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„Faire Bewertung der europäischen Hochzinsanleihen“

Kommentar von Ian Spreadbury, Manager des Fidelity European High Yield Fund

"Trotz erneuten Gegenwinds durch die Konjunktur ist der Markt für Hochzinsanleihen stabil geblieben. Das lag an zwei Faktoren: Den hohen Geldzuflüssen durch die Investoren auf der Suche nach Zinsen und den stabilen Fundamentaldaten der Unternehmen. Letztere verbessern sich trotz ungünstiger makroökonomischer Daten, weil die Unternehmen ihre Schulden abbauen. So handeln sie eher im Sinne der Inhaber von Anleihen als der Aktionäre. Es wird sicherlich auch wieder andere Rahmenbedingungen geben, aber bis dahin bieten Hochzinsanleihen eine gute Rendite.

Im Durchschnitt lassen sich am Markt aktuell ca. 7,3% erzielen. Auf Basis der Spreads ist die Verzinsung von Hochzinsanleihen im Vergleich zu Staatsanleihen und Investment Grade-Anleihen sehr attraktiv. Die Spreads befinden sich wieder nah an den historischen Durchschnittswerten (569 Basispunkte über deutschen Staatsanleihen). Das ist der Grund, weshalb ich von fairen Bewertungen am Markt spreche.

Ein weiterer Grund für meine positive Einschätzung sind die Ausfallraten. Die Ratingagenturen prognostizieren für die kommenden zwölf Monate einen Rückgang der Raten von aktuell 3,5% auf 1,0%. Die Berechnungen von Fidelity kommen zu einem ähnlichen Ergebnis. Nachdem sich jedoch die einflussreichen Parameter schnell ändern können, rechne ich eher mit Raten von knapp über 1%. Im Vergleich zu den letzten Jahren ist das sehr gering, 2009 lagen sie zum Beispiel noch bei 12%.

Auch Angebot und Nachfrage scheinen im Gleichgewicht zu sein. 2010 haben sich viele Unternehmen am High-Yield-Markt refinanziert, der Rekord bei den Emissionen aus dem Vorjahr konnte dieses Jahr sogar noch einmal überboten werden. Trotz der geringen Liquidität am Markt war im Sommer ein stabiler Strom an Neuemissionen zu beobachten. Es gab einige besonders attraktive Emissionen in den letzten Monaten, an denen wir teilnehmen konnten und die nun über ihrem Ausgabepreis gehandelt werden. Durch unsere guten Beziehungen zu den Verantwortlichen werden wir häufig schon vor den Emissionen um Rat gebeten. Das ist natürlich auch für unser eigenes Research sehr hilfreich.

Die Nachfrage war bisher so stark, dass das Angebot aufgefangen wurde. Das niedrige Zinsumfeld stützt diese Entwicklung. Solange die Nachfrage so stark bleibt, gehe ich nicht davon aus, dass ein zu geringes Angebot die Kurse steigen lässt und so die Erträge zu Fall bringen wird.

Die Auswirkungen von Basel III auf den Hochzinsmarkt lassen sich heute noch nicht genau abschätzen. Es herrscht zurzeit Unklarheit, wie Banken und Regulierungsbehörden die neuen Regeln interpretieren werden.“




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