicht und zur Begrenzung der Erderwärmung auf 2 Grad Celsius beiträgt. Wer folgt auf Super Mario? Green Lady oder Christine „Lagaffe“, die wie die gleichnamige belgische Comic-Figur kein Fettnäpfchen auslässt?

LFDE - La Financière de l'Échiquier hat sich seit der Gründung 1991 zu einer der bedeutendsten und dynamischsten Fondsgesellschaften Frankreichs entwickelt. Die Kernkompetenzen liegen bei der Titelauswahl in europäische und internationale börsennotierte Unternehmen.

LFDE nutzt seine überzeugungsbasierte Managementexpertise, um institutionellen Investoren und Vertriebspartnern nachhaltige Produkte und Lösungen anzubieten, die eine Wertsteigerung der Kundenanlagen ermöglichen. LFDE verwaltet mittlerweile ein Vermögen von rund 9 Milliarden Euro und beschäftigt in Frankreich und den Niederlassungen in Deutschland, Spanien, Italien, der Schweiz und den Benelux-Ländern mehr als 130 Mitarbeiter.

LFDE gehört zur Primonial-Gruppe, dem unabhängigen Marktführer in Frankreich in den Bereichen der Vermögensverwaltung über die Entwicklung, Auswahl, die Zusammenstellung und das Angebot von vollständigen Lösungen für professionelle Vermögensverwalter sowie deren Kunden.

https://www.green-bonds.com/
(Foto: Olivier de Berranger © LFDE)


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