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Fidelity: Coronavirus hinterlässt Bremsspuren

Markt rechnet mit Wachstumseinbußen in China von 0,3 bis 0,5% für 2020 infolge des Coronavirus, US-Staatsanleihen bleiben ein sicherer Hafen für Anleger

Die Unsicherheit über die Folgen der Epidemie für die Kapitalmärkte lässt Anleger vorsichtiger agieren. Andrea Iannelli, Investment Direktor bei Fidelity International, erläutert, welche Folgen für die chinesische Wirtschaft zu erwarten sind.

Zunächst sah es Anfang Januar nach einem eher guten Start für die Märkte aus. Zaghafte Anzeichen einer Wachstumsbeschleunigung, die weiterhin lockere Zentralbankpolitik und die Unterzeichnung des Phase-1-Handelsabkommens zwischen den USA und China: All das sorgte für Optimismus unter Anlegern. Risikoanlagen legten auf breiter Front zu, und die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen markierten Mehrjahrestiefs. Jäh zum Erliegen brachten die Rally jedoch Meldungen über die Ausbreitung eines neuartigen Lungenvirus in China. Trotz diverser Maßnahmen zur Minderung der Ansteckungsgefahr brauchten die Märkte nicht lange, um dieses neue Risiko in die Kurse einzupreisen.

Die Flucht in sichere Anlagen mit besseren Bonitäten ließen die Kurse von Staatsanleihen steigen und die Renditen fallen. Verstärkt wurden dieser Trend durch die inzwischen als teuer eingeschätzten und überlaufenen risikoreicherer Anlagen. Analysten zogen Vergleiche mit der SARS-Epidemie von 2003. Das Coronavirus scheint jedoch viel ansteckender zu sein, aber glücklicherweise bislang nicht so lebensgefährlich wie der SARS-Erreger.

Die Lage bleibt aber extrem unübersichtlich. Abgesehen von den für die Betroffenen zweifellos dramatischen Gesundheitsfolgen lassen sich die Auswirkungen auf die chinesische und die Weltwirtschaft bislang noch nicht genau beziffern. Da die zuständigen Behörden in China schnell gehandelt und die am stärksten betroffenen Gebiete abgeriegelt haben, dürfte sich die Ausbreitung des Lungenvirus in Grenzen halten. Allerdings ist der Höhepunkt bei der Zahl der offiziell bestätigten Neuinfektionen noch nicht erreicht.

Steht Chinas Wirtschaft eine lange Erholung bevor?
Inzwischen hat der Ausbruch des Virus die Wirtschaftsaktivität in China und die Lieferketten empfindlich gestört. Peking reagierte unverzüglich mit Zinssenkungen und Liquiditätsspritzen. In den nächsten Wochen rechnen wir mit weiteren Maßnahmen. Dennoch wird das Coronavirus zweifellos Bremsspuren hinterlassen. Im Schnitt geht das Gros der Marktteilnehmer für 2020 mit einem um 0,3 bis 0,5 Prozent schwächeren chinesischen Wirtschaftswachstum aus. Ob diese Schätzung zutrifft, wird jedoch davon abhängen, wann der Wirtschaftsmotor wieder anspringt. Bei weiteren Unterbrechungen der globalen Lieferketten dürften die Prognose schnell noch düsterer werden und damit einen neuerlichen Anflug von Risikoscheu begünstigen.

Risikoanlagen könnten sich schnell erholen, denn die Zentralbanken bleiben auf der Hut
In nächster Zeit wird sich die Aufmerksamkeit der Anleger weiter auf das Coronavirus richten. Auch wir werden aufmerksam beobachten, wie sich die Lage entwickelt. Weitere Kursverluste bei Risiko-Assets sind nicht auszuschließen. Dennoch kann die Risikoscheu schnell nachlassen, wenn die Zahl der Neuinfizierten zurückgeht. In der Zwischenzeit bleiben die Zentralbanken wachsam. Sowohl die US-Notenbank Fed als auch die EZB ließen die Zinsen bei ihren Januar-Sitzung unverändert, schlugen aber expansive Töne an. Auch wenn das Coronavirus die Weltwirtschaft nur kurzzeitig belasten sollte: Die beiden Zentralbanken stehen parat, um einzugreifen, wenn sich die Rahmenbedingungen weiter verschlechtern.

Auf längere Sicht ziehen wir US-Staatsanleihen weiterhin deutschen Bundesanleihen vor. Im Moment wird diese Einschätzung jedoch von unseren quantitativen Modellen überlagert. Wegen der aktuellen Momentum- und Bewertungssignale deuten sie eine vorsichtigere Haltung gegenüber Treasuries an. Wir haben die Rally in diesem Monat genutzt, um die Duration zu verkürzen. Von einem spürbaren Renditeanstieg gehen wir jedoch nicht aus.

https://www.fixed-income.org/
(Foto: Andrea
Iannelli © Fidelity International)


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