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Sturmwolken am Horizont

Bei zunehmender Unsicherheit kann eine sorgfältige Kreditauswahl der Schlüssel zur sicheren Navigation durch die kommenden Monate sein

Weniger als 50 Tage vor den US-Wahlen sollten die Marktteilnehmer ihre Portfolios auf die kommenden turbulenten Zeiten vorbereiten. Die Anzahl der Corona-Infektionen steigt beunruhigender Weise weiter, insbesondere in einigen US-Bundesstaaten und europäischen Ländern. Durch die bevorstehenden Wahlen in den USA gerät unseres Erachtens die Debatte über weitere fiskalische Anreize aus dem Fokus, wodurch es schwierig wird, eine schnelle und wirkungsvolle Lösung zu finden. Die Aussicht auf einige lokal begrenzte-Lockdowns in Europa bestätigt unserer Ansicht nach, dass kein genereller Lockdown wie im März und April erfolgen wird. Allerdings dauert der Kampf gegen das Virus viel länger und ist deutlich schmerzhafter als erwartet. Das bedeutet, dass die fiskal- und geldpolitischen Reaktionen angepasst werden müssen, um die Volkswirtschaften über einen längeren Zeitraum zu unterstützen.

Bisher waren die Erträge in den USA und Europa im 2. Quartal zwar besser als die gedämpften Erwartungen, in absoluten Zahlen jedoch nicht gut. Gleichzeitig hat die anhaltende Nachfrage zu deutlich mehr Neuemissionen von US-Unternehmen geführt, als noch vor einigen Monaten erwartet. Was zunächst eine Welle von Emissionen durch Investment Grade-Unternehmen war, hat sich im Laufe des Sommers ebenso zu einem High Yield-Phänomen entwickelt, und auch im September scheint es viele Aktivitäten zu geben. Das bedeutet, dass sich die Kreditkennzahlen zwar verschlechtern, aber nicht so stark, wie ursprünglich befürchtet. Wir halten dies für eine recht gute Entwicklung und vertreten die Ansicht, dass es Zeit für Carry und nicht für Trading ist.

In Bezug auf den Portfolioaufbau glauben wir, dass in den letzten Wochen eine Verlagerung von Profiteuren des Lockdowns hin zu zyklischeren Branchen sinnvoll war. Es ist jetzt an der Zeit, die höheren Carry-Opportunitäten zu nutzen und Unternehmen auszuwählen, die gut durch die Krise gekommen sind. Zudem gilt es, zu erkennen, welche Firmen einen Liquiditätspuffer aufgebaut haben, um die kommenden Quartale gut zu überstehen, und welche Unternehmen so schwach aufgestellt sind, dass sie sich immer wieder aufs Neue am Kapitalmarkt finanzieren müssen und möglicherweise mit einer „Emissionsmüdigkeit“ der Märkte konfrontiert werden.

Im August konnten die Anleihenmärkte in den Industriestaaten den fünften Monat in Folge eine positive Überrendite erzielen. Das Risiko auf dem Aktienmarkt für die nächsten Wochen könnte unserer Meinung nach dazu führen, dass die Kreditspreads kurzfristig wieder volatiler werden. Wir glauben jedoch, dass dies die Zweiteilung zwischen starken und schwachen Anleihen verstärken wird und interessante Gelegenheiten eröffnen könnte, robuste Kredite mit niedrigen Bewertungen aber guten Renditen in das Portfolio aufzunehmen.

Damit die Gesundheitskrise nicht zu einer Finanzkrise wird behalten die Zentralbanken die extrem niedrigen Zinssätze weiterhin bei. Ihre Toleranz gegenüber der Inflation zeigt jedoch ihre Befürchtungen hinsichtlich der wirtschaftlichen Erholung. Mit dem Wunsch nach Inflation ist es aber nicht getan, und aus unserer Sicht gibt es massive deflationäre Gegenwinde (hohe Arbeitslosigkeit, Technologie), die erhebliche Herausforderungen darstellen.

Wir beobachten die Verhandlungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU über ein Handelsabkommen nach dem Ende der Übergangszeit sorgfältig. Ein No-Deal wäre ein weiterer Störfaktor zusätzlich zu den negativen wirtschaftlichen Auswirkungen durch die steigende Anzahl an Covid-19-Infektionen.

Wir glauben, dass breit aufgestellte Produkte, wie z. B. High Yield Anleihen, die beste Quelle für laufende Renditen darstellen, die einen gewissen Schutz gegen einen unerwarteten Anstieg der Zinssätze bieten können. Unserer Ansicht nach können Anleihen in diesen etwas optimistischeren - aber immer noch unsicheren - Zeiten Flexibilität bieten.“

www.fixed-income.org
Michael McEachern, Head of Public Markets bei Muzinich & Co, kommentiert die Lage an den Kreditmärkten
Foto: Michael McEachern
© Muzinich & Co


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