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EZB geht auf Nummer sicher

von François Rimeu, Senior Market Strategist, Crédit Mutuel Asset Management

Die Europäische Zentral­bank (EZB) wird ihren Leit­zins auf ihrer letzten Sitzung des Jahres angesichts der rück­läu­figen Wachs­tums- und Inflations­risiken voraus­sichtlich um 25 Basis­punkte senken. Dies dürfte sich in der Neu­bewertung ihrer makro­öko­no­mischen Projektionen wider­spiegeln. Trotz Anzeichen wirtschaft­licher Schwäche in der Region gehen wir jedoch nicht davon aus, dass die EZB ihre geld­politische Lockerung im Dezember beschleunigen wird, indem sie sich für eine Senkung um 50 Basispunkte entscheidet.

Unsere Erwartungen:

▪  Der EZB-Rat wird den zentralen Referenzzinssatz (Einlagefazilität) um 25 Basispunkte auf 3,0% senken.

▪  Da die Inflation im Dienstleistungssektor weiterhin zu hoch ist (rund 4%), erwarten wir auf dieser Sitzung keine veränderte Kommunikation zur europäischen Geldpolitik. Die EZB wird wahrscheinlich ihren datenabhängigen Kurs beibehalten und ihre Entscheidungen von Sitzung zu Sitzung treffen, ohne sich im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad festzulegen. Allerdings wird die EZB darauf hinweisen, dass in den kommenden Monaten weitere Zinssenkungen in Richtung „neutrale Zone“ (die das Wirtschaftswachstum weder stimuliert noch bremst), schätzungsweise bei etwa 2%, zu erwarten sind.

In den neuen Wirtschaftsprojektionen: 

▪  Entsprechend den Erklärungen ihrer Mitglieder seit Oktober erwarten wir vom Bericht der EZB, dass die Gesamtinflation bis zum vierten Quartal 2025 zum Ziel von 2% zurückkehren wird (wie in ihrer Prognose vom September). Die EZB wird wahrscheinlich auch ihre Inflationsprognose für 2025 senken (-0,1% gegenüber den Erwartungen vom September) und die Kerninflation (ohne Lebensmittel- und Energiepreise) leicht über dem Zielwert halten. Darüber hinaus gehen wir davon aus, dass die EZB ihre Inflationserwartungen für 2027 bekannt geben wird - mit einer Stabilisierung der Kerninflation bei 2%.

▪  Was das Wachstum betrifft, so werden die Prognosen für 2025 und 2026 voraussichtlich leicht nach unten korrigiert (-10 Basispunkte, 1,2% bzw. 1,4%). EZB-Präsidentin Christine Lagarde wird darauf hinweisen, dass diese Prognosen mit erheblichen Unsicherheiten bezüglich der Finanzpolitik in den beiden größten Volkswirtschaften der Region (Frankreich und Deutschland) behaftet sind.

Insgesamt wird die Europäische Zentralbank trotz eines fragilen wirtschaftlichen Umfelds wahrscheinlich an schrittweisen Zinssenkungen festhalten. Christine Lagarde könnte jedoch in Anlehnung an die Äußerungen des EZB-Chefvolkswirts Philip Lane in der Pressekonferenz eine mögliche Abkehr von der datenabhängigen Strategie in der Zukunft (sobald „der Disinflationsprozess abgeschlossen ist“) zugunsten eines Ansatzes andeuten, der sich auf die Bewertung künftiger Risiken konzentriert. Außer einer Zinssenkung um 25 Basispunkte gibt es nur wenige Erwartungen an diese Sitzung. Es besteht eine sehr geringe Chance, dass es zu einer akkommodierenden Haltung kommt, die zu niedrigeren Zinssätzen entlang der gesamten Kurve führt.

www.fixed-income.org
Foto: François Rimeu © Crédit Mutuel Asset Management


 

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