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Fidelity Fixed Income Monatsbericht: Anhaltende Renditejagd facht Nachfrage bei Investment-Grade-Emissionen an

Im vergangenen Monat hat sich die Emissionstätigkeit bei Investment-Grade-Unternehmensanleihen deutlich belebt: Allein in den USA und Europa wurden Papiere im Wert von 156 Milliarden Dollar bzw. 55 Milliarden Euro an den Markt gebracht. Bei Anlegern standen die Wertpapiere hoch im Kurs. Andrea Iannelli, Investment Director für Anleihen bei Fidelity International, erläutert vor diesem Hintergrund den Ausblick des Teams für bonitätsstarke Unternehmensanleihen.

Geld- und Fiskalpolitik stützen asiatische Investment-Grade-Papiere
„Bei asiatischen Unternehmensanleihen mit bester Bonität (Investment Grade) bleiben wir übergewichtet. Grund ist die Geld- und Fiskalpolitik in der Region, von der auch in nächster Zeit Rückenwind ausgehen dürfte. Im Handelsstreit zwischen den USA und China bleiben die Verhandlungen zwar schwierig, eine Lösung halten wir dennoch für wahrscheinlich. Beide Länder brauchen eine stabile Wirtschaft. Schließlich stehen in den USA 2020 Wahlen an, während China seine Reformagenda fortsetzt und deshalb keine wirtschaftliche Unsicherheit gebrauchen kann.

Trotzdem haben wir einen Teil unseres Gewinns mitgenommen, denn seit Jahresbeginn verzeichnet die Anlageklasse zweistellige Gesamtrenditen. Anleger preisen inzwischen eine Rezession mit höherer Wahrscheinlichkeit ein, weshalb die Risikoaufschläge steigen könnten. Allerdings zeichnen einzelne Unternehmensberichte ein weniger düsteres Bild für China, als die Wirtschaftsdaten vermuten lassen. Aber auch wenn die Regierung im Reich der Mitte die Wirtschaft weiter stützen dürfte, um die Folgen des Handelskriegs abzumildern, könnten die fiskalischen Impulse für Enttäuschung an den Märkten sorgen und die Anlegerstimmung trüben.

Vorsicht bei US-Investment-Grade-Anleihen, bei denen aber einige Sektoren besser abschneiden
Bei Dollar-Anleihen aus dem bonitätsstärksten Segment sind wir weiter zurückhaltend. Ihre Bewertungen sind hoch und die Risikoaufschläge auf Indexebene im langjährigen Vergleich niedrig. Der spätzyklischen Dynamik und den strukturellen Herausforderungen werden sie damit nicht gerecht. Darüber hinaus nehmen die Unterschiede zwischen den Sektoren zu. In der Vergangenheit hatten sich Abschwungphasen oft in allen Branchen gleichermaßen bemerkbar gemacht. In den letzten zwölf Monaten glitt jedoch der Wohnungsbau in eine Rezession ab, aus der er sich gerade wieder erholt. Dagegen stecken nun der Automobil- und Industriesektor in einer Flaute.

Die Branchen Konsumgüter, Finanzen und Gesundheit wiederum behaupten sich. Ungewiss ist außerdem, ob traditionell defensive Sektoren wie Tabak sowie Lebensmittel und Getränke einem Konjunkturabschwung in den USA die Stirn bieten können. Beide stehen vor strukturellen Herausforderungen, die nicht nur ihre Fundamentaldaten, sondern auch ihre Kreditwürdigkeit belasten. Als Anleiheinvestoren begrüßen wir die Botschaft des Aktienmarktes, die da lautet: Künftig sollten solidere Bilanzen Priorität haben.

Allerdings befürchten wir, dass die Unternehmen angesichts der gegenwärtig so niedrigen Kreditkosten verglichen mit den Eigenkapitalkosten wieder vermehrt Fremdkapital aufnehmen werden. Besonders besorgniserregend fänden wir einen Anstieg der fremdfinanzierten Übernahmen. So beobachten wir, dass die Kurs-Gewinn-Verhältnisse an den Privatmärkten zuletzt über denen an den öffentlichen Märkten lagen. Und da Private-Equity-Investoren auf hohen Cash-Beständen sitzen, könnten sie selbst größere Firmen als Übernahmeziel ins Visier nehmen. Das würde einen sprunghaften Anstieg der Verschuldung, der Renditen und der Neubewertungen am Markt auslösen. Zumal angesichts der hohen Kurse, mit denen länger laufende Anleihen von Firmen mit inzwischen hohen Ratings gehandelt werden.

EZB heizt die Renditesuche weiter an
In Europa sind die Bewertungen von auf Euro lautenden Unternehmensanleihen mit Investment Grade weniger attraktiv als zu Beginn des Jahres, wenn man ihre Risikoaufschläge und Renditen betrachtet. Während sich die von der Europäischen Zentralbank angefachte Renditejagd voraussichtlich fortsetzen wird und die Spreads in Schach hält, könnten wir attraktivere Niveaus zum Aufstocken des Engagements nutzen.

Die Details des neuen quantitativen Lockerungsprogramms der Währungshüter im Euroraum haben für Ernüchterung am Markt gesorgt. Sollte es bei der Aufteilung zwischen Staats- und Unternehmensanleihen wie beim ersten Lockerungsprogramm bleiben, würde das ein monatliches Kaufvolumen von 2,5 Milliarden Euro bedeuten. Allein im September haben Unternehmen Investment-Grade-Anleihen im Wert von über 50 Milliarden Euro emittiert. Folglich ist mit keiner wesentlichen Unterstützung durch das Programm zum Ankauf von Unternehmensanleihen zu rechnen. Dagegen wird die starke Emissionstätigkeit wohl anhalten, denn dies- und jenseits des Atlantiks nutzen Unternehmen auch weiterhin die aktuell niedrigen Finanzierungskosten zur Kreditaufnahme.

https://www.fixed-income.org/
(Foto: Andrea Iannelli © Fidelity International)



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