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Inflationsgebundene Anleihen: Markt-Indizes nach BIP gewichten

Steigende Energiepreise sowie das Auslaufen von steuerlichen Erleichterungen zur Bekämpfung der negativen wirtschaftlichen Pandemie-Auswirkungen haben das Verbraucherpreisgefüge seit Jahresanfang nach oben verschoben – nicht nur hierzulande. Die Bewertungen inflationsgebundener Anleihen deuten darauf hin, dass Anleger mit einem weiteren Anstieg der Inflationserwartungen rechnen. Bei inflationsgebundenen Anleihen, den sogenannten Linkern, handelt es sich um eine eher komplexe, nicht einfach zu erklärende Anlageklasse. „Viele Investoren fragen sich, ob - und wenn ja, in welchem Maß - Linker ihren Platz in einem ausgewogenen (Anleihen-)Portfolio haben sollten“, sagt Sam Vereecke, Portfoliomanager Fixed Income bei DPAM.

Der Experte verweist darauf, dass es bei diesem speziellen Anleihensegment einige Fallstricke zu beachten gibt. Wie bei der Konstruktion von Portfolios aus nominalen Anleihen gilt es generell, hohe Portfoliogewichtungen stark verschuldeter Emittenten zu meiden. Dies gilt gleichermaßen mit Blick auf die Duration, also die durchschnittliche Kapitalbindung für den Investor. Mit zunehmendem Exposure in langlaufenden Anleihen, also solchen mit hoher Duration, steigt das Risiko, also der Druck auf den Anleihenkurs aus einer steigenden Marktrendite heraus. Dementsprechend stehen für den Investor auch bei der Anlage in inflationsgebundenen Anleihen die Fragen im Zentrum, wie stark ein Staat über die Emission von Linkern verschuldet ist und welche durchschnittliche Duration diese aufweisen?

Schaut man auf den globalen Markt für inflationsgebundene Anleihen, fällt diesbezüglich eine große Heterogenität auf. Japan zum Beispiel weist mit über 250% des Sozialproduktes den höchsten Verschuldungsgrad auf, wobei der Anteil inflationsgebundener Anleihen bei nur 1% beträgt. Deutschland zählt neben Neuseeland und Australien zu den gering verschuldeten Staaten, allerdings beträgt der Linker-Anteil ebenfalls nur relativ geringe 3%. Ein ganz anderes Bild zeichnet Großbritannien, das mit 100% des BIP zwar durchschnittlich verschuldet ist. Jedoch beträgt der Anteil von Linkern am gesamten Emissionsvolumen des Landes 20%, ein im internationalen Vergleich hoher Wert. Gleiches trifft auch auf die durchschnittliche Duration zu, die fast doppelt so hoch ist wie bei deutschen inflationsgebundenen Anleihen.

Vorsicht ist Sam Vereecke zufolge demnach mit Blick auf Linker-Indizes geboten. Betrachtet man zum Beispiel den nach Marktvolumen gewichteten Bloomberg Barclays Standard Inflation Index, fällt auf, dass dieser eine Duration von 12,5 Jahren aufweist. Dies macht eine Investition in den Index relativ anfällig gegenüber Zinsänderungen sowie Veränderungen der Inflationserwartungen. Den größten Durationsbeitrag im Index liefert Großbritannien mit 6,5 Jahren. Weil es entsprechend viele seiner Schulden in Form von Linkern mit langer Laufzeit begibt, entfällt mehr als die Hälfte des Zinsrisikos des Index auf das Vereinigte Königreich. „Reduzieren lässt sich das Durationsrisiko durch eine Gewichtung des Index mit dem Bruttoinlandsprodukt der jeweiligen Länder. Die durchschnittliche Duration sinkt in diesem Fall auf Indexebene auf 8,9 Jahre sowie die Großbritanniens auf 1,26 Jahre“, sagt Sam Vereecke. Ein Ansatz, der im DPAM Horizon B Bonds Global Inflation Linked, der inflationsgebundenen Produktexpertise von DPAM, zum Einsatz kommt. Anders als beim Bloomberg Barclays Standard Inflation Index berücksichtigt DPAM zusätzlich Emerging Markets als Emittenten des globalen inflationsgebundenen Anleihenuniversums.

Bezüglich der Inflationserwartung der Märkte verweist der DPAM-Experte darauf, dass die Unsicherheit über den weiteren Weg der Preisentwicklung bereits in den Bewertungen enthalten ist. Ein Überschießen der Inflation sei demnach nicht zu erwarten. Der 10-Jahres-Breakeven-Satz für Deutschland liegt mit 1,34% bereits wieder auf dem Niveau von 2018 sowie derjenige der USA mit 2,35% auf dem Niveau von 2013. In den USA wird die Notenbank Fed weiterhin unterstützend agieren. „Die Realwirtschaft und die Finanzmärkte würden einem monetären Straffungszyklus zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht standhalten, die negativen Auswirkungen wären zu groß. Auch die Arbeitsmärkte brauchen noch Zeit, um sich von den Folgen der Pandemie unter strukturellen Gesichtspunkten zu erholen. Erst nach einigen Jahren einer Kerninflation zwischen 2 und 3,5% sollte sich die Fed zum Handeln berufen fühlen. Aktuell deutet aber nichts auf übermäßige Inflationsgefahren hin. Im zweiten Halbjahr 2021 werden Basiseffekte sowie die wirtschaftliche Stabilisierung mit einer entsprechenden Nachfrageausweitung weiterhin für Volatilität bei den Verbraucherpreisen sorgen“, fasst Sam Vereecke zusammen.

www.fixed-income.org
Foto: Sam Vereecke
© Degroof Petercam Asset Management


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