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Aufwärts oder abwärts?

von Olivier de Berranger, Chief Investment Officer, La Financière de l‘Échiquier

Der Beginn eines neuen Jahres ist üblicherweise die Zeit für gute Wünsche, aber auch für Vorhersagen in Sachen Wirtschaft und Finanzmärkte. Dies ist aber durchaus keine triviale Aufgabe. Schließlich kommt es nicht selten vor, dass kaum vorhersehbare Ereignisse die Anleger zu einer radikalen Abkehr von ihren ursprünglichen Prognosen bewegen. Ein Beispiel? Die abrupte Kehrtwende der Fed am 4. Januar 2019, während man am Markt mit Zurückhaltung gerechnet hatte. Dieser Schwenk von einer restriktiven zu einer akkommodierenden Haltung war eine kaum absehbare Zäsur, die letztlich einen Großteil der Kursanstiege bei Aktien und der Renditerückgänge im Jahr 2019 erklärt.

Dennoch ist es angebracht, sich in der heiklen Kunst der Vorhersage zu üben.

Was die Wirtschaftslage betrifft, so scheint der chinesisch-amerikanische Handelskonflikt angesichts der für den 15. Januar zugesagten Unterzeichnung eines vorläufigen Abkommens, entschärft zu sein. Dies stützt das Vertrauen von Unternehmen und Haushalten und dürfte Investitionen und Konsum in den nächsten Monaten zugutekommen. Die Frühindikatoren bestätigen diesen Aufwärtstrend seit Monaten, und wir scheinen die Talsohle der Wirtschaftsaktivität nun durchschritten zu haben.

Auf geldpolitischer Ebene ist der Status quo der gemeinsame Nenner von Fed und EZB. Die US-Notenbank Fed kündigte an, noch abzuwarten, bevor sie eine Änderung ihrer Leitzinsen ins Auge fasst. Von Seiten der EZB sind ebenfalls keine Störungen zu erwarten. Die neue Präsidentin Christine Lagarde hat es mit ihrer Strategieüberprüfung, mit der die Wirkung der aktuellen Instrumente (negativer Leitzins, quantitative Lockerung usw.) beurteilt werden soll, nicht eilig.

Aus geopolitischer Sicht, also dort, wo Vorhersagen am schwierigsten sind, steht vor allem die US-Präsidentschaftswahl im November 2020 im Blickpunkt. Auch wenn sich die zentralen Wahlkampfthemen noch nicht klar abzeichnen, dürften die Entscheidungen von Präsident Trump zum Ende seiner Amtszeit die Börsen wohl stützen. Für ihn sind die Börsen die bevorzugte Messlatte für den wirtschaftlichen Erfolg seiner Amtszeit.

Bei den Unternehmen erwarten die Analysten 2020 in den USA und Europa noch fast 10 Prozent Gewinnwachstum. Dies sind in Anbetracht des gesamtwirtschaftlichen Umfelds äußerst zuversichtliche Erwartungen, aber die Korrektur dieser Zahlen nach unten ist ein weiterer Brauch zum Jahresanfang. Falls das Wachstum im mittleren einstelligen Bereich liegt, sprich um die 5 Prozent, wird das Jahr 2020 in puncto Gewinne ein guter Jahrgang werden und für Aktien grundsätzlich eine beachtliche Unterstützung darstellen.

Wollen wir hoffen, dass dieses neue Jahr nur das Beste für uns bereithält und 2020 nach einem in vielerlei Hinsicht außerordentlichen Jahr 2019 ebenfalls zur Auslese gehört.

https://www.fixed-income.org/
(Foto: Olivier de Berranger
© La Financière de l’Échiquier)


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