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Anleihen wieder stärker im Fokus

von Alexis Bienvenu, Fondsmanager Multi Asset, bei LFDE

Was lange als fast versiegte Ertragsquelle galt, bietet nun wieder Chancen für Anleger. Grund dafür ist gewiss kein außerordentliches Wachstum. Tatsächlich ist zu bezweifeln, dass die globale Dynamik an Schwung gewinnen kann, da sich das Tempo der wirtschaftlichen Expansion in China normalisiert und die hoch verschuldeten wohlhabenden Länder ihrerseits auf ein schwaches Wachstum zusteuern. Doch es existiert noch eine weitere Quelle solider Erträge: Anleihen. Natürlich befinden wir uns derzeit in einem Umfeld, in dem etwa das Rating der französischen Staatsanleihen von Standard & Poor's erneut herabgestuft worden ist und das gleiche Schicksal möglicherweise auch anderen Referenzländern wie Japan oder den USA droht. Vor diesem Hintergrund mag eine Investition in Anleihen, selbst wenn sie von hoher Qualität sind, unvernünftig erscheinen. Dennoch können sie durchaus zufriedenstellende Erträge bieten, und zwar wahrscheinlich für einen Zeitraum von mehreren Jahren.

Seltene Gelegenheit für Investoren

15 Jahre nach der Krise von 2008 haben die nominalen Renditen zu ihrer historischen Stärke zurückgefunden. So boten 10-jährige US-Anleihen auf Sicht von 100 Jahren ein durchschnittliches Carry von 4,8 %[1], was in etwa dem aktuellen Niveau entspricht. Hierin ist aber auch die Hochinflationsphase der 1970er und 1980er Jahre enthalten, in der dieser Wert zeitweise auf über 15 % stieg. Über die letzten 25 Jahre gesehen fällt der Durchschnitt auf 3,3 %.  Aus diesem Blickwinkel bietet das aktuelle Carry gegenüber dem durchschnittlichen Niveau also einen Aufschlag von mehr als 1 %, der sich über zehn Jahre kumulieren wird. Dies stellt eine seltene Gelegenheit für Anleger dar. In der Eurozone liegen derweil auch 10-jährige französische Staatsanleihen mit mehr als 3 % über ihrem 25-jährigen Durchschnitt (2,7 %).

Hinzu kommt, dass die „realen“ Renditen in Bezug auf die aktuellen langfristigen Zinsen vor dem Hintergrund der gesunkenen Inflation wieder im positiven Bereich liegen. Die Inflation mag zwar strukturell höher bleiben als in den letzten 20 Jahren, doch es gibt kein plausibles Szenario, in dem sie sich dauerhaft über dem aktuellen Niveau der langfristigen Zinsen verankern würde. Anderenfalls würden die Zentralbanken eingreifen. Daher deutet alles darauf hin, dass die „realen“ Renditen langfristig Bestand haben werden.

Qualitätsanleihen als langfristig ergiebige Renditequelle

Sicherlich wird die Qualität von Staatsanleihen in den kommenden Jahren immer wieder hinterfragt werden. Eine Erholung der strukturell unausgeglichenen Haushalte ist anscheinend nicht in Sicht: Die Ausgaben steigen schließlich weiter an, und sei es nur zur Finanzierung der aktuellen Transformationen, insbesondere in Bezug auf die Energiewende und den demografischen Wandel. Zum jetzigen Zeitpunkt ist jedoch kaum zu erwarten, dass die voraussichtlich bevorstehende Herabstufung von Staatsanleihen zu erheblichen finanziellen Verlusten führen wird. Die wohlhabenden Länder verfügen nach wie vor über eine hohe Kreditwürdigkeit, die sich nur langsam verschlechtert. Zudem zeigen sich diese Länder erfinderisch, was die Deckung ihres Finanzierungsbedarfs betrifft. Das ist etwa am Beispiel von Japan zu beobachten. Trotz einer Staatsverschuldung von über 250 % im Verhältnis zum BIP stellt der Zugang zu den Märkten hier kein Problem dar, was insbesondere der japanischen Zentralbank zu verdanken ist. Darüber hinaus gibt es nur wenige risikoarme Alternativen für Anleger. Das verfügbare Kapital kann nicht ausschließlich in Aktien, Gold, Luxusgüter und Kryptowährungen fließen, und so wird ein gewisser Teil auf solide Staaten oder Unternehmen entfallen, wenn auch nur aus Mangel an Alternativen. Die Anleihen einiger Unternehmen erhalten sich zudem ihre bessere Bewertung trotz ihrer jeweiligen Sitzstaaten: So werden Microsoft und Johnson & Johnson mit der Höchstnote AAA bewertet, obwohl S&P und Fitch die USA herabgestuft haben.

Im Übrigen stehen die Zentralbanken anscheinend vor einer Senkung der Leitzinsen. Dies dürfte zu einer Entspannung der Zinskurve führen. Zu dem intrinsischen Carry der schon ausgegebenen Anleihen käme in diesem Fall eine Wertsteigerung in Verbindung mit ihrem Kursanstieg hinzu, woraus sich also ein doppelter Gewinn ergäbe.

Damit stehen die Märkte am Beginn einer neuen Ära, in der Investitionen in Qualitätsanleihen möglicherweise wieder zu einer bevorzugten Option werden – als eine langfristig ergiebige Renditequelle für die Anleger.

Über LFDE - La Financière de l’Echiquier – www.lfde.com 
La Financière de l’Echiquier (LFDE) ist eine der führenden Vermögensverwaltungsgesellschaften Frankreichs. Das Unternehmen wurde 1991 gegründet und ist seit Juli 2023 eine Tochtergesellschaft von LBP AM. LFDE stützt sich auf ihr Know-how und ihre Expertise, um institutionellen Kunden, Vertriebsstellen und Privatanlegern Produkte und Lösungen mit hohem Mehrwert anzubieten, die sowohl ihren finanziellen als auch nicht-finanziellen Bedürfnissen entsprechen. LFDE verwaltet ein Vermögen von 12,7 Milliarden Euro (Stand: 31.12.2023), beschäftigt über 140 Mitarbeitende und vertreibt seine Fonds in den Benelux-Ländern, in Deutschland, Italien, Österreich, der Schweiz und Spanien. 

www.fixed-income.org
Foto: Alexis Bienvenu © LFDE


 

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