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Die Ruhe vor dem Sturm?

von Olivier de Berranger, Chief Investment Officer und Enguerrand Artaz, Fondsmanager La Financière de L‘Echiquier

Die Aktienmärkte schlossen die vergangene Woche ohne größeren Trend leicht im Plus. Zu Beginn der Woche hatten sie angesichts der Einigung zwischen den USA und Mexiko deutlich zugelegt. Denn am vorherigen Wochenende hatte US-Präsident Donald Trump via Twitter die Aussetzung der mehrere Wochen zuvor angekündigten Zollerhöhungen verkündet, nachdem die mexikanische Regierung beim Thema Migration Zusagen gemacht hatte. Allerdings geriet der Kursanstieg aufgrund wichtiger Treffen und anhaltender Unsicherheit rasch ins Stocken.

Die größte Ungewissheit betrifft den Handelsstreit zwischen den USA und China, da weiterhin Zweifel bestehen, ob es auf dem nächsten G20-Gipfel zu einem Gespräch zwischen Xi Jinping und Donald Trump kommen wird. Nach Angaben von Larry Kudlow, Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, wartet Trump nach wie vor darauf, dass sein chinesischer Amtskollege der Unterredung zustimmt. Darüber hinaus setzten beide Seiten ihre Drohungen fort, wenn auch weniger direkt als in den Wochen zuvor. China schärft seine Waffen in Sachen seltene Erden: Offiziellen chinesischen Medien zufolge könnten auch Endprodukte, die diese Rohstoffe enthalten, unter die Exportbeschränkungen für Technologieprodukte fallen. Die Beschränkungen waren in Erwiderung der Attacken auf Huawei angekündigt worden. Das Thema seltene Erden ist aus wirtschaftlicher Sicht sehr wichtig für die USA, da der riesige Technologiesektor stark von diesen Produkten abhängt. Auch aus geostrategischer Sicht ist es von Bedeutung, denn die am höchsten entwickelten Waffen der US-Streitkräfte enthalten ganz wesentlich mit seltenen Erden gefertigte Komponenten.

Donald Trump seinerseits behauptete erneut, dass zahlreiche Währungen gegenüber dem Dollar zu schwach bewertet seien, und appellierte abermals an die chinesische Zentralbank (PBoC), keine Abschwächung des Yuan unter die Marke von 7 Yuan pro Dollar zuzulassen. Daraufhin gab der Chef der PBoC, Yi Gang, zu verstehen, dass die Zentralbank den Yuan unter Umständen nicht weiter verteidigen wird. Ein Gespräch zwischen Xi Jinping und Donald Trump auf dem G20-Gipfel und dessen Ergebnisse werden demnach Tag für Tag wichtiger.

Vor dem am 28. und 29. Juni in Japan stattfindenden G20-Gipfel wird sich die Aufmerksamkeit vorerst auf die Fed-Sitzung am 19. Juni richten. Nach den sehr moderaten Äußerungen einiger ihrer Mitglieder und insbesondere ihres Vorsitzenden Jerome Powell wird auf Maßnahmen der Notenbank gelauert. Auch wenn eine Zinssenkung auf dieser Sitzung nicht auf der Tagesordnung steht, rechnen die Märkte damit, dass der Offenmarktausschuss (FOMC) die Äußerungen von Powell bestätigen und einer Senkung der Leitzinsen auf der Juli-Sitzung den Weg ebnen wird. Hierzu wird es vermutlich zwar kommen, doch Anleger müssen weiter misstrauisch sein. Das Ausbleiben schlechter Nachrichten beim G20-Gipfel in Verbindung mit stabileren makroökonomischen Daten ist ein glaubhaftes Szenario für die nächsten Wochen, wäre aber kein wichtiger Katalysator für die Märkte. Allerdings könnte dieses Szenario die Fed von Zinsmaßnahmen im Sommer abbringen. Zweifelsohne würde ein Status quo von den Anlegern schlecht aufgenommen werden, deren Erwartungen hinsichtlich der Maßnahmen der Notenbank und ihrer Fähigkeit, in völligem Einklang mit dem Verlauf des Konjunkturzyklus zu handeln, überzogen waren.

Nach der Korrektur im Mai war in den ersten Juniwochen eine kräftige Erholung der Märkte zu beobachten. Angesichts von Ereignissen, die erhebliche Bewegungen auslösen und uns die Richtung für die nächsten Monate weisen könnten, ist vorerst Abwarten angesagt.

https://www.fixed-income.org/
(Foto: Olivier de Berranger
© La Financière de L’Echiquier)



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