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Notenbanken werden Erwartungen nicht erfüllen

Von Daniel Zindstein, Portfoliomanagement, GECAM AG

Chefs der beiden wichtigsten Notenbanken der Welt, Mario Draghi und Ben Bernanke haben sich zuletzt verbal weit aus dem Fenster gelehnt. Während der Italiener Anleihenkäufe europäischer Peripheriestaaten ankündigte, um die „Wirkung der Geldpolitik“ zu gewährleisten, suggerierte Bernanke, dass ein Quantitative Easing III-Programm (QE III) zur Stützung der Konjunktur und des Arbeitsmarktes in den USA bevorstehen könnte. Die Hoffnung auf bedeutende Aktionen dieser beiden Institutionen hat den Aktien- und auch den Edelmetallmärkten seit Juli kräftig Auftrieb gegeben. So stieg der DAX auf 7.100 Punkte und machte ausgehend vom Tiefststand rund 20 Prozent gut. Er gehört damit zu den Gewinnern unter den Aktienindizes der Industrienationen. Wie von uns angekündigt, gab es bisher keinen „Sommer des Schreckens“ wie im letzten Jahr, sondern seit Juni sogar eine dreimonatige Sommerrallye. Die wichtigsten Indizes blieben dennoch an signifikanten runden Marken bzw. ihren Jahreshochs aus dem März hängen und kämpfen seither um diese magischen Zahlen (DAX 7.000, Dow Jones 13.000, S&P 500 1.400, M-DAX 11.000, Nikkei 9.000 usw.). Warum starten die Märkte nicht durch?

Notenbanken werden enttäuschen – und das ist gut so!

Bisher waren es lediglich Lippenbekenntnisse der Notenbankchefs, die Hoffnungen schürten. Doch im September kommt es zum Schwur. Um die Marktteilnehmer nicht zu enttäuschen, müssten bedeutende Taten folgen. Dies wird unserer Meinung nach aber nicht geschehen. Anstelle der großen epochalen Programme erwarten wir keine oder nur geringe Maßnahmen, die sich im Wesentlichen auf die Fortsetzungen der bisherigen expansiven Politik konzentrieren werden. Denn das Umfeld sieht folgendermaßen aus: Die Aktienmärkte sind auf Jahresbasis gut im Plus und haben sogar einen unmittelbaren fulminanten Anstieg hinter sich. Die Unternehmen machen gute Geschäfte und Gewinne. Der Immobilien- und der Arbeitsmarkt in den USA erholen sich zwar langsam aber sukzessive. Reformerfolge wie in Irland und Portugal werden von den Märkten mit massiv fallenden Zinsen seit Jahresanfang goutiert (Bsp: 10-jährige Staatsanleihen Portugal: von 16 auf 9,3 Prozent, Irland: von 10,7 auf 5,8 Prozent). Frau Merkel sieht Italien auf einem guten Weg, ja selbst Griechenland ist auf Sympathie-Tour unterwegs, wirbt um Vertrauen und schöpft neue Hoffnung. Ist das ein Krisen-Szenario, in dem die Notenbanken mit der großen Keule aktiv werden müssen, wohlwissentlich, dass die Wirkung von Kaufprogrammen mit jedem Mal abnimmt, ja nur ein Strohfeuer entfacht? Kann eine EZB bei ihrer Sitzung am 6. September dem Bundesverfassungsgericht wirklich vorgreifen und quasi Schuldenvergemeinschaftung über die Hintertür EZB betreiben, obwohl ihr Mandat dies gar nicht zulässt? Will eine FED die Folgen von QE III, nämlich steigende Rohstoff- und Benzinpreise, die die amerikanischen Verbraucher und Unternehmen unmittelbar belasten, tragen – auch im Hinblick auf den Wahlkampf? Wir glauben nicht!

Deshalb wird es am kommenden Wochenende beim Treffen der Notenbanker in Jackson Hole, am nächsten Mittwoch bei der EZB-Sitzung sowie am 12. September bei der offiziellen FED-Tagung keine wesentlichen Verkündigungen geben. Der Tenor wird lauten, dass man im Notfall bereitstünde bzw. eine Fortsetzung der expansiven Geldpolitik zusichert. Und das ist gut so! Die Selbstheilungskräfte in den Volkswirtschaften müssen nun durch Struktur-Reformen und durch eine bereits historisch einmalige Geldschöpfung der Notenbanken endlich von alleine wirken. Es hilft nichts, immer mehr Wasser in den Trog zu schütten, wenn die Pferde nicht saufen. Ansonsten belasten wir unsere Zukunft mit massiven Hypotheken in Form von stark ansteigenden Vermögenspreisen, Fehlallokationen von Kapital sowie dauerhaften Abhängigkeiten von niedrigen Zinsen und Inflation.

Bevorstehende Korrektur bei Aktien schafft Kaufgelegenheiten

Im kommenden Monat stehen viele bedeutende Termine an: die Notenbanksitzungen am 06.09. und 12.09., die Wahl in den Niederlanden am 12.09., die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes über den ESM am 12.09. und eventuell der Troika-Bericht über Griechenland. Dies und die Tatsache, dass der September statistisch ohnehin ein schwieriger Monat ist, führt unseres Erachtens zu einer gesunden Korrektur der bisherigen fulminanten Aufwärtsbewegung bei Aktien in Höhe von fünf bis acht Prozent. Die Korrektur sollte jedoch als strategische Kaufgelegenheit genutzt werden. Denn immer mehr Anleger erkennen, dass unter Rendite-/Risikogesichtspunkten kein Weg an der Investition in gute und rentable Unternehmen vorbei geht. Die Zahl der Aktienanleger selbst in Deutschland steigt seit der Finanzkrise 2008 kontinuierlich an. Diese Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen. Wenn dann erst einmal – um am Beispiel des DAX zu bleiben – das Jahreshoch von 7.200 Punkten genommen wurde, ist der Weg zur 8.000er-Marke und darüber hinaus frei. Kurzfristig sind Aktien also pfui – mittelfristig hui!

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Veranstaltungshinweis:
Unternehmer-Workshop „Unternehmensanleihen - Finanzierungsalternative für den Mittelstand“
am 19.09. in Frankfurt
www.bond-conference.com
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